Was ist Asexualität?

Wer asexuell ist, fühlt sich zu keinem Geschlecht sexuell hingezogen und hat keinen Wunsch nach sexueller Interaktion. Asexuelle sind oft mit vielen Vorurteilen konfrontiert, die vor allem aus Missverständnissen des Begriffs heraus resultieren.

1. Asexualität: Definition

Asexualität ist eine Form der sexuellen Orientierung, bei der man sich von keinem Geschlecht emotional angezogen fühlt und auch keinen Wunsch hat, mit jemandem sexuell intim zu werden. Dabei gilt der Grundsatz: Asexuell ist, wer sich als asexuell identifiziert. Ob man sich selbst als asexuell bezeichnet und auch offen dazu steht, hängt dabei natürlich stark vom eigenen Empfinden, der Persönlichkeit und dem Wissensstand über Asexualität ab. Tatsächlich gibt es kaum statistische Erhebungen darüber, wie viele Asexuelle es eigentlich gibt. In einer britischen Umfrage aus dem Jahr 1994 gab ein Prozent der Befragten an, asexuell zu sein.

Für viele Nicht-Asexuelle ist das Konzept nur schwer greifbar und sie bringen es deshalb mit anderen Begrifflichkeiten durcheinander. So entstehen Vorurteile über Asexuelle, die nicht stimmen. Häufig wird Asexualität fälschlicherweise als Krankheit im Sinne einer sexuellen Funktionsstörung verstanden. Die Frage nach einer Ursache oder einem Symptom für Asexualität, die oft gestellt wird, ist deshalb schon von Grund auf falsch.

Auch das fehlende Verlangen nach sexueller Interaktion wird oft missverstanden, denn entgegen der gängigen Meinung kennen die meisten Asexuellen Erotik und den Wunsch nach Nähe und Liebe. Intimität drücken sie nur nicht durch Geschlechtsverkehr aus. Nach Kuscheln und Küssen können sie sich durchaus sehnen.

Asexualität Definition

Asexuelle sind oft mit vielen Vorurteilen konfrontiert.

Unterscheidung zum Zölibat

Auch wenn Menschen, die enthaltsam leben, sich gegen sexuelle Aktivitäten und Beziehungen entschieden haben, sind sie nicht zwangsläufig asexuell. Wer das Leben im Zölibat, also die sexuelle Abstinenz wählt, hat dafür oft religiöse oder moralische Gründe. Asexuell zu sein ist dagegen keine Entscheidung. Asexuelle haben sich nicht ausgesucht asexuell zu sein, sondern sie sind es einfach.

Unterscheidung zum Nonlibidoismus

Ein Nonlibidoist kann keine sexuelle Erregung empfinden. Der Großteil der Asexuellen ist hierzu aber körperlich fähig.

Unterscheidung zu Absoluten Beginners

Absolute Beginners haben noch keine sexuelle Beziehung geführt. Wenn sie sich auch keine sexuelle Beziehung wünschen, sind sie asexuell. Haben sie jedoch ein Verlangen nach selbiger, sind sie es nicht.

Unterscheidung zur Impotenz

Wer aus körperlicher Unfähigkeit keinen Sex haben kann, weil er unter einer erektilen Dysfunktion/Impotenz leidet, ist nicht zwangsläufig asexuell. Viele Menschen, die unter Impotenz leiden, sehnen sich danach, wieder Geschlechtsverkehr praktizieren zu können. Das ist bei Asexuellen nicht so. Es gibt zwar auch impotente Asexuelle, aber da sie kein Verlangen nach einer sexuelle Beziehung haben, ist ihre körperliche Unfähigkeit zum Sex für sie relativ irrelevant.

2. Typen von Asexualität

Die Klassifikation der Asexualität in verschiedene Typen wurde ursprünglich auf der Seite der größten asexuellen Gemeinschaft AVEN (Asexual Visibility and Education Network = Netzwerk für Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit über Asexualität) veröffentlicht. Mittlerweile gilt das Modell als veraltet, da es zwischen den definierten Klassen noch viele weitere Abstufungen gibt. AVEN selbst ist von dieser vereinfachten Darstellung ebenfalls abgewichen und erklärt auf ihrer Seite, dass sie vom strikten Schubladendenken nichts halten und immer empfehlen würden, Leute und ihre Vorlieben einfach unvoreingenommen kennenzulernen. Jeder Mensch ist schließlich anders.

Wir haben die Typen der Asexualität dennoch in diesen Artikel aufgenommen, um einen kleinen Eindruck zu vermitteln, was Asexualität in der Praxis bedeuten kann. Das Modell stützt sich dabei auf zwei Bewertungskriterien: den Sexualtrieb und die Stärke der emotionalen Anziehung zu anderen Menschen. Daraus resultieren vier verschiedene Typen.

Asexualität Typen

Asexuelle unterscheiden sich darin, inwiefern ihr Sexualtrieb ausgeprägt ist und darin, wie sehr bzw. ob sie sich von anderen Menschen angezogen fühlen.

Typ A

  • Hat einen ausgeprägten Sexualtrieb, fühlt aber keine Anziehung

Asexuelle, die sich selbst dem Typ A zuordnen würden, haben einen ausgeprägten Sexualtrieb, der jedoch in Bezug auf andere Menschen ruht. Geschlechtsverkehr mit anderen Menschen wird dabei oft als emotional unangenehm oder sozial unangebracht bewertet, obwohl jene Asexuelle wissen oder vermuten, dass er sich rein vom biochemischen Empfinden her vielleicht gut anfühlen könnte. Manche benutzen deshalb Masturbation als Ventil für den Sexualtrieb. Da die Anziehung komplett fehlt, empfinden Asexuelle des Typs A das Konzept der Liebe nicht als reizvoll. Sie finden andere Leute maximal sehr interessant, fühlen sich aber nicht zu ihnen hingezogen.

Typ B

  • Hat keinen Sexualtrieb, fühlt sich aber von anderen Menschen angezogen

Asexuelle des Typs B fühlen sich körperlich und geistig von anderen Menschen angezogen und stellen auch tiefe emotionale Verbindungen her. Da der Sexualtrieb fehlt, haben sie allerdings keinerlei Bedürfnis danach, mit dem Partner in irgendeiner Form Sex zu haben. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie Nähe komplett ablehnen. Streicheln, Kuscheln und andere Zärtlichkeiten werden dagegen sehr genossen. Asexuelle vom Typ B können sich auch ihrem Partner zuliebe dazu entscheiden, Sex zu praktizieren. Für sie ist es dann allerdings eher ein „über sich ergehen lassen“ und kein Akt von Leidenschaft. Dieser Zwiespalt führt oft zu Konflikten in Beziehungen.

Typ C

  • Hat einen ausgeprägten Sexualtrieb und fühlt sich zu anderen hingezogen

Asexuelle des Typs C verspüren einen sexuellen Trieb und empfinden Masturbation als sehr angenehm. Sie können sich emotional binden, sich verlieben und Nähe zulassen. Gedanklich sind Sex und Liebe für diese Personen allerdings nicht miteinander vereinbar. In ihrer Vorstellung stuft gemeinsamer Sex die Liebe herab und sorgt dafür, dass man sich vom anderen benutzt fühlt. Die eigenen Triebe lebt man stattdessen lieber für sich selbst aus, ohne den Partner zu belästigen.

Typ D

  • Hat keinen Sexualtrieb und empfindet keine emotionale Anziehung

Asexuelle des Typs D bilden quasi den Extremfall. Sie fühlen sich nicht zu anderen Menschen hingezogen und empfinden auch die Vorstellung, Geschlechtsverkehr zu haben, als äußerst unangenehm. Liebe ist für sie nicht reizvoll, sondern andere Personen werden maximal als interessant erachtet.

3. Asexualität in Beziehungen

Asexuelle haben mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, vor allem auch, da sie in der Gesellschaft nur wenig Sichtbarkeit haben. Es hält sich zum Beispiel hartnäckig der Glaube, dass Asexuelle beziehungsunfähig wären. Tatsächlich können Asexuelle ein sehr weites Spektrum an Beziehungen führen. Viele führen Freundschaften, andere auch romantische Liebesbeziehungen, wieder andere irgendetwas dazwischen.

Asexuelle Beziehung

Auch Asexuelle können erfolgreich Beziehungen führen.

Können Asexuelle sich verlieben?

Ja, Asexuelle können sich verlieben oder sogar heiraten. Dabei kann der Partner sowohl sexuell, als auch asexuell sein. Da die Intimität mit dem Partner nicht sexuell ausgelebt wird, müssen oft andere Wege oder Kompromisse gefunden werden. Offene Beziehungsmodelle können hier eine Möglichkeit sein.

Können Asexuelle auch gleichzeitig homo-, hetero- oder bisexuell sein?

Viele Asexuelle haben sozusagen einen „Romantiktrieb“ und limitieren ihr (nicht sexuelles) Interesse auf ein oder mehrere Geschlechter. Sie können auch polygame Beziehungen führen. Wer asexuell ist, kann also auch homo-, hetero oder bisexuell sein.

Haben Asexuelle nie Sex?

Asexuelle können durchaus Sex haben. Oft entscheiden sie sich dem Partner zuliebe oder im Zuge eines Kinderwunsches dafür, sich auf Geschlechtsverkehr einzulassen.

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Bildquelle:

iStock/A75, andrej_k, m-gucci, LightFieldStudios

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