Nur Freunde?

Tausendmal berührt – Was passiert nach dem Sex mit dem besten Freund?

Man kennt sich ewig, vertraut einander und plötzlich passiert etwas: Man landet im Bett mit dem besten Freund. Was sich anhört wie aus einer mittelmäßigen Soap und im Song „Tausenmal berührt“ inbrünstig besungen wurde, passiert mehr Menschen, als man denkt. Warum es so häufig geschieht, und was danach kommt: Wir haben mal recherchiert und die unterschiedlichsten Geschichten gehört. Einige Geschichten wiederholen sich hierbei immer wieder. Drei Mädels gewähren Einblicke in ihre ganz eigene Version von Harry und Sally.

Sex mit bestem Freund

Tausendmal berührt, und dann passiert ES!

Tausendmal berührt! Die Sandkastenliebe: Line und Andi

Line und Andi kennen sich lange. Sehr lange. Sie haben sich die ganzen Jahre nie aus den Augen verloren. Gemeinsamer nach Hause-Weg, gleiche Spielzeuge und zahllose Nachmittage im selbst gebauten Baumhaus in Lines Garten. Hatten sich sprichwörtlich schon „tausendmal berührt“. Natürlich gab es auch Zeiten, in denen Andi Mädchen doof fand und nicht mehr mit Line spielen wollte – da war dann schnell nichts mehr mit „tausendmal berührt“. Genauso war es Line auf der Realschule zu peinlich, auf dem Schulhof mit „Pickel-Andi“ zu reden – von „tausendmal berührt“ keine Spurt mehr. Aber im Grunde waren die beiden ihrer Freundschaft immer treu. Bei den ersten Liebesversuchen haben sie sich gegenseitig gestützt und waren für einander da. Ihr Verhältnis zueinander war geschwisterlich. In einem gemeinsamen Italien Urlaub mit 17 passierte es dann: Sie saßen abends gemeinsam draußen, waren ziemlich angeschickert und Andi sagte, dass Line echt hübsch geworden sei, über die Jahre. Sie gab das Kompliment zurück, sie kicherten und umarmten sich. „Ich würd ja schon gerne mal mit dir knutschen…“, sagte Andi, der seine Hormone kurzzeitig nicht mehr im Griff hatte. Und weil alles so locker und vertraut war, dauerte es nicht lange und die beiden küssten sich und machten heftig miteinander rum. Schon tausendmal hatten sie sich berührt, und doch war jetzt alles irgendwie anders. Der nächste Morgen brachte Ernüchterung: Betretenes Schweigen, verschämte Blicke. Beide hatten Angst, dass sich zwischen ihnen jetzt alles verändert. Es folgten mehrere Wochen, in denen sie sich aus dem Weg gingen. Irgendwann fasste Line sich ein Herz und schrieb ihm einen Brief. „Ich will dich nicht als Freund verlieren!“ Glücklicherweise sah Andi das genauso und schon wenig später war alles wie immer. Die gemeinsame Nacht im Urlaub wurde zur lustigen Anekdote zwischen den beiden, das Lied „Tausendmal berührt“ zu ihrem gemeinsamen Song.

In diesem Fall ist das „Tausendmal berührt“-Experiment ist gerade noch mal gut gegangen. Wenn man sich lange und gut kennt, ist es ganz natürlich, dass früher oder später eine gewisse Neugier auf genau den Teil des anderen entsteht, den man noch nicht kennt: Die sexuelle Seite. Da kann man sich noch so viele tausendmal berührt haben, eine gewisse Neugier bleibt bestehen. Bevor man sich dieser Neugier aber hingibt, sollte immer geklärt sein, was beide Seiten sich davon versprechen. Ist die Motivation, diesen Schritt zu gehen, rein körperlicher Natur oder ist mehr im Spiel? Die Frage sollte immer sein: Wie hoch ist das Risiko, das wir eingehen? Und ist das Spiel an sich den Einsatz wert?

Bei Judika und Marc ist die „Tausendmal berührt“-Geschichte leider nicht so glimpflich verlaufen, denn keiner der beiden hat sich diese Frage zuvor gestellt.

Tausendmal berührt! Die Liebe zum Zweck: Judika und Marc

Diese zwei kennen sich über Judikas Ex-Freund Torben. Marc und Torben waren schon lange Kumpels und Marc war froh, dass Torben so eine nette Freundin gefunden hatte. Judika wurde in Torbens Freundeskreis aufgenommen und freute sich, dass sie in Marc einen guten Freund gefunden hatte, mit dem sie auch mal über die Beziehung mit Torben reden konnte. Sie unternahmen viel gemeinsam, alles unter dem Schutzmantel der Freundschaft. Ab und zu traf sich Judika auch alleine mit Marc, besonders wenn es mit Torben gerade nicht so gut lief. Marc bemühte sich, seine Loyalität den beiden gegenüber zu wahren. Schließlich war er mittlerweile mit beiden befreundet. Er beneidete die beiden ein bißchen um ihre Beziehung, Judika war schließlich eine echte Rakete und nett noch dazu. Und je häufiger sie ihn anrief um ihn um Rat zu bitten, desto stärker wuchsen seine Gefühle für sie. In seinem Kopf kreisten immer wieder die selben Gedanken: Hier hatte er sie schon tausenmal berührt, sie gestreichelt und liebkost. Und es sich doch immer wieder verboten! Immerhin war sie die Freundin seines besten Freundes. Eines Tages bekam Marc wieder mal einen Anruf. Judika war dran und berichtete mit tränenerstickter Stimme, dass Torben sich von ihr getrennt habe. Marc fuhr sofort zu ihr, um sie zu trösten. Er hielt sie im Arm und half ihr, wieder zu lachen. Ein paar Tage später war er schon Dauergast bei ihr. Sie fühlte sich gut, wenn er da war und ihr zuhörte. In ihm hatte sie eine große Hilfe in der Schmerzbewältigung. Er gab ihr das Gefühl, ganz besonders zu sein. Liebenswert und auch attraktiv. Das brauchte sie, nachdem Torben sie abgeschossen hatte. Aber je mehr Zeit er bei ihr verbrachte, desto mehr verliebte Marc sich in Judika. Eines Abends, als sie mal wieder einen Tiefpunkt hatte und sie zusammen auf dem Sofa abhingen, beugte Marc sich zu ihr rüber und küsste sie. Sofort spürte sie ein heftiges Kribbeln im Bauch und ließ sich darauf ein. Was war denn das? Tausendmal berührt hatten sie sich, doch dieses Male fühlte es sich anders an! Intensiver! Die beiden hatten Sex. Unmittelbar danach sagte Marc ihr, wie glücklich und verliebt er in sie sei. Für Judika war das ein Schock. Sie hatte zwar schon mal so einen Verdacht gehabt, aber wollte es nicht wahr haben. Denn sie brauchte Marc als emotionale Stütze. Und nun steckten beide in einem riesigen Dilemma. Marc hoffte, sie als seine feste Freundin zu gewinnen, sie aber wollte nur Freundschaft. Schließlich stand sie eigentlich immer noch auf Torben. Das mit Marc war für sie gut, um ihr Ego zu polieren, aber verliebt war sie nicht. Jetzt tat es ihr Leid, dass sie mit ihm geschlafen hatte und hoffte, dass er trotzdem ihr Freund bleiben würde. Marc war aber viel zu gekränkt und fühlte sich ausgenutzt. Die zwei hörten auf sich zu treffen, telefonierten nicht mehr und wenig später hatten die zwei sich komplett aus den Augen verloren.

Judika und Marc haben den wohl häufigsten Verlauf der „Tausendmal berührt“-Geschichte am eigenen Leib erfahren müssen. Weil weder das Verhältnis zueinander, noch der Grund für das körperliches Verlangen geklärt wurde, bevor die beiden Sex hatten, kam es zu Enttäuschungen und Verwirrung. Die zwei haben ihre Freundschaft für ein kurzes Intermezzo geopfert, ohne sich dessen bewußt zu sein. Mit völlig unterschiedlichen Erwartungshaltungen sind sie in die Sexfalle gestolpert. Ihre Version der Geschichte gibt dem Vorurteil recht, nach dem Männer und Frauen nicht einfach nur Freunde sein können sondern mindestens einer von beiden tendenziell an mehr interessiert ist als nur Freundschaft. Aber ist das wirklich bei allen so? Bei Janine und Tobi hat die Freundschaft nämlich ziemlich lange auch ganz ohne „Extras“ funktioniert.

Tausendmal berührt! Die Dauerkumpels: Janine und Tobi

Janine und Tobi sind das, was man ein Dreamteam nennt. Sie kommen aus der selben Clique und kennen sich ewig. Zwar hat es früher bei beiden schon mal gefunkt, aber irgendwas kam immer dazwischen. Also beschlossen die beiden, dass sie einfach Freunde sein sollten. Beide hatten Beziehungen mit anderen Partnern. Sie trafen sich mindestens einmal die Woche und quatschten über einfach alles. Sie haben genau den selben Humor, gleiche Interessen und Ansichten. Über die Jahre wurden die beiden so vertraut miteinander, dass sie nackt voreinander Trampolin gesprungen wären, ohne sich zu schämen. Wenn sie alleine waren, schmusten, lachten und weinten sie zusammen. Aber: Es lief nie mehr zwischen ihnen! Gegen das „Tausenmal berührt“-Phänomen schienen die beiden vollkommen immun zu sein. Jedem, der die beiden zusammen erlebte, war sofort klar: Die zwei gehören zusammen. Ob nun als beste Freunde oder anders. Das war auch Janine und Tobi bewusst, aber da beide vollkommen zufrieden mit der Situation waren, gab es nichts, was sie an ihrer Freundschaft hätten ändern wollen. Irgendwann machte Janine mit ihrem Freund Schluss. Natürlich war Tobi wie immer da, um sie aufzumuntern. Sie war irre froh, ihn zu haben. In den nächsten Monaten experimentierte sie viel herum und stellte fest, dass die meisten Typen echt nen Knall haben. Warum konnten nicht alle so sein wie Tobi? Dann wäre alles viel einfacher! Tobi war zum Maßstab geworden, der von anderen Männern nicht mehr zu erreichen war. Aber Tobi hatte eine Freundin und Janine hätte nie, nie, niemals versucht, daran etwas zu ändern. Sie tingelte also weiter durch die Männerlandschaft und ließ sich treiben. Ein Jahr später war auch bei Tobi und seiner Freundin Schluss. Janine war zur Stelle und fing ihn auf. Das Singledasein änderte auch ein bißchen das Verhältnis zwischen den beiden. Er schlief jetzt öfter bei ihr, sie konnten endlich mehr Zeit miteinander verbringen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wenn sie zusammen auf Partys gingen, kam er nachher immer mit zu ihr. Und langsam aber sicher wurde klar: Da geht noch mehr. Nach einer langen, scheinbar endlosen Zeit passierte eines Abends das, womit schon niemand in ihrem Umfeld mehr gerechnet hatte: Sie schmusten, knutschten und landet schlussendlich…in der Kiste! „Tausenmal berührt… und es hat doch Zoom gemacht!“ Das passierte nun immer öfter und nach zwei Wochen setzte Janine Tobi die Pistole auf die Brust und stellt die Gretchenfrage: „Meinst du das würde klappen mit uns?“ „Das wussten wir doch schon immer!“, sagte er. Tobi und Janine schafften es tatsächlich, das „Tausenmal berührt“-Phänomen für sich wahr zu machen: Sie sind ein glückliches Paar, bei dem es keine Überraschungen gibt. Denn sie sind immer noch beste Freunde.

Die „Tausenmal berührt“-Geschichte von Janine und Tobi hört sich an wie ein Märchen, oder? Aber die beiden gibt es tatsächlich! Allerdings stellen sie unter den Sex-Freunden die absolute Ausnahme dar. Denn viele Männer und Frauen glauben besonders dann, dass hinter einer Freundschaft mehr steckt, wenn sie gerade einsam oder sexuell unbefriedigt sind. Dann verschwimmt der Blick für die Realität und man läuft Gefahr, Vertrautheit mit Liebe zu verwechseln. Für Janine und Marc hat es letztendlich funktioniert, weil sie sich so gut kannten und so ehrlich mit einander waren, dass das Risiko auf ein Minimum reduziert werden konnte. Aber ein Restrisiko bestand auch für diese zwei Glückspilze.

Die Erdbeermädels sind sich einig: Sobald in einer Freundschaft auch Sex ins Spiel kommt, wird es gefährlich. Das „Tausenmal berührt“-Phänomen kann nämlich vieles kaputt machen. Absolute No Gos in einer Freundschaft sind spontaner Frustsex und betrunkene Experimente. Stellt man fest, dass man auch andere Gefühle für den besten Freund hegt als Freundschaft, sollte man immer erstmal sich selbst überprüfen: Bin ich verliebt oder nur körperlich angezogen? Bin ich bereit ein Risiko eingehen, oder ist mir die Freundschaft zu wichtig? Und am wichtigsten: Will ich Sex mit meinem besten Freund oder einfach nur Sex?
Sollte das Grübeln ergeben, dass tatsächlich eine realistische Chance auf eine ernste Beziehung besteht, dann nix wie hin zu ihm.

Kommentare (18)

  • CocoBanane am 19.06.2013 um 06:28 Uhr

    Ich kann mir das nicht vorstellen, dass ich jemanden schon tausendemal berührt habe und dann auf einmal etwas passiert.

  • applepie77 am 16.05.2013 um 12:42 Uhr

    tausendmal berührt, so eine Geschichte kennt doch jeder. Ich habe meinen Mann auch tausendmal berührt und erst dann hat es geknistert.

  • sabini34 am 12.04.2013 um 12:14 Uhr

    Tausendmal berührt.. Jaja, das könnte auch der Soundtrack meines Lebens sein!

  • waterlillie am 12.04.2013 um 12:12 Uhr

    Tausendmal berührt.. tausendmal ist nix passiert! Kenn ich auch! Davon kann wohl jede Frau "ein Liedchen singen" :)

  • Kaenguru123 am 02.04.2013 um 11:57 Uhr

    Witzig, dass alle sofort an das Lied "Tausendmal berührt..." denken, obwohl das schon so alt ist.

  • GelbeHexe123 am 15.11.2012 um 15:16 Uhr

    Oh nee, ich auch, "Tausendmal berührt! " - ein Klassiker. Bei meiner besten Freundin war es auch so, mit ihrem Nachbarn :-)

  • ModeGoettin86 am 15.11.2012 um 13:49 Uhr

    Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert... Jetzt hab ich einen Ohrwurm ;)

  • Fashiongirl92 am 18.09.2012 um 06:09 Uhr

    Tausendmal berührt? Ja, so war das auch bei meiner Schwester und ihrem Freund.

  • mellie12 am 09.08.2012 um 08:10 Uhr

    Tja, meiner Erfahrung nach ist es eher so: Wer sich tausendmal berührt hat, ohne dass etwas passiert ist, der belässt es auch besser dabei. Sonst ist man hinterher im Zweifelsfall einen guten Freund los - den man dann nicht nur nicht mehr berührt, sondern auch nicht mehr sieht oder hört.

  • LaLou am 06.08.2012 um 10:37 Uhr

    Tausendmal berührt, tausend mal ist nichts passiert - von wem ist noch mal der Song?;-) Mir das das Tausendmal berührt Ding übrigens auch schon mal passiert, es war ganz schön irritierend aber im Grunde genommen kann Dir nichts besseres passieren!

  • Vinca am 06.06.2012 um 14:00 Uhr

    bitte um hilfe?!

  • Vinca am 06.06.2012 um 13:59 Uhr

    Der Artikel ist echt klasse!!Mein bester Freund und ich waren schon zsm es hat aber nicht geklappt nach 2 monaten war wieder Schluss, jetzt sind wir einfach nur Freunde.. kann es wieder so werden wie früher oder sogar noch mehr denn irgenwie entwickelt sich da wieder was

  • himbeere1982 am 01.02.2012 um 16:09 Uhr

    Ich finde das Lied tausendmal berührt passt wie die Faust aufs Auge. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht!

  • Nayfe am 12.08.2011 um 12:37 Uhr

    ich glaube, bei mir war es ein bisschen von allem... mein freund (ehemals bester freund) und ich sind zusammen aufgewachsen, haben uns dann für mehrere Jahre aus den Augen verloren und zum Glück wieder gefunden. Bei diesem Widerfinden verlief es ungef

  • Alice_92 am 25.07.2010 um 07:04 Uhr

    also bei mir lief das bis jetzt nicht so gut. war über ein jahr mit meinem besten Freund zusammen und jetzt will er nichts mehr mit mir zu tun haben.. ist ein bisschen blöd ausgegangen.

  • AnsiaDeVivir am 25.07.2010 um 06:51 Uhr

    Sehr guter Artikel. tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert. und dann: ZOOM

  • ChrizZ am 02.08.2009 um 11:32 Uhr

    ich hatte mal einen richtig guten kumpel der auch in mich verliebt war...iwann hatte ich auch gefühle für ihn und wir kamen zusammen...doch das hat nicht so gut geklappt und haben schluss gemacht...das hat uns iwie noch enger...zusammengebracht als davo

  • AndreaD81 am 26.01.2009 um 08:25 Uhr

    mein schatz und ich kennen uns 15 jahre, sind zusammen zur schule gegangen und vor 3 jahren hat es dann auf einem tanzen gefunkt-so richtig. wie in dem lied "tausendmal berührt". seitdem verstehen wir uns noch besser als vorher.