Falsche Profile

Realfake: Eigentlich bin ich jemand anderes

Jessica Tomalaam 28.06.2016 um 16:54 Uhr

Sie denken sich perfekte, falsche Identitäten aus, erstellen Fake-Profile auf verschiedenen Social-Plattformen, stellen Familienmitglieder vor und schicken Geschenke. Nur echt ist daran nichts. Immer mehr Menschen fallen auf das sogenannte Realfake-Phänomen herein. Wir erklären Dir, was das eigentlich ist und wie Du damit umgehen kannst, wenn Du Opfer eines Realfakes wurdest. 

Stell Dir vor, Du lernst jemanden im Internet kennen, der anscheinend perfekt zu Dir passt. Er oder sie teilt Deine Hobbys, kann wunderbar zuhören, sieht toll aus, macht Dir tolle Geschenke und ist einfach nur zuckersüß. Perfekt für eine Beziehung. Aber immer, wenn Ihr Euch treffen sollt, kommt etwas dazwischen: Mal ist die Tante krank, dann gab es einen Autounfall, derjenige musste kurzfristig in ein anderes Land ziehen oder oder oder.. Realfake nennt sich dieses Phänomen, bei dem Menschen mit viel Aufwand eine falsche Identität im Internet für sich erschaffen und einen anderen Menschen emotional von sich abhängig machen. Wir erklären Dir, was es damit auf sich hat.

Frau mit zwei Identitäten

Im Internet geistern viele Realfakes herum.

Wer steckt hinter einem Realfake?

Welche Personen hinter einem Realfake stecken, ist ganz unterschiedlich. Es kann eine Frau sein, die sich als Mann ausgibt oder umgekehrt. Es kann aber auch sein, dass Freunde, Interessen, der persönliche Hintergrund und der Beruf sich komplett von dem eigentlichen Leben des Realfakes unterscheiden. Der Täter baut sich mithilfe des Internets verschiedene Fake-Accounts, nicht nur für sein Realfake, sondern auch von Freunden dieser ausgedachten Person und mischt oftmals echte Fotos mit zusammengesuchten Bildern aus dem Internet.

Ein inzwischen sehr bekannter Fall ist der Realfake von Victoria Schwartz, die vor fünf Jahren einen Mann in Amerika über Twitter kennenlernte. Nach einiger Zeit stellte sich jedoch heraus, dass „Kai“ in Wirklichkeit eine Doktorin der Psychologie war, die mit viel Mühe ein unechtes Leben für die Online-Bekanntschaft vom Victoria Schwartz gezaubert hatte. Als der Schwindel aufflog, ging Schwartz an die Öffentlichkeit, veröffentlichte das Blog unter Druck gesetzt und will ja auch nicht, dass der „Freund“ verärgert ist. Dann ist für eine Zeit wieder alles gut, bis die nächste unrealistische Situation auftritt. Opfer und Täter drehen sich im Kreis und bauen eine emotionale Abhängigkeit auf. Die wenigsten Realfakes geben zu, dass sie in Wahrheit jemand ganz anderes sind, auch wenn sie dabei erwischt werden. Ist das Opfer psychisch stabil, kann es den Verlust verarbeiten, wie ganz normalen Liebeskummer. Aber für jemanden, der etwas labil ist, kann so eine Offenbarung ein ganz schöner Schock sein und zu psychischen Schwierigkeiten führen.

Wenn Du glaubst, auf einen Realfake gestoßen zu sein oder vielleicht selbst sogar als Realfake agierst, kannst Du Dich über realfakes.net an Victoria Schwartz wenden. Es gibt inzwischen auch eine Selbsthilfegruppe über Facebook. Ansonsten können wir Dir nur raten, misstrauisch zu werden, wenn Du jemanden im Internet kennenlernst, ein Treffen aber immer wieder verschoben wird, Telefonate abgesagt werden oder ein Videochat konsequent abgelehnt wird. 

Bildquelle: iStock/alphaspirit

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