Kavaliersschmerzen
Katja Gajekam 25.07.2016

Wenn nach einer sexuellen Erregung keine Ejakulation folgt, können beim Mann sogenannte Kavaliersschmerzen auftreten. Aber auch Frauen können darunter leiden. Wie diese Schmerzen entstehen und wie man sie behandeln kann, erfährst Du hier.

Dein Partner ist im Bett so sehr um Deine sexuelle Erfüllung besorgt, dass seine eigenen Bedürfnisse klar hinter Deinem Orgasmus stehen? Mit etwas Glück hast Du genau so einen echten Kavalier erwischt. Für Männer ist diese Prioritätensetzung allerdings nicht immer einfach und kann sogar schmerzhaft enden: Kavaliersschmerzensind sehr unangenehme Spannungsgefühle bis hin zu starken Schmerzen im Hodenbereich, speziell in Samenleiter und Nebenhoden. Selbst nach einer Ejakulation kann es in seltenen Fällen zu Schmerzen kommen, insbesondere wenn die Erektion besonders lange aufrechterhalten wurde.

Kavaliersschmerzen

Unterdrücken Männern den Orgasmus, kann das in Kavaliersschmerzen enden.

Wie entstehen Kavaliersschmerzen?

Der Begriff „Kavaliersschmerzen“ stammt vermutlich daher, dass ein um das Wohlbefinden der Partnerin besorgter Kavalier beim Koitus seinen eigenen Orgasmus zurückstellt und so lange hinauszögert, bis seine Partnerin sexuell befriedigt oder sogar mehrfach gekommen ist. Das Symptom wird auch als Bräutigamsschmerzen oder Blaue Hoden genannt. (Abgeleitet von dem englischen blue balls genannt, weil die Hoden durch Blutansammlung bläulich schimmern.) Im Volksmund ist das Phänomen eher als dicke Eier oder Hodenkrampf geläufig.

So entstehen Kavaliersschmerzen:

  1. Ist der Mann sexuell erregt, fließt Blut durch erweiterte Arterien in Penis und Hoden – das ist die sogenannte Vasodilatation.
  2. Gleichzeitig verengen sich aber die Venen, die Blut von den Geschlechtsteilen ableiten – dieser Zustand heißt Vasokonstriktion. Dadurch erhöht sich die Blutmenge, wodurch der Penis erigiert und die Hoden anschwellen – mitunter bis auf das Doppelte, da sich der Organismus auf die Ejakulation vorbereitet.
  3. Dabei wird das Sperma dann in rhythmische Kontraktionen über die Samenwege abgeleitet. Die Arterien und Venen nehmen ihre ursprüngliche Größe wieder an, so dass das Blut im Genital abfließt und Penis und Hoden sich schnell wieder verkleinern.
  4. Ejakuliert der Mann jedoch nicht, bleibt die Vasokonstriktion beibehalten, wodurch das Blut nicht abfließen kann: Die Folge sind Krämpfe der hochgradig erregten glatten Muskulatur in den Samenwegen infolge der Blutabflussstörung und ein anhaltender brennender und stechender Schmerz in den Hoden bis in die Leiste. An dem Samen, der sich laut Legende im Hoden staut, liegt es also nicht.

Gesundheitliche Gefahren des Samenstaus

Am häufigsten sind Männer von Kavaliersschmerzen betroffen, die in sexueller Enthaltsamkeit leben oder generell sexuell unerfahren sind. Je nach Veranlagung können die Schmerzen recht stark sein und die Betroffenen beunruhigen. Doch auch, wenn sie sehr unangenehm sind, sind sie nicht gefährlich und es geht keine gesundheitliche Gefahr von ihnen aus. Im Allgemeinen ist daher keine Behandlung notwendig. Halten die Schmerzen aber auch nach dem Orgasmus länger als ein paar Stunden an, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um gegebenenfalls Blutabflussstörungen oder andere ernsthafte Erkrankungen als Ursache auszuschließen.

Zudem treten Kavaliersschmerzen als eine Begleiterscheinung der Dauererektion, auch Priapismus, auf, welche als eine der Ursachen für erektile Dysfunktion gilt. Selbst unter Ärzten besteht oftmals Unklarheit: Falsche Diagnosen und selbst falsche medikamentöse Behandlungen können manchmal nicht ausgeschlossen werden.

Kavaliersschmerzen: Die richtige Behandlung

Blowjob

Ein Blowjob kann gegen Kavaliersschmerzen helfen (und das ist keine Ausrede der Männer).

Will Dich Dein Partner zum sexuellen Höhepunkt bringen, vielleicht sogar multiple Orgasmen, oder Dir mit Karezza noch mehr Leidenschaft verschaffen, ohne sich jedes Mal vor Schmerzen zu krümmen, gibt es folgendes zu beachten: Er sollte generell darauf achten, wie lange er seinen eigenen Höhepunkt unterdrücken kann, ohne die Schmerzen hervorzurufen. Neben der Penetration gibt es natürlich viele andere Wege, Dich zum Höhepunkt zubringen, etwa durch Kunyaza oder Oralsex.

Sind die Schmerzen aber schon da, gilt: Nur der Orgasmus bzw. Ejakulation bringt Linderung. Denn dann entspannen sich die Muskeln, das Blut fließt ab und der Penis erschlafft. Er kann also einfach onanieren, am besten offen vor Dir. Vielleicht regt Dich das sogar noch mehr an. Du kannst natürlich auch selbst Hand anlegen oder ihn mit einem Blowjob zum Höhepunkt bringen. Er kann seine Hoden auch kühlen, etwa ein nasses Handtuch oder einen kühlen Eisbeutel darauf legen. Die Kavaliersschmerzen halten in der Regel nicht lange an, normalerweise lässt der Schmerz innerhalb von wenigen Minuten nach dem Samenerguss nach. In Ausnahmefällen kann es ein paar Stunden dauern, auch dann sorgt eine Kühlung für das Lindern der Kavaliersschmerzen.

Kavaliersschmerzen bei der Frau

Auch Frauen können unter ähnlichen Schmerzen im Schamgebiet leiden, wenn nach starker Erregung kein Orgasmus folgt. In Foren wird häufiger davon berichtet. Eine eigene Bezeichnung gibt es dafür nicht. Wenn eine Frau stark erregt wird, füllt sich ihre Klitoris, ebenso wie der Penis, mit Blut und ihr gesamter Körper steht unter Spannung. Werden dieser Blutstau und die Spannung nicht durch einen Orgasmus abgebaut, fühlt sich das ebenso unangenehm an. Abhilfe kann dann wie beim Mann nur der Orgasmus schaffen. Auf das Kühlen der Vagina sollte eher verzichtet werden, da sich der Unterleib sonst verkühlen kann.

Erfahre hier im Video nochmal alles Wichtige zu Kavaliersschmerzen:

Nicht jeder Mann ist anfällig für die Bräutigamsschmerzen. Warum manche Männer anfälliger sind als andere, ist nicht bekannt. Weiß man aber, was zu tun ist, kann man das Risiko minimieren oder im Notfall rasch Linderung verschaffen.

Bildquelle: iStock/champja, iStock/Stepan Popov, iStock/AndreyPopov

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