Young passionate couple making love in bed
Christina Cascino am 05.11.2015

„Schaaaatz, wie viele Sexpartner hattest du eigentlich schon vor mir?“ Hach, ja, wie herrlich unangenehm ein Moment werden kann, wenn diese Frage im Raum steht! Die Antwort: In den meisten Fällen gelogen. Denn während sich Männer gerne mit ihrer Potenz brüsten – je mehr Frauen sie hatten, desto männlicher sind sie angeblich – wollen wir Frauen heute noch immer unbefleckte Sexgöttinnen sein, die mit maximal drei Partnern im Bett waren, aber dennoch performen, als wenn sie die Pornoindustrie im Alleingang revolutioniert hätten. Zwar gerieten diese Klischees und die dazugehörige Doppelmoral in den letzten Jahren ins Wanken, gänzlich verschwunden sind sie aus unserer Vorurteilsschublade aber noch lange nicht.

In Internetforen ist sie ein regelrechter Dauerbrenner: Die Frage nach der Anzahl der Sexpartner. Immer wieder wird heiß darüber diskutiert, mit wie vielen Menschen man Sexerfahrungen gesammelt haben sollte. In Beziehungen ist sie eine der gefürchtetsten Fragen überhaupt – weil man entweder selbst zugeben muss, dass man nicht ganz so zurückhaltend war und durch einige verschiedene Betten gehüpft ist oder weil die Zahl des Partners dermaßen schockt, dass man rückwärts vom Bett fällt. Oftmals scheint die Anzahl der Sexpartner bereits ein wichtiger Faktor, den es zu klären gibt, bevor man überhaupt von einer ernsthaften Beziehung sprechen kann. Doch warum ist die Anzahl der Sexpartner eigentlich so wichtig? Diese Zahl zu wissen macht aus dem Mann oder der Frau des Herzens doch keinen anderen Menschen. Oder etwa doch?

Gerade am Anfang einer Beziehung sind wir begierig danach, alles über den Anderen in Erfahrung zu bringen – da wird dann auch gleich mal dessen Sexvorleben unter die Lupe genommen. Schließlich möchte man wissen, mit wem man es da eigentlich genau zu tun hat. „Du bist die 56. Frau, mit der ich Sex hatte.“ Keiner hört einen solchen Satz wohl gerne. Dass jemand aber noch nie über ein paar Küsse in der Dorfdisco hinausgekommen ist, ist auch nicht gerade wünschenswert. Denn viele Menschen machen offenbar an der Anzahl der Bettgefährten ihren Marktwert fest: Gab es null Sexkontakte ist man wohl nicht attraktiv genug. Wer allerdings mit Gott und der Welt in die Kiste hüpft, ist für eine ernsthafte Beziehung auch nicht geeignet.

Einen, fünf, zwanzig…? Ja, wie viele Erotikgespielen sind denn nun normal? Und woran macht man dieses „normal“ eigentlich fest? Wer legt diesen Wert fest, wer entscheidet, wie viele Sexpartner am besten sind? Und wofür überhaupt? Und warum wird das Intimste der Welt überhaupt von einem kollektiven Maßstab der Gesellschaft bestimmt und bewertet? Eine Singlestudie von „ElitePartner“ zeigt, dass für fast jeden dritten Single zehn oder mehr Sexualpartner Realität sind.

Die Dreier-Regel

Beschäftigt man sich mit diesem Thema, stößt man immer wieder auf eine interessante Faustregel: Bei Männern könne man demnach getrost drei Sexpartner von der angegebenen Summe abziehen, dann bekäme man die tatsächliche Zahl heraus. Und bei Frauen rechnet man dieselbe Anzahl einfach dazu, damit die wirkliche Zahl der Bettgefährten herauskommt. Doch woher kommt dieses Rechenbeispiel?

Während sich Männer gerne mit ihrer Potenz brüsten, verheimlichen die Damen lieber ihre Umtriebigkeit und lassen manch einen Sexpartner gerne mal unter den Tisch fallen. Denn auch heute noch wird eine Frau, die es allzu wild treibt, schnell als leicht zu haben hingestellt: Das Männer-Jagen, das im Fernsehen so cool und unabhängig rüber kommt, genießt jenseits von Hollywood leider auch heutzutage noch einen weniger guten Ruf. Was eben kleinere und größere Schummeleien zur Folge haben kann: Männer wollen beweisen, wie potent sie sind und schönen die Sexpartnerzahl und Frauen verschweigen den ein oder anderen Gespielen eben.

Ist Lügen erlaubt?

Wie sieht es also mit der Ehrlichkeit aus, wenn es um die Frage der vorherigen Sexpartner geht? Muss man überhaupt antworten? Und macht es wirklich einen Unterschied, wie viele Sexpartner der neue Partner vor einem hatte? Ehrlichkeit währt in der Regel am längsten. Sie kann aber auch wirklich wehtun. Manchmal so weh, dass sie das Vertrauen erschüttert oder die neue Flamme verstören könnte. Also doch lieber lügen?

Sex assoziieren wir mit Lebendigkeit und Attraktivität. Logisch, dass wir gerne ein bisschen mogeln, wenn es darum geht, Rede und Antwort über so etwas Intimes wie die eigene Sexhistorie zu stehen. Manch einer datiert die Entjungferung vor, um nicht als Spätzünder dazustehen. Andere vergessen peinliche Sexerlebnisse einfach mal bei der statistischen Eigenauswertung. Ehe Du aber in die Bredouille kommst, weil Du absolut keine Ahnung hast, wie Du Dein Gegenüber stimulieren sollst, da Du noch nie soweit gekommen bist, solltest Du offen darüber sprechen. Verfügst Du dagegen über zahlreiche Sexkenntnisse, solltest Du auch hier auf Deinen Partner eingehen, bevor Du ihn mit Deinem beeindruckenden Erfahrungsschatz verunsicherst.

Quantität oder Qualität?

Viele Menschen denken gerade heutzutage, die Qualität ihres Sexlebens bemesse sich nach der Anzahl der gesammelten Erfahrungen. Natürlich stehen die Chancen auf abwechslungsreiche Sexpraktiken und gewaltige Erotiküberraschungen besser, wenn man mehr Sexpartner hatte. Mit diesen besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, die ein oder andere Erotikspielart auszuprobiert zu haben. Doch wer häufig die Betten wechselt, ist nicht unbedingt erfahrener und ein besserer Liebhaber, als solche, die ihre Sexpartner noch nicht so häufig gewechselt haben. Es gibt Menschen, die hatten schon unzählige Liebhaber, kommen aber über das banale 1 x 1 des Liebesakts nicht hinaus.

Guter Sex ist nämlich nicht nur eine Frage der Übung, sondern auch der Einfühlsamkeit, der Experimentierfreude und nicht zuletzt der sexuellen Anziehungskraft. Es gibt Menschen, die im Bett besser harmonieren als andere – da spielt es kaum eine Rolle, was zuvor so abging. Wer mit zarten 20 Jahren schon mit über 100 verschiedenen Menschen Sex hatte, der hatte vermutlich wenig Zeit, sich mit seinen Gespielen wirklich zu befassen – und auch das ist ein Qualitätskriterium für guten Sex. Aus diesem Grund sollte man sich einfach nicht so viele Gedanken darüber machen, wie oft und mit wem der neue Traummann vorher Sex hatte. Schließlich zählt doch das Hier und Jetzt.

Eine ideale Anzahl an Sexpartnern gibt es schlicht und ergreifend nicht. Erstens, weil es beim Sex nicht darum geht, in Konkurrenz mit anderen zu treten, zweitens, weil guten Sex viel mehr ausmacht als nur Erfahrungen und drittens, weil wir auch in Sachen körperlicher Liebe immer noch dazulernen können. Ob Du Deine sexuellen Erfahrungen nun mit verschiedenen Liebhabern oder nur mit einem einzigen austauschst, ist vollkommen egal, solange du hinter Deiner Entscheidung stehst. Und wird Dir irgendwann die Frage aller Fragen gestellt, bleibt es ganz Dir überlassen, ob du die Wahrheit sagst oder nicht. Schließlich sind es Deine sexuellen Erfahrungen und die gehen bekanntlich niemanden etwas an. Tatsache ist allerdings: Ein Gefühl sollte immer größer sein, als bloß eine Zahl!

Bildquellen: iStock/Dmitrii Kotim, iStock/Izabela Habur


News zu Lifestyle, Liebe, Mode & mehr!

In 2 einfachen Schritten per WhatsApp auf dein Smartphone:

1. Klicke auf „Start“ und schick in WhatsApp die Nachricht ab

2. Speichere unbedingt unsere Nummer als „Erdbeerlounge“!

Was denkst du?