Keine Gefühle

Sex ohne Liebe: Wir können, aber hassen es

Susanne Falleram 05.07.2016 um 11:20 Uhr

Sex ohne Liebe scheint gerade heutzutage, bei dem schier endlosen Angebot an potenziellen Sexpartnern via Dating-Apps und Co., sehr verbreitet und normal zu sein. Und das nicht nur für Männer, auch für Frauen ist Sex ohne Liebe ein Thema. Warum auch nicht? Wir können es. Wir tun es. Doch mal ehrlich: Wie lange kann Sex ohne Gefühle gut gehen?

Sex and the City, Staffel 1, Folge 1: Carrie, Miranda, Samantha und Charlotte diskutieren gleich zu Beginn unserer Lieblingsserie über eine Frage. Können wir Frauen Sex wie ein Mann haben? Mit „Sex wie ein Mann“ meinen sie: Sex ohne Liebe. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Ziemlich viel, bedenkt man, dass der gefühllose Akt lange Zeit nur Männern vorbehalten war, zumindest insofern, dass sie dafür unter keiner gesellschaftlichen Verurteilung leiden mussten. Männer, die Sex ohne Gefühle haben, am besten noch mit möglichst vielen Frauen, sind heiß begehrt, wahre Hengste im Bett, werden von ihren Freunden auf die Schulter geklopft. Frauen, die mit vielen Männern schlafen, ohne Gefühle für sie zu haben? Tja.

Sex ohne Beziehung

Für Männer ist Sex ohne Liebe etwas Selbstverständliches, Frauen werden dafür immer noch abgestempelt

Sex ohne Liebe ist auch für uns Frauen möglich

Glücklicherweise begreift die Gesellschaft mittlerweile, dass wir uns nicht mehr im Jahr 1960 befinden. Frauen haben durchaus die Freiheit, Sex ohne Liebe so genießen zu können, wie manche Männer es tun. Und das tun wir auch. Überleg einmal: Hattest Du auch schon mal Sex, vielleicht auch nur ein One Night Stand, mit einem Mann oder einer Frau, für die Du eigentlich nichts empfunden hast? Vielleicht kennst Du solche Fälle auch von Freundinnen. Sollten wir uns deswegen etwa schlecht fühlen? Natürlich nicht.

Gerade dann, wenn man zum Beispiel eine schlimme Trennung hinter sich hat oder sich einfach gerade nicht an einen Partner binden möchte, ist Sex ohne Liebe eine gute Option, um trotzdem rein körperlich auf seine Kosten zu kommen.

Welche Gründe gibt es für Sex ohne Liebe?

Sex ohne Gefühle

Sex ohne Gefühle hat seine Vorteile

Sex ohne Liebe kann ganz wunderbar funktionieren und hat einige Vorteile. Der Größte ist wohl, dass wir Frauen bei dieser Art von Sex egoistischer denken und handeln können. In einer Beziehung und beim dazugehörigen Sex möchte man schließlich, dass der Partner auf seine Kosten kommt. Man nimmt Rücksicht und stellt seine eigenen Bedürfnisse (besser gesagt: die eigene Befriedigung) hinten an. Bei Sex ohne Liebe kann man sich dagegen ganz auf sich konzentrieren. Das heißt natürlich nicht, dass man seinem Sexpartner respektlos begegnen soll.

Doch wusstest Du, dass es Männer zum Beispiel ziemlich heiß finden, wenn wir Frauen mal die Zügel in die Hand nehmen und ihm helfen, dass wir auf unsere Kosten bis hin zum Orgasmus kommen? Das ist nämlich nicht nur für uns toll, sondern für ihn auch eine Bestätigung seiner Männlichkeit und seines Könnens im Bett. Wenn alle Parteien zufrieden sind, umso besser! Trotzdem schlägt Sex ohne Liebe für viele Frauen irgendwann in Frust und fast schon Hass um. Hass gegenüber der Gefühlskälte, Hass gegenüber uns selbst, dass wir uns darauf eingelassen haben. Warum?

Sex ohne Liebe kann auf Dauer frustrierend sein

Sex ohne Liebe

Sex ohne Liebe kann aber auf Dauer zur Belastungsprobe für unsere Gefühle werden

Schuld ist das Hormon Oxytocin, auch Kuschelhormon genannt. Dieses macht uns gerne mal einen Strich durch die Rechnung, wenn es darum geht, Sex ohne Gefühle haben zu wollen. Wenn wir uns mit jemandem in den Laken wälzen, dann herrscht ja schon mal grundsätzlich eine gewisse Anziehung, auch wenn diese nicht mit Liebe verbunden ist. Beim Sex und vor allem auch dann, wenn wir einen Orgasmus haben, schüttet unser Körper einen ganzen Schwall Oxytocin aus und lässt uns die Kontrolle über unseren nüchternen Blick auf die Lage verlieren. Wir wollen kuscheln, den Partner halten und entwickeln ein Gefühl von Nähe, Verbundenheit und auch ein gewisses Vertrauen. Das mag man in manchen Fällen noch gut überspielen und ignorieren können, doch auf Dauer kann das ganz schön frustrierend sein. Bei Männern ist es anders: Sie entwickeln zwar auch Oxytocin, doch dieses wird durch eine Ladung Testosteron nach dem Sex praktisch zunichte gemacht. Deshalb ist es für sie wohl auch einfacher, Sex und Gefühle zu trennen (Pauschalisieren möchten wir aber nicht, es gibt natürlich sehr wohl auch Männer, die keinen Spaß an Sex ohne Liebe haben).

Die Situation mit dem Sexpartner vorher zu klären, erleichtert die Trennung von Sex und Liebe natürlich etwas. Wenn von Anfang an klar ist, dass aus dem One Night Stand oder der Affäre nichts weiter wird, dann hindert das unseren Körper zwar nicht daran, uns mit reichlich Oxytocin zu versorgen. Es macht es unserem Kopf aber einfacher, das Ganze nüchtern zu betrachten und rechtzeitig auf Distanz zu gehen, bevor die Gefühle doch anfangen zu keimen.

Sex ohne Liebe? Kann durchaus Spaß machen, solange man seine Gefühle unter Kontrolle halten kann. Wenn das zu schwer fällt und man sich im Endeffekt damit nur selbst wehtut, Sex und Gefühle strikt trennen zu wollen, sollte man aber besser die Finger davon lassen. Im Endeffekt ist Sex MIT Liebe sowieso schöner. Wir sind eben keine Eisklötze. Und das ist doch auch irgendwie ein gutes Gefühl, oder?

Bildquellen: iStock/kieferpix, thestarksfell.tumblr.com via giphy, iStock/Dmitrii Kotin

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