Sexentzug

Frauen trennen sich, Männer gehen fremd

Katharina Lübkeam 20.07.2016 um 17:45 Uhr

Alltag, Kinder, Beruf – in der Beziehung das Sexleben am Leben zu halten, ist nicht leicht. Sex wird zur Nebensache, zur Seltenheit und schließlich zur verblassten Erinnerung. Driftet die Beziehung immer mehr in Richtung sexloses Nebeneinander, gehen Frauen und Männer damit sehr unterschiedlich um. Während wir Damen der Partnerschaft irgendwann den Rücken kehren, kehren die Männer lediglich uns den Rücken, um sich heimlich einer Anderen zu widmen. Das hat das Partner- und Erotikportal Lovepoint in einer Studie herausgefunden. Der Umfrage zufolge sind sexlose Beziehungen übrigens alles andere als selten.

1.217 angemeldete Mitglieder hat Lovepoint zum Thema „Beziehung ohne Sex“ befragt. Das Portal wollte wissen, inwieweit Sexlosigkeit für eine Partnerschaft zur Gefahr werden kann und wie verbreitet Partnerschaft ohne Sex eigentlich ist.

Sexentzug

Mit Sexentzug in der Beziehung gehen Männer anders um als Frauen.

Jeder Zweite berichtet vom ungewollten Sexentzug

76 Prozent der befragten können sich eine Partnerschaft ohne Sex nicht vorstellen. Dennoch wusste mehr als jeder Zweite (54 Prozent) von einem längerfristigen und unfreiwilligen Sexentzug in der Beziehung zu berichten. 90 Prozent von ihnen litten darunter.

Nistet sich der Sexentzug dauerhaft ein, gehen Partner und Partnerin sehr unterschiedliche Wege. Vor allem wir Frauen wissen uns offenbar nicht anders zu helfen, als unsere Beziehung zu Grabe zu tragen: Jede dritte Frau (31 Prozent) gab an, sie würde sich in einem solchen Fall trennen. Das gleiche kam nur für 24 Prozent der Männer infrage.

Jeder zweite Mann geht in sexloser Beziehung fremd

Beziehung ohne Sex

Jeder zweite Mann würde bei Sexentzug in der Beziehung fremdgehen.

Denn die meisten wissen sich noch anders zu helfen: 56 Prozent der Herren gaben an, bei dauerhaftem Sexentzug ihre sexuellen Bedürfnisse anderweitig zu befriedigen, nämlich in heimlichen Affären. Von den Damen erwägt diese Option lediglich jede Dritte (32 Prozent). Die Quote erhöht sich auf immerhin 40 Prozent, wenn sie zuvor die Erlaubnis zum Fremdgehen einholen.

Erstaunlich und etwas schwer verständlich ist, dass eben diese Erlaubnis von der Partnerin die Männer eher daran hindert, sich außerhalb der Beziehung sexuell auszuleben: Zuvor genehmigter Sex außerhalb der Partnerschaft ist nur 41 Prozent der Herren interessant. Da liegt der Reiz wohl im Verbotenen. Die Erlaubnis erteilen würden immerhin rund jeder vierte Mann und gut jede fünfte Frau (24 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen)

Auf Dauer ist eine Beziehung ohne Sex jedenfalls in den seltensten Fällen erfüllend und harmonisch, denn das Verlangen versiegt meist nur einseitig und bringt den vernachlässigten Part in Bedrängnis. Was alles mit Dir passiert, wenn Du keinen Sex hast, kannst Du hier nachlesen. Erotik ist ein Grundbedürfnis, wenn eine Beziehung keinen Sex mehr ermöglicht, sucht der Vernachlässigte oft andere Wege. Das aber entfernt die Partner noch mehr voneinander und ist mit einem Vertrauensbruch verbunden, der in den seltensten Fällen wieder zu kitten ist.

Sexentzug ist Zeichen für tiefer liegende Probleme

Sexentzug

Eine Sex-Flaute kann auch ein Zeichen für tiefer gehende Probleme sein.

Eine Flaute im Bett kann auch Zeichen für tiefer liegende Beziehungsprobleme sein. Sexentzug geht häufig mit einem generellen Rückzug beider Seiten einher. Das äußert sich in fehlender Kommunikation und Gefühlskälte, die wiederum den Rückzug verstärkt. Neben der körperlichen Nähe geht auch noch die seelische Nähe flöten. Daher gilt es, die Probleme und die eigenen Bedürfnisse und Ängste anzusprechen, und zwar mit absoluter und unerschrockener Offenheit. Wie Du Konflikte am besten ansprichst, erfährst Du hier. Eine Möglichkeit kann auch eine Sexualtherapie sein.

Relativierend muss aber gesagt werden, dass Phasen der Sexlosigkeit in langjährigen Beziehungen normal sind und nicht sofort Grund zur Panik bieten. Immerhin verändert sich Sexualität auch mit dem Alter. Sporadische Zeiträume des Sexentzugs gilt es hinzunehmen, und gegebenenfalls mit Masturbation zu überbrücken. Daneben mag der eine oder andere über eine offene Beziehung nachdenken, die bei gegenseitigem Vertrauen nach klaren Regeln ablaufen kann.

Es gibt aber auch andere schöne Arten, körperliche Nähe auszutauschen. Denn wenn die Partnerschaft ansonsten von Harmonie, Liebe und Achtsamkeit auf beiden Seiten gekennzeichnet ist, sollten Phasen der Sexlosigkeit kein Problem sein.

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