TV-Marathon

Binge-Watching: Die Sucht nach Serien

Susanne Falleram 19.05.2016 um 11:05 Uhr

Du kennst es sicher auch: Da will man sich nach Feierabend oder am Wochenende eine Folge seiner Lieblingsserie anschauen – und plötzlich sind es fünf oder sogar noch mehr. Binge-Watching nennt sich das Phänomen. Wie genau es zu dem Serienmarathon kommt und warum wir damit aufhören sollten – auch wenn es so viel Spaß macht – erfährst Du hier.

Eine Serienstaffel hat in der Regel zwischen 10 und 25 Folgen, je nach Serie und der Länge ihrer Folgen. Eigentlich werden diese schön nacheinander, einzeln und Woche für Woche gezeigt, sodass wir immer nur einen kleinen Happen bekommen und lange mitfiebern können. Doch Netflix und Co. sei Dank steht uns heute ein breites Serienspektrum sofort und jederzeit zur Verfügung. Und gibt es von einer Serie dann schon mehrere Staffeln oder ist sie gar abgeschlossen, dann lauert die Gefahr, dass wir sie uns gleich an einem Stück anschauen, quasi um die Ecke. Es ist wie mit einer Tafel Schokolade: Warum schon nach einem Stück aufhören?

Binge-Watching

Binge-Watching: Der unbeabsichtigte Serienmarathon

Warum verfallen wir dem Binge-Watching?

Binge-Watching ist etwas anderes als ein bewusst geplanter Serienabend. Der Unterschied liegt im Bewusstsein, in der Kontrolle über das, was geschieht. Beim Binge-Watching starten wir den Laptop nämlich ganz unschuldig mit der Absicht, nur eine Folge anzuschauen. Doch am Ende der Folge können wir dank eines spannenden Cliffhangers oder sogar ganz grundlos gar nicht anders, als eine weitere zu starten. Und dann gleich noch eine und noch eine und noch eine…

Tatsächlich hat Binge-Watching etwas mit einem Automatismus zu tun, der unbewusst losgetreten wird. Das bestätigt eine Netflix eine weitere Folge nach ein paar Sekunden automatisch startet, scheint das Binge-Watching-Verhalten übrigens geradezu zu unterstützen.

Darum sollten wir ständiges Binge-Watching stoppen

Binge-Watching Fernbedienung

Öfter mal abschalten lautet die Devise

Sitzt man nun also völlig automatisch und willenlos, wie ein Zombie gesteuert von einem inneren Automatismus, vor dem Laptop oder Fernseher? Nicht ganz. Wie ebenfalls in der oben genannten Studie weiter erörtert wurde, können wir uns dem Serienmarathon sehr wohl entziehen – jedoch nur dann, wenn etwas Wichtiges ansteht. Wenn wir eine andere Aufgabe zu erledigen haben, die dringend ist, dann schaltet sich unser Geist wieder ein und wir fangen gar nicht erst an, eine Serie zu gucken. Doch selbst dann, wenn wir gerade nicht etwas anderes machen müssen, sollten wir dem Binge-Watching nicht in aller Regelmäßigkeit verfallen.

Warum? Weil uns durch ständige Serienmarathons zum Beispiel unendlich viel Zeit flöten geht. Die Stunden, die wir regungslos auf den Bildschirm starren, könnten wir auch für sinnvollere Dinge nutzen. Zudem kapseln wir uns mit Binge-Watching von unserem sozialen Umfeld ab, was auf Dauer auch keine so gute Idee ist. Und schließlich wird sich auch unser Körper durch die dauerhafte Bewegungsarmut irgendwann rächen. Außerdem: Ist es nicht viel schöner, wenn man länger als ein Wochenende etwas von einer spannenden Serie hat?

Wie also vom exzessiven Serien-Konsum loskommen? Zum Beispiel so:

  • Wecker stellen: Bevor man in eine Art komatösen Zustand verfällt, aus dem man erst Stunden später erwacht, sollte man sein Binge-Watching einfach mit einem Wecker beenden. Durch das laute Klingeln wird das Gehirn praktisch wieder eingeschaltet. So ist ein zeitlicher Rahmen für das Seriengucken auch gut festgelegt.
  • Stop-Funktion verwenden: Bei Netflix kann man beispielsweise das automatische Starten der nächsten Folge in den Einstellungen deaktivieren. Auch bei Amazon Video gibt es diese Funktion. Und diese sollte man dringend nutzen, denn wenn ein manueller Zwischenschritt nötig ist, um eine weiter Folge zu starten, verfallen wir schon wesentlich weniger schnell in eine Binge-Watching-Starre.
  • Die nächste Folge erarbeiten: Bevor eine weitere Folge der Lieblingsserie gestartet wird, kann man zum Beispiel den Abwasch erledigen oder einkaufen gehen. So vermittelt man seinem Gehirn, dass es die Serie nur gegen Leistung als Belohnung gibt.

In Maßen statt in Massen

Wir geben zu: Manchmal will man trotz allem mal so richtig faul auf der Couch liegen und sich dem automatischen Binge-Watching voll und ganz hingeben. Und das ist auch in Ordnung, denn wie bei so vielem im Leben gilt auch hier: In Maßen statt in Massen. Wer sich also an einem freien Sonntagnachmittag auf dem Sofa einrollen und Serien bis zum Abwinken schauen will, der sollte das auch tun. Schließlich kann man so besonders gut abschalten und den Alltag mal vergessen. So lange man zurück in die Realität findet und das Ausmaß des Binge-Watchings überschaubar bleibt, ist dagegen nichts einzuwenden.

Bildquelle: iStock/KatarzynaBialasiewicz, iStock/Gianluca Rasile

Kommentare