Kein Interesse

Asexualität: Wenn die Lust auf Sex fehlt

Christina Cascinoam 23.05.2016 um 11:18 Uhr

Sex ist heutzutage Gesprächsthema Nummer eins – sei es in den Medien oder privat. Um die schönste Nebensache der Welt wird mittlerweile so viel Aufsehen gemacht, dass es schwerfällt zu glauben, dass Sex im Leben einiger Menschen überhaupt keine Rolle spielt: Asexualität bezeichnet die fehlende sexuelle Lust. Wir verraten Dir, was es mit der Asexualität wirklich auf sich hat.

Homo-, Hetero- und Bisexualität: Diese sexuellen Ausrichtungen sind wohl jedem bekannt. Doch, dass manche Menschen überhaupt kein Verlangen nach Sex haben, ist nur schwer vorstellbar. Darum wird diese Form der sexuellen Identität häufig gar nicht wahrgenommen. Doch was bedeutet Asexualität eigentlich genau? Eine sexuelle Funktionsstörung oder die rein zölibatäre Lebensweise? Wir klären auf.

Viele Menschen können sich unter Asexualität nicht wirklich etwas vorstellen

Asexualität: Was bedeutet das?

Asexuell sind Menschen, die sich von keinem Geschlecht sexuell angezogen fühlen. Es bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein asexueller Mensch nie Sex in seinem Leben hat, doch meist wird jegliche Interaktion als schrecklich, langweilig oder überflüssig empfunden. Asexualität wird häufig mit der sexuellen Enthaltsamkeit verschiedener Kulturen und Religionen verglichen wie zum Beispiel das Zölibat in der Katholischen Kirche. Doch asexuell zu sein ist keine Lebenseinstellung und hat auch keine bestimmte Ursache, denn asexuelle Menschen leben freiwillig enthaltsam. Sie verspüren kein sexuelles Verlangen. Viele Menschen sehen Asexualität als eine Krankheit oder als sexuelle Fehlfunktion an. Doch das ist falsch: Nur selten sind körperliche Ursachen der Grund für sexuelles Desinteresse.

Asexualität muss nicht bedeuten, dass diese Menschen überhaupt kein sexuelles Verlangen verspüren. Es gibt Asexuelle, die sich selbst befriedigen und lediglich keine Lust auf Sex mit anderen Menschen verspüren. So kann es auch vorkommen, dass asexuelle Männer eine Erektion bekommen und Frauen trotzdem feucht werden. Doch diese körperlichen Reaktionen sind rein natürliche, biologische Vorgänge.

Vier Typen von Asexualität

Laut dem „Asexual Visibility and Education Network“, dem größten und ältesten Onlinenetzwerk für Asexualität, lassen sich asexuelle Menschen in vier verschiedene Typen einordnen:

Typ 1: Menschen, die einen sexuellen Trieb verspüren, aber nicht am Sex mit anderen Menschen interessiert sind. Dieser Typ von Asexualität befriedigt sich meist selbst, doch hat kein Verlangen, mit anderen Personen intim zu werden.

Typ 2: Menschen, die sich von anderen Menschen angezogen fühlen, aber keinen Sexualtrieb verspüren. Viele Asexuelle haben durchaus den Wunsch nach Liebe, einer festen Partnerschaft, Zärtlichkeiten und Küssen. Doch sexuell aktiv werden wollen sie mit den Personen dennoch nicht.

Typ 3: Menschen, die sowohl sexuelle Triebe als auch emotionale Gefühle verspüren, aber dennoch keinen Sex haben. Denn die Liebe zu einer Person und das sexuelle Bedürfnis sind für sie etwas völlig verschiedenes, das nicht miteinander verbunden wird.

Typ 4: Menschen, die weder einen sexuellen Trieb verspüren noch romantische Gefühle entwickeln können. Diese Menschen haben rein freundschaftliche Bekanntschaften, kennen aber das Gefühl von Liebe und das Bedürfnis nach Sex nicht.

Asexualität und Partnerschaft: Geht das?

Wie in Typ 2 beschrieben gibt es Asexuelle, die romantische Gefühle empfinden können und den Wunsch nach einer festen Partnerschaft haben. So gibt es durchaus asexuelle Menschen, die eine Beziehung führen, die auf rein emotionaler Basis beruht, die sexuelle Komponente aber keinerlei Bedeutung hat. Natürlich ist eine solche Bindung schwer, wenn einer der Partner ein sexuelles Verlangen hat, aber mit dem eigenen Partner nicht intim werden kann. Daher sollte von Anfang an mit offenen Karten gespielt werden und über das sexuelle Desinteresse miteinander gesprochen werden. Viele Paare, bei denen einer der beiden asexuell ist, finden einen Weg, wie sie dennoch miteinander glücklich werden können. Sei es, dass der Asexuelle seinem Partner Sex mit anderen erlaubt oder ihm manuell Befriedigung verschafft.

Asexualität ist weder eine Krankheit noch eine bewusste Lebenseinstellung. Für Betroffene oder deren Partner ist es häufig nicht einfach, damit umzugehen. Hier können Psychologen oder spezielle Einrichtungen für asexuelle Personen eine große Unterstützung sein.

Bildquelle: iStock/MaxRiesgo

Kommentare


Sex: Mehr Artikel