Wirkung

Mythos: Pille und Antibiotika

Christina Cascinoam 19.07.2016 um 12:29 Uhr

Die Pille gehört zu den beliebtesten Verhütungsmitteln, bietet sie doch bei richtiger Einnahme nahezu 100 prozentigen Schutz. Doch auch die Pille kann ihre Wirkung verlieren, zum Beispiel bei gleichzeitiger Einnahme von Antibiotikum. Doch ist das wirklich so? Wir klären Dich über den Mythos Pille und Antibiotika auf.

Viele Frauen sind verunsichert, wenn sie die Pille und Antibiotika gleichzeitig einnehmen: Schwächt das Antibiotikum die Wirkung der Pille oder bin ich weiterhin ausreichend vor einer Schwangerschaft geschützt? Zahlreiche wissenschaftliche Studien behaupten, dass Antibiotika die Pillenwirkung beeinflussen kann. Andere dagegen sehen in der gleichzeitigen Einnahme der beiden Präparate kein Problem. Bis heute gibt es keine aussagekräftigen Forschungsergebnisse über diesen Mythos, da es auf dem Markt eine Vielzahl unterschiedlicher Antibiotika und Pillen gibt und so eine Aussage über Wechselwirkungen erschwert wird. Doch was ist wirklich dran am Mythos Pille und Antibiotika? Wir klären auf!

Antibiotika KANN, MUSS aber NICHT die Pillenwirkung hemmen

Pille und Antibiotika: Mögliche Wechselwirkung

Grundsätzlich lässt sich zunächst festhalten, dass das Antibiotika nicht zwangsläufig die Wirkung der Antibabypille stört. Vielmehr KANN, aber muss es nicht dazu kommen, dass das Präparat die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel abschwächt.

Zunächst solltest Du Dir ganz genau die Packungsbeilage des Antibiotikums durchlesen: Hier findet sich meist unter Wechselwirkungen ein Vermerk, ob bei der Einnahme der Pille Vorsicht geboten ist. Fehlt ein solcher Hinweis, solltest Du allerdings dennoch nicht davon ausgehen, dass Dein Verhütungsmittel nun sicher ist. Wende Dich in diesem Fall an Deinen Haus- oder Frauenarzt.

Wie Antibiotika die Pille beeinflussen kann

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Pillenwirkung durch die Einnahme eines Antibiotikums gestört werden kann.

Durchfall/Erbrechen

Bei vielen Antibiotika kommt es dazu, dass der Magen-Darm-Trakt sehr stark beeinflusst wird: Die Einnahme führt somit in vielen Fällen zu Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Die Antibabypille muss mindestens 4 Stunden im Körper verbleiben, um effektiv aufgenommen zu werden und optimalen Schutz zu bieten. Wird dieser Zeitraum, etwa durch Erbrechen oder Durchfall nicht eingehalten, ist der Schutz durch die Pille nicht mehr gegeben.

Beschleunigter Abbau

Die beiden antibiotischen Wirkstoffe Rifampicin und Rifambutin haben eine starke Wirkung auf die Konzentration der Enzyme in der Leber. Zudem gibt es einige Enzymgruppen, die Medikamente abbauen und somit die Menge des Wirkstoffes im Körper reduzieren. Wirkt das Antibiotika auf die Menge der betreffenden Enzyme oder erhöhen deren Konzentration, kommt es dazu, dass das in der Pille enthaltene Hormon Progesteron viel schneller abgebaut wird und die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigt wird. Hier sollten vor allem Frauen Acht geben, die die Pille nur schlecht im Körper aufnehmen. Eine Erhöhung der Leberenzyme führt dann sehr schnell zum Versagen der Pille.

Weitere Medikamente

Nicht nur das Antibiotika an sich kann die Wirkung der Pille hemmen, sondern auch andere Medikamente, die häufig zusätzlich zu dem Präparat eingenommen wird. Hierzu zählen unter anderen Antiepileptika, Antihistaminika, Diuretika, manche Vitaminpräparate, Johanniskraut und Medikamente gegen Magengeschwüre sowie gegen Malaria.

Pille und Antibiotika? Verhüte zusätzlich mit Kondom!

Zusätzlichen Schutz

Da es sein kann, dass das Antibiotika die Pillenwirkung beeinträchtigt, sollte generell ein zusätzliches Verhütungsmittel wie Kondome benutzt werden. Dies sollte nicht nur während der Einnahme des Antibiotikums geschehen, sondern bis mindestens zum siebten Tag nach Beendigung der Therapie. Denn auch noch danach kann die Wirkung etwa durch eine erhöhte Konzentration von Enzymen oder ein verstärkter Abbau von Progesteron beeinträchtigt sein.

Sobald Du eine Pillenpause einlegst und Deine Periode einsetzt, könntest Du auf weitere Verhütungsmittel verzichten. Hast Du das Antibiotikum während der Pillenpause eingenommen und mit dem Beginn des neuen Blisters die Therapie beendet, solltest Du dennoch bis zur Einnahme der siebten Pille aus der neuen Packung zusätzlich verhüten. Danach ist der empfängnisverhütende Schutz wohl wieder vollkommen hergestellt.

Die gleichzeitige Einnahme von Antibiotika und Antibabypille kann den Verhütungsschutz vermindern. Aus diesem Grund solltest Du unbedingt gut den Beipackzettel durchgelesen und Deinen Arzt zu Rate ziehen, ob das einzunehmende Antibiotikum die Wirkung der Pille beeinträchtigt.

Bildquelle: iStock/drkskmn, iStock/KatarzynaBialasiewicz

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