Spannung

Kavaliersschmerzen durch Samenstau?

Katharina Lübkeam 25.07.2016 um 14:55 Uhr

Dein Partner ist im Bett so sehr um Deine sexuelle Erfüllung besorgt, dass seine eigenen Bedürfnisse klar hinter Deinem Orgasmus stehen? Mit etwas Glück hast Du genau so einen echten Kavalier erwischt. Für Männer ist diese Prioritätensetzung allerdings nicht immer einfach und kann sogar schmerzhaft enden: Denn wenn nach einer sexuellen Erregung keine Ejakulation folgt, etwa, weil er den Orgasmus unterdrückt, können sogenannte Kavaliersschmerzen oder auch Bräutigamschmerzen auftreten. Aber auch Frauen können unter Kavaliersschmerzen leiden.

Kavaliersschmerzen sind sehr unangenehme Spannungsgefühle bis hin zu starken Schmerzen im Hodenbereich, speziell in Samenleiter und Nebenhoden. Selbst nach einer Ejakulation kann es in seltenen Fällen zu Schmerzen kommen, insbesondere wenn die Erektion besonders lange aufrechterhalten wurde.

Kavaliersschmerzen

Unterdrücken Männern den Orgasmus, kann das in Kavaliersschmerzen enden.

Das Symptom wird auch als Blaue Hoden, abgeleitet von dem englischen blue balls genannt, weil die Hoden durch Blutansammlung bläulich schimmern. Im Volksmund ist das Phänomen eher als „dicke Eier“ oder „Hodenkrampf“ geläufig.

Der Begriff Kavaliersschmerzen stammt vermutlich daher, dass ein um das Wohlbefinden der Partnerin besorgter Kavalier beim Koitus seinen eigenen Orgasmus zurückstellt und so lange hinauszögert, bis seine Partnerin sexuell befriedigt oder sogar mehrfach gekommen ist. Der Begriff Bräutigamschmerzen dagegen bezieht sich womöglich auf die, ehemals enthaltsam verbrachte, Verlobungszeit, in der die Symptome häufig auftraten.

Was passiert beim Kavaliersschmerz?

Ist der Mann sexuell erregt, fließt Blut durch erweiterte Arterien in Penis und Hoden – das ist die sogenannte Vasodilatation. Gleichzeitig verengen sich aber die Venen, die Blut von den Geschlechtsteilen ableiten – dieser Zustand heißt Vasokonstriktion. Dadurch erhöht sich die Blutmenge, wodurch der Penis erigiert und der Hoden anschwillt – mitunter bis auf das Doppelte, da sich der Organismus auf die Ejakulation vorbereitet.

Beim Orgasmus und der Ejakulation wird das Sperma dann in rhythmische Kontraktionen über die Samenwege abgeleitet. Die Arterien und Venen nehmen ihre ursprüngliche Größe wieder an, so dass das Blut im Genital abfließt und Penis und Hoden sich schnell wieder verkleinern.

Ejakuliert er aber nicht, bleibt die Vasokonstriktion beibehalten, wodurch das Blut nicht abfließen kann: Folge sind Krämpfe der hochgradig erregten glatten Muskulatur in den Samenwegen infolge der Blutabflussstörung und ein anhaltender brennender und stechender Schmerz in den Hoden bis in die Leiste. An dem Samen, der sich laut Legende im Hoden staut, liegt es also nicht.

Gesundheitliche Gefahren

Je nach Veranlagung können die Schmerzen stark sein und die betroffenen Männer beunruhigen, insbesondere, weil häufig Männer betroffen sind, die länger nicht mehr sexuell aktiv waren oder die generell sexuell unerfahren sind. Auch nicht jeder Mann ist anfällig für die Bräutigamsschmerzen. Warum manche Männer anfälliger sind als andere, ist nicht bekannt.

Mögen die Kavaliersschmerzen auch sehr unangenehm sein, sind sie nicht gefährlich, eine gesundheitliche Gefahr geht von ihnen nicht aus. Und wie lange halten Kavaliersschmerzen an? In der Regel lässt der Schmerz innerhalb von wenigen Minuten nach dem Samenerguss nach. In Ausnahmefällen kann es ein paar Stunden dauern. Durch Kühlung kann dies unterstützt werden.

Im Allgemeinen ist keine Behandlung notwendig. Halten die Schmerzen aber auch nach dem Orgasmus länger an als ein paar Stunden an, sollten gegebenenfalls Blutabflussstörungen oder andere ernsthafte Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen und ein Arzt aufgesucht werden. Zudem treten Kavaliersschmerzen als eine Begleiterscheinung der Dauererektion, auch Priapismus, auf, welche als eine der Ursachen für erektile Dysfunktion gilt. Selbst unter Ärzten besteht oftmals Unklarheit: Falsche Diagnosen und selbst falsche medikamentöse Behandlungen können manchmal nicht ausgeschlossen werden.

Was tun gegen die Kavaliersschmerzen?

Kavaliersschmerzen

Ein Blowjob kann Linderung verschaffen.

Will Dich Dein Partner zum sexuellen Höhepunkt bringen, vielleicht sogar multiple Orgasmen, oder Dir mit Karezza noch mehr Leidenschaft verschaffen, ohne sich jedes Mal vor Schmerzen zu krümmen, gibt es folgendes zu beachten: Er sollte generell darauf achten, wie lange er seinen eigenen Höhepunkt unterdrücken kann, ohne die Schmerzen hervorzurufen. Neben der Penetration gibt es natürlich viele andere Wege, Dich zum Höhepunkt zubringen, etwa durch Kunyaza oder Oralsex.

Sind die Schmerzen aber schon da, gilt: Nur der Orgasmus oder die Ejakulation bringt Linderung. Denn dann entspannen sich die Muskeln, das Blut fließt ab und der Penis erschlafft. Er kann also einfach masturbieren, am besten offen vor Dir. Vielleicht regt Dich das sogar noch mehr an. Du kannst natürlich auch selbst Hand anlegen oder ihn mit einem Blowjob zum Höhepunkt bringen. Er kann seine Hoden auch kühlen, etwa ein nasses Handtuch oder einen kühlen Eisbeutel darauf legen.

Kavaliersschmerzen bei der Frau

Auch Frauen können unter ähnlichen Schmerzen im Schamgebiet leiden, wenn nach starker Erregung kein Orgasmus folgt. In Foren wird häufiger davon berichtet. Eine eigene Bezeichnung gibt es dafür nicht. Wenn eine Frau stark erregt wird, füllt sich ihre Klitoris, ebenso wie der Penis, mit Blut und ihr gesamter Körper mit Spannung. Wird dieser Blutstau und die Spannung nicht durch einen Orgasmus abgebaut, fühlt sich das ebenso unangenehm an.

Kavaliersschmerzen können also unangenehme Nebenwirkungen bei lang gehaltenen Erregungen sein. Weiß man aber, was zu tun ist, kann man das Risiko minimieren oder im Notfall rasch Linderung verschaffen.

Bildquelle: iStock/Stepan Popov, iStock/oyaboya

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