monogames Paar

Monogamie (von griech. Monogamia „Einehe“) ist die Bezeichnung für eine exklusive Beziehung zweier Menschen. Diese alleinige Verbindung mit einem Partner kann – muss aber nicht – durch eine Eheschließung gefestigt werden. In Deutschland ist die Einehe die einzig offiziell anerkannte Eheform.

1. Definition und Arten der Monogamie

Monogamie beschreibt das Zusammenleben mit nur einem Partner/einer Partnerin. Im Tierreich wird Monogamie als Fortpflanzungsgemeinschaft gesehen, mit dem Ziel, die gemeinsamen Jungen erfolgreich aufzuziehen.

Es gibt unterschiedliche Ausprägungen dieser Art der Beziehung. Wissenschaftler unterscheiden beispielsweise zwischen sozialer und sexueller Monogamie, während im generellen Sprachgebrauch diese beiden Dinge als Einheit verstanden werden: Wer eine monogame Beziehung eingeht, meint hiermit auch immer – wenn nicht sogar vor allem – Sex.

Soziale Monogamie

Bei der sozialen Monogamie leben Partner im Familienverband und kümmern sich gemeinsam um ihre Jungen. Sie wird daher auch als kooperative Monogamie bezeichnet. Im Tierreich sind bei fast allen monogamen Arten „Seitensprünge“ eines oder beider Partner zu beobachten. Diese stören jedoch nur selten das Zusammenleben.

Schwules Paar mit Kind

Auch homosexuelle Paare leben meist in monogamen Beziehungen.

Sexuelle Monogamie

Sexuelle Monogamie bezeichnet den Umstand, nur mit einem Partner Geschlechtsverkehr zu haben. Sie ist im Tierreich fast nie zu beobachten, wird jedoch in unserer westlichen Gesellschaft oft gemeint, wenn von Monogamie die Rede ist.

Serielle Monogamie

Manche Tierarten leben zwar während der Fortpflanzungsperiode und Aufzucht monogam, wechseln den Partner jedoch in regelmäßigen Abständen. Dies wird als saisonale oder serielle Monogamie bezeichnet.

Auch beim Menschen wird von serieller Monogamie gesprochen, wenn Beziehungen zwar exklusiv sind, jedoch nur einen bestimmten Zeitraum andauern. Diese Art des Lebenswandels ist insbesondere in den letzten Jahrzehnten in der westlichen Welt vermehrt zu beobachten. Gründe hierfür sind unter anderem eine größere Freiheit in der Partnerwahl, größerer Wohlstand und mehr Selbstständigkeit bei Frauen sowie die Vereinfachung von Scheidung und Wiederverheiratung.

Flirten in Beziehung

Fremdflirten in einer monogamen Beziehung? Für die meisten unverzeihlich – im Tierreich ganz normal.

2. Monogamie: Entstehung und Gründe

Nicht alle Tiere und Menschen leben in monogamen Gesellschaften. Gerade bei Tieren haben biologische Gründe dazu geführt, dass manche Arten sich monogam verhalten. Beim Menschen ist das Konstrukt nicht ganz so leicht zu erklären, da hier auch soziale und religiös-moralische Begründungen mitspielen. Forscher warnen daher davor, Erkenntnisse aus der Tierwelt auf den Menschen zu übertragen.

Monogamie im Tierreich

Vor allem bei Vögeln findet häufig die treue Paarbindung statt – in verschiedenen Ausführungen. Während zum Beispiel Graugänse ein Leben lang bei einem Partner bleiben, verpartnern sich Singvögel jedes Jahr neu.

Bei Säugetieren hingegen, leben nur sehr wenige Arten monogam. Hier scheint es sich für die meisten Arten eher zu lohnen, dass sich ein Männchen mit möglichst vielen Weibchen paart und letztere dann die Jungen allein oder mit Hilfe verwandter Weibchen aufzieht. Doch leben zum Beispiel einige Primatenarten, wie der Gibbon, sexuell monogam. Bei einigen südamerikanische Affenarten paart sich beispielsweise nur das ranghöchste Paar weiter. Soziale Monogamie – also die gemeinsame Aufzucht der Jungen – ist bei den Primaten, die oft in Familienverbänden leben, jedoch relativ weit verbreitet.

Diese Tiere schließen den Bund fürs Leben

Schon Charles Darwin vermutete, dass Monogamie im Tierreich unmittelbar mit der Aufzucht der Jungen zusammenhängt. Je zuwendungsbedürftiger die Nachkommen, desto wichtiger die Vaterrolle. Auch bei Tierarten, die in einem Zyklus nur wenige Nachkommen zeugen, erhöht die Unterstützung des Vaters die Überlebenschancen dieser.

Wissenschaftler konnten bei der Forschung an Gänsen folgende Vorteile der Monogamie ausmachen:

  • Mehr Eier: Teilt sich ein Paar die Nahrungssuche, ist die Gans besser genährt und kann mehr Eier legen.
  • Höhere Chancen auf Nachwuchs: Wenn eine Gans während des Brütens vom Partner mit Fressen versorgt wird, oder die Partner sich sogar abwechseln, steigert dies die Chance, dass aus den befruchteten Eiern tatsächlich Junge schlüpfen.
  • Mehr Junge überleben: Kümmern sich beide Eltern um die Jungen, ist deren Überlebenschance höher.

Da das evolutionäre Ziel aller Arten der eigene Fortbestand ist, hat sich bei Gänsen die Monogamie als zielführendste Partnerschaft herausgestellt.

Bei der Frage, warum manche Säugetiere sozial monogam leben, sind sich die Forscher noch nicht einig. Es gibt drei Theorien, von denen noch keine klar belegt oder widerlegt worden ist:

  1. Als Paar können die Eltern ihre Nachkommen besser versorgen und erhöhen so deren Überlebenschancen.
  2. Gemeinsam können die Eltern ihre Kinder besser vor Tötung durch rivalisierende Männchen beschützen.
  3. Wenn Weibchen weit entfernt voneinander leben, ist es für ein Männchen einfacher und zielführender, sich nur einem anzuschließen und dieses gegen Rivalen zu verteidigen.

Monogamie beim Menschen

Polygamie / Polyamorie: Frau mit zwei Partnern

Warum hat sich der Mensch im Laufe seiner Entwicklung auf einen Partner festgelegt, wenn Frau auch mehrere haben kann?

Auf der rein biologischen und evolutionären Ebene könnte sich der monogame Lebensstil des Menschen einfach dadurch erklären, dass menschliche Kinder wohl die Nachkommen mit dem größten Erziehungsaufwand sind. Kein anderes Tier hat eine so lange Zeit bis zur Geschlechtsreife. Tatsächlich gehen viele Forscher davon aus, dass der Mensch schon immer zwar nicht sexuell monogam gelebt hat, sich die Eltern bzw. die Gruppe jedoch gemeinsam um die Kinder gekümmert haben. Auch heute noch leben in vielen traditionellen Kulturen, in denen keine Monogamie vorgeschrieben ist, fast zwei Drittel der Paare freiwillig lebenslang zusammen. Insgesamt schreiben nur etwa 16 Prozent der heutigen menschlichen Kulturen Monogamie als Eheform vor. Die meisten Gesellschaften (etwa 84 Prozent) erlauben Polygynie – also die Ehe von einem Mann mit mehreren Frauen. Diese ist jedoch vielen Männern faktisch nicht möglich, da es dafür einen starken Frauenüberschuss geben müsste.

6. Du sollst nicht ehebrechen.
10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib

Die 10 Gebote

Es gibt in der Forschung viele verschiedene Hypothesen, wann und warum der Mensch sich zur Monogamie entwickelt hat. Folgende Vermutungen finden sich in der Literatur:

  • Monogamie ist eine Anpassung an das Leben in Städten, in denen größere Sippen fehlten, um alleinstehende Frauen zu unterstützen.
  • Sobald der Mensch sesshaft wurde und Besitztümer hatte, wurde die Monogamie wichtig. Denn nur sie stellte sicher, wer die rechtmäßigen Erben sind.
  • Die Sexuelle Monogamie wurde in den letzten Jahrhunderten vor allem von der christlichen Kirche vorangetrieben und hat so den Weg in das moderne Werteverständnis gefunden.
  • Sobald der Mensch begann, in größeren Gruppen zu leben, führte sexuelle Monogamie dazu, dass sich Geschlechtskrankheiten weniger ausbreiteten und halfen so dem Überleben der ganzen Spezies.
  • Als rangniedere Männer Fürsorglichkeit für den Nachwuchs als Werbestrategie entdeckten und Frauen aktiv Partnerwahl zu betreiben begannen, entpuppte sich Monogamie als beste Lebensform, um den Nachwuchs erfolgreich aufzuziehen und verringerte Spannungen innerhalb der Gesellschaft.

Übrigens: Bevor die christliche Kirche die monogame Beziehung als die einzig richtige predigte, idealisierte bereits das römische Eherecht die treue Paarbindung. Jedoch waren hier sexuelle Kontakte außerhalb der Ehe durchaus geduldet.

3. Heutige Ansichten zur Monogamie

Lange war die Einehe insbesondere im westlichen, christlich geprägten Kulturraum die einzig geduldete Form der offiziellen Partnerschaft. Dies führte sicher auch mit dazu, dass wir im Sprachgebrauch soziale und sexuelle Monogamie als eins verstehen.

Entgegen vieler Annahmen, ist die serielle Monogamie – also das Wechseln von Partnern nach einer gewissen Zeit – kein Phänomen der Neuzeit. Schon im 17. Jahrhundert heirateten die Menschen oft mehrmals; Männer verunglückten oder starben im Krieg, Frauen oft im Kindsbett. Das Neue an der heutigen Lebensweise ist, dass wir freiwillig und selbstständig einen neuen Partner wählen.

Heutzutage sind nur wenige Deutsche davon überzeugt, dass Monogamie beim Mensch natürlich ist. In einer Umfrage widersprachen 2016 immerhin 53 Prozent der Befragten dieser Aussage.

Statistik: Sind Menschen von Natur aus monogam?

Dies spricht für eine neue Art der Lebensführung und eine Öffnung der Gesellschaft für andere Arten der Partnerschaft. Schaut man sich jedoch an, was Menschen in einer Beziehung erwarten, zeigt sich ein eher konservatives Bild: Für mehr als 70 Prozent der 20- bis 35-Jährigen ist sexuelle Treue in einer Beziehung sehr wichtig.

Statistik: Wie wichtig ist sexuelle Treue

Wir haben heute also ein eher zwiegespaltenes Verhältnis zur verbindlichen Partnerschaft: Einerseits denken wir nicht, dass es natürlich ist, sich auf einen (sexuellen) Partner zu beschränken, andererseits erwarten wir in einer Beziehung Treue.

4. Andere Beziehungsmodelle

Das Gegenteil von Monogamie ist Polygamie – die Mehrehe oder Vielehe – , bei der mehrere Menschen egal welchen Geschlechts in Ehe oder eheähnlicher Beziehung leben. Es gibt verschiedene Unterformen der Polygamie: Bei der Polygynie hat ein Mann mehrere Ehefrauen, bei der Polyandrie eine Frau mehrere Männer. Zudem gibt es noch die Polygynandrie, an der mehrere Frauen und mehrere Männer beteiligt sind. Zudem gibt es die Bigamie, oder Doppelehe: Hier führt ein Mensch zwei Ehen gleichzeitig.

Polyamorie bezeichnet einen Lebensstil, bei dem ein Mensch mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig hat. Nicht jeder Partner hat mehrere Geliebte, aber alle sind über die Beziehungen im Klaren und einverstanden.

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Bildquellen: iStock/Creative-Family; iStock/Wavebreakmedia; iStock/AndreyPopov; statista; iStock/igor_kell


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