Bondage
Katja Gajekam 10.02.2017

Viele Paare lieben das Spiel von Dominanz und Unterwerfung, das man beim Bondage so gut ausleben kann. Knapp die Hälfte aller Frauen und Männer hält Fesselspiele für erotisch. Wer sich auf das Abenteuer Bondage einlassen möchte, braucht allerdings mehr als nur das berühmte Safewort, das den Abbruch des Spiels bedeutet. Ob Vorbereitung, Fesseltechniken, Spielarten oder gesundheitliche Risiken – es gibt einiges zu beachten, damit Bondage zu einem befriedigenden Erlebnis wird.

Bondage und andere BDSM-Praktiken finden spätestens seit „50 Shades of Grey“ nicht mehr nur in dunklen Kammern statt, sondern auch in den Schlafzimmern von ganz normalen Paaren. Da beim Bondage allein in der Regel keine Schmerzen zugefügt werden, trauen sie sich hier eher heran, als an die „harten“ Praktiken. Während die einen davon träumen, sich fesseln zu lassen, um ihrem Schatz beim Sex voll und ganz ausgeliefert zu sein, üben andere beim Fesselspiel lieber den dominanten Part aus und lassen ihren „Sklaven“ so richtig zappeln.

Video: Bondage for Dummies

Was ist Bondage?

„Das Fesseln zur Steigerung der geschlechtlichen Erregung (im sexuell-masochistischen Bereich)“ – so beschreibt der Duden den aus dem Englischen stammenden Begriff Bondage. Wörtlich übersetzt mit „Knechtschaft“, „Unfreiheit“ oder „Gebundenheit“ bezeichnet Bondage im heutigen Sprachgebrauch in der Regel eine der bekanntesten Praktiken aus dem Spektrum der BDSM-Szene und wird von dieser teilweise abgegrenzt. Es meint sämtliche Grade an Fesselspielchen, die der Einschränkung der Bewegungsfreiheit dienen. Das Ziel ist überwiegend die sexuelle Stimulation. Allerdings gibt es Sonderformen, bei denen Bondage aus Gründen der Ästhetik, der Empfindung oder der Konzentration eingesetzt wird.

Bondage: Die wichtigsten Facts

Bondage: Handschellen sind nur eins von vielen Hilfsmitteln

Beim Bondage gibt es viele Spielarten.

Bondage kann als Vorspiel eines erotischen Rollenspiels dienen, als einzige Praktik innerhalb einer Session, das heißt eines Zeitabschnittes, angewandt werden oder als ästhetisches Element außerhalb einer sexuellen Handlung oder Session (zum Beispiel in einer Vorführung durch japanische Bondagekünstler) eingesetzt werden. Die Spielarten des Bondage reichen von harmlos bis hardcore. Während es dem einen schon reicht, sich mit Plüschhandschellen oder einem zarten Satinband ans Bett fesseln zu lassen, bevorzugen es andere, durch etliche Seile an der Decke aufgehängt zu werden, um ihre Bewegungsfreiheit vollständig einzuschränken. Die erstgenannte spielerische Art würde wohl eher dem sogenannten „Vanillasex“, der nicht BDSM-bezogenen Sexualität, zugeschrieben werden, letzteres bedarf hingegen einer professionellen Anwendung durch einen Bondage-Experten.

Wie in allen anderen Bereichen des BDSM wird während der eigentlichen Handlung, hier der Fesselung, die Gleichberechtigung der Partner aufgehoben. Der- oder diejenige mit der passiven bzw. unterwürfigen Rolle, auch „Bottom“ genannt, gibt die Kontrolle für einen definierten Zeitraum an seinen dominanten Gegenpart, „Top“, ab. Der für diese Machtübertragung im BDSM-Jargon oft verwendete Begriff lautet „Power Exchange“. Die beliebtesten Hilfmittel beim Bondage sind Handschellen, dicht gefolgt von Seilen und Seidenbändern. Die härter Gesottenen lassen sich auch gerne an ein Andreaskreuz, einen Strappado, einen Pranger oder eine Streckbank festbinden oder ihre Gliedmaßen durch Spreizstangen fixieren. Während Fesselpraktiken bis vor ein paar Jahren noch äußerst verpönt waren und nur dem extremen SM-Bereich zugeordnet wurden, finden sie sich heute auch in Angeboten vieler Erotikhersteller wieder, die auf ein gewöhnliches (Vanilla-)Sexleben abzielen.

Galerie: 15 BDSM-Praktiken

Bondage ist nur eine von vielen BDSM-Praktiken, noch dazu eine der „harmlosen“. Welche hingegen noch krasser sind, siehst in unserer Fotogalerie:

Die 15 ausgefallensten BDSM-Praktiken

Warum stehen manche Menschen auf Bondage?

Die Gründe, warum manche Menschen sich gerne fesseln lassen, sind vielfältig – der Reiz liegt in der Kombination verschiedener Aspekte. Sie mögen das Gefühl, hilflos ausgeliefert zu sein und sich jemandem absolut ergeben zu müssen. In der weitgehenden körperlichen Passivität fühlen sich manche Menschen frei, weil sie sich dabei auf ihr Inneres konzentrieren und zur Ruhe kommen können. Andere Menschen empfinden Ohnmacht, kämpfen gegen die Fesseln an und empfinden teilweise darüber hinaus ein masochistisches Vergnügen an den Begrenzungen und Schmerzen (Lustschmerz) sowie der symbolischen Herabsetzung oder des unabwendbaren Zugriffs für erotische Stimulationen durch den Partner. Körperliche Züchtigungen („Discipline“-Praktiken) wie Schläge durch Peitschen, Gerten oder andere Gegenstände gehören nicht zwangsläufig zum Bondage dazu, werden aber gerne miteinander kombiniert. Sie werden sowohl psychisch als auch physisch als anturnend empfunden.

Und warum ist man gerne derjenige, der seinen Partner fesselt? Nun, die Gründe dafür liegen meist im Vergnügen an der erotischen Unterordnung und dem dabei subjektiv empfundenen Machtgefälle und dessen Visualisierung. Für Menschen, die BDSM betreiben, ist Bondage häufig Mittel zum Zweck, beispielsweise um die gefesselte Person auf darauf folgende sadomasochistische Praktiken vorzubereiten. Auch Optik und Haptik können eine Rolle spielen, denn wie bereits erwähnt kommen Fesselungen auch aus ästhetischen Gründen vor.

Fesselspielchen

Hilflos ausgeliefert sein: Ein gewünschtes Gefühl beim Bondage.

Bondage für Einsteiger: Die besten Tipps und Tricks

Du wolltest schon immer einmal Bondage ausprobieren, weißt aber nicht so recht, wie Du und Dein Partner es handhaben sollt? Dann merkt Euch folgende goldene Regel: Vertrauen ist das A und O! Wenn Du Deinen Körper in die Hände eines anderen gibst, Dich ihm vollkommen unterwirfst oder jemand dies Dir gegenüber tut, muss sichergestellt sein, dass nichts passiert, das der andere nicht möchte. Im Folgenden haben wir weitere Tipps für Bondage-Einsteiger zusammengestellt:

1. Nichts überstürzen!

Bevor Ihr mit der Fesselung loslegt, solltet Ihr dafür sorgen, dass es im Raum ausreichend geheizt ist, denn nichts bremst die Lust schneller, als wenn man friert. Außerdem solltet Ihr Schritt für Schritt vorgehen und gut überlegt ans Werk gehen. Vermeidet unbedingt eine Hauruck-Ganzkörperfesselung, aus der Du Dich nicht mehr befreien kannst! Steigert Euch, indem Du zum Beispiel damit beginnst, die Hände des Partners festzuhalten. Beim nächsten Mal kann er dann schon locker mit Gürtel, Krawatte oder Schal am Bettpfosten festgebunden werden. Wichtig: Fesselt so, dass sich der passive Partner anfangs selbst befreien könnte. So baut Ihr Vertrauen auf.

2. Die richtige Fesseltechnik will gelernt sein

Stell Dir vor, Du wirst gefesselt und merkst, dass der andere keinen Schimmer vom Verschnüren hat. Das ist nicht sehr vertrauenswürdig, oder? Deswegen solltest Du Dir vor dem „ersten Mal“ ein weiches Bondageseil aus dem Sexshop (Keine Nylonstrumpfhosen!) besorgen und erst einmal an Dir selbst üben. Zu diesem Zweck werden jetzt die drei gängigsten Bondage-Knoten erklärt:

Bondage: Seile sind ein wichtiges Utensil

Beim Bondage kommen auch mal Seile zum Einsatz

Der Kreuzknoten besteht aus zwei Seilen und lässt sich leicht wieder lösen.
1. Das erste Seil zur Schlaufe legen.
2. Das zweite Seil quer darüber legen, dann die beiden Enden von hinten durch das erste Seil ziehen.

Der Achterknoten dient zur Absicherung der Enden und macht Knoten in die Mitte des Seils.
1. Schlaufe bilden und das Seilende hinten herumlaufen lassen.
2. Seil vorne herumführen und von hinten durch die erste Schlaufe führen.

Der Palstek dient zum Knüpfen einer festen Schlaufe und eignet sich zum Fesseln der Hände.
1. Seil senkrecht legen. Das untere Ende in die Hand nehmen und ein Auge bilden.
2. Seilende von hinten durch das Auge führen, dann weiter hinten das zweite Seilende wieder in das Auge hineinstecken und zuziehen.

3. Sprecht No-Gos vorher klar ab

Wie bei allen anderen sexuellen Praktiken geht es auch beim Bondage darum, dass alle Beteiligten Spaß an der Sache haben. Deswegen solltet Ihr vorab genau absprechen, worauf Ihr steht – und was verboten ist. Da beim Bondage mitunter ein harter Ton mit zum Spiel gehört, solltet Ihr zur Sicherheit ein Safeword vereinbaren, mit dem Ihr signalisieren könnt, dass sofort (!) aufzuhören ist. In Deutschland ist „Mayday“ als allgemein gültiges Safeword anerkannt. Ebenfalls eine selbstverständliche Regel: Lass den Gefesselten niemals allein im Raum zurück. Das macht Angst, nicht Lust!

4. Bondage birgt gesundheitliche Risiken

Wie Du Dir sicher denken kannst, ist das Fesseln von bestimmten Körperregionen nicht immer ungefährlich. Bei extremeren Bondage-Arten kann es unter Umständen zu Druckschäden und Überreizung der Nerven, zu einem Abklemmen der Blutgefäße oder einem Einengen der Atmung kommen. Deswegen solltet Ihr immer vorsichtig sein und auf die Körperreaktionen des Gefesselten achten.

5. Kommunikation ist das A und O

Vor, während und nach einer Bondage-Session ist es existenziell und unerlässlich, dass Ihr miteinander kommuniziert. Denn nur wenn Ihr Euch im Vorfeld absprecht, einen Rahmen festlegt, auf Besonderheiten eingeht und auch während der Session – ob verbal oder mittels prüfenden Griffen – die Situation stets erfasst, kann das Risiko von Unfällen vermieden werden.

6. Bondage-Stellungen

Die Fesselspielchen lassen sich beliebig ins Liebesspiel integrieren. Es gibt jedoch auch Stellungen, die extra für Bondage-Techniken gedacht sind. Zum Beispiel den Hogtie: Dabei liegt der Bottom auf dem Bauch, während seine Handgelenke hinter dem Rücken an seine Füße gefesselt sind. Oder den klassischen Spread Eagle, bei dem der Bottom auf dem Rücken liegt, seine Gliedmaßen von sich streckt und an Hand- bzw. Fußgelenken an den Bettpfosten oder Ähnliches gefesselt ist. Beim Strapado hingegen kniet der Bottom, während seine Unterarme hinter dem Rücken fixiert werden.

Bondage als Vorspiel

Wie Du anhand der Länge dieses Artikels sicherlich schon gemerkt hast, ist Bondage ein Thema, über das man ganze Bücher schreiben könnte. Anders als viele denken, geht es gar nicht vordergründig um Sex. Vielmehr ist Bondage eine erotische Spielart, die von der Spannung lebt – und somit perfekt als Vorspiel geeignet ist. Sollte Dein Partner den „Bottom“-Part übernehmen, solltest Du ihn hinhalten, bis er es kaum noch aushält. Streiche mit den Händen über seinen Körper, doch spare den Penis dabei aus. Stattdessen könntest Du seine Erektion zum Beispiel mit einem Vibrator haarscharf umkreisen. Oder unter Einsatz Deines ganzen Körpers sanft seinen Body massieren. Erst wenn Dein Partner kaum noch damit rechnet, darfst Du ihn erlösen, indem Du das genüsslich-qualvolle Spiel in den Hauptteil überleitest. Andersherum ist dieses Spiel natürlich ebenso reizvoll…

Wer auch immer behauptet, dass Bondage etwas mit Perversion zu tun hat, der irrt sich gewaltig. Nicht umsonst findet die Hälfte der Menschen Gefallen an dem Spiel von Dominanz und Unterwerfung. Manchmal tut es einfach gut, nichts tun zu können, zu dürfen – oder die Macht über einen anderen auszukosten. Egal, ob Du nur von Bondage träumst oder auch in der Realität Fesselspiele mit Deinem Partner ausprobierst – genieße Deine Sexualität so, wie sie Dir gefällt. In unseren Artikeln erfährst Du übrigens auch alles Wichtige über Suspension-Bondage und Spanking!

Bildquellen: iStock/sakkmesterke, iStock/Wisky, iStock/studio1901, iStock/IgorIgorevich


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Was denkst du?

  • rita89 am 23.12.2014 um 15:41 Uhr

    Freunde von mir prakizieren regelmäßig Bondage - aber eher die softe Version. Für mich wäre das glaub ich nichts...

    Antworten