Nach Harry Potter

Robert Galbraith: Der Seidenspinner

Katharina Meyeram 04.12.2014 um 17:46 Uhr

Als im April 2013 das Buch „Der Ruf des Kuckucks“ vom bis dato unbekannten Autoren Robert Galbraith herauskam, ahnte niemand, dass sich hinter dem Pseudonym „Harry Potter“-Schöpferin J. K. Rowling verbirgt. Schon vorher wurde der Krimi um den Privatdetektiv und Kriegsveteranen Cormoran Strike von Kritikern hochgelobt, doch als bekannt wurde, dass es sich bei Robert Galbraith um die beliebte Schriftstellerin handelt, stellte sich schnell auch ein kommerzieller Erfolg ein. Nun hat die Autorin der wohl erfolgreichsten Jugendbuchreihe weltweit bereits ihren zweiten Krimi um den Ermittler mit dem ungewöhnlichen Namen geschrieben – und das Pseudonym beibehalten.

Robert Galbraith schreibt wieder über Cormoran Strike.

Der zweite Fall!

„Der Seidenspinner“ lautet der Titel des neuesten Werks von Robert Galbraith. Dass es sich dabei eigentlich um die Autorin J. K. Rowling handelt, ist längst kein Geheimnis mehr. Bereits im Juni 2013 wurde bekannt, dass die „Harry Potter“-Schöpferin den Roman um den Privatdetektiv Cormoran Strike und seine Assistentin Robin Ellacott geschrieben hatte, nachdem diese als vertraulich gedachte Information von der Freundin der Frau eines der Anwälte von Rowlings Verlag an die „Sunday Times“ weitergegeben wurde. Dennoch behält die erfolgreiche Schriftstellerin ihr Pseudonym bei, das sie nach eigenen Angaben gewählt hatte, um ein Buch abseits von „Hype und Erwartungen“ herauszubringen. So lässt sich auf dem Cover und Buchrücken von „Der Seidenspinner“ auch mit keinem Wort erahnen, dass die erfolgreiche Autorin hinter dem Namen Robert Galbraith steckt. Schon die Geschichte um die wahre Autorenschaft des Vorgängers „Der Ruf des Kuckucks“ lässt vermuten, dass es in der Verlagswelt einige Geheimnisse und Verwicklungen gibt. Daher ist es fast schon erheiternd, dass Rowling als Robert Galbraith ihren ungewöhnlichen Ermittler diesmal in der Londoner Schriftstellerszene herumschnüffeln lässt.

Robert Galbraith: Vermisstenfall in der Londoner Verlagswelt

In „Der Seidenspinner“ geht es wie schon im ersten Roman von J. K. Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith um Cormoran Strike, einen ehemaligen Soldaten, der eine – zumindest nach dem erfolgreich gelösten Fall des ersten Buchs – gut laufende Privatdetektei in London betreibt. Eines Tages wird Strike von der verzweifelten Schriftstellergattin Leonora Quine beauftragt, ihren vermissten Mann Owen aufzuspüren. Da der exzentrische Autor in der Vergangenheit bereits mehrere Male für eine Weile Reißaus genommen hatte, um durch einen medienwirksamen Vermisstenfall den Verkauf seiner Bücher anzuregen – oder sich einfach für ein paar Tage mit seiner Geliebten zu vergnügen –, möchte die gehörnte Ehefrau nicht die Polizei einschalten. Für den wortkargen Ermittler kommt der Fall nach einer ganzen Welle unsympathischer, reicher und scheidungswilliger Auftraggeber gerade Recht und er macht sich bald daran, dem Verschwinden von Owen Quine auf den Grund zu gehen. Dabei taucht der Detektiv in die Londoner Buchszene ein und entdeckt, dass der Fall komplizierter ist, als er auf den ersten Blick erscheint. Robert Galbraith spannt ein ganzes Netz aus Verdächtigen, da der vermisste und schlussendlich tot aufgefundene Quine vor seinem Ableben ein höchst umstrittenes Manuskript auf die Literatenwelt losließ. Darin kommen gleich mehrere seiner Kollegen vor, die in einem nicht wirklich guten Licht dargestellt werden und alles andere als begeistert wären, wenn das Buch „Bombyx Mori“ (lateinisch für „der Seidenspinner“) herauskommen würde – und daher auch allen Grund hatten, dem verstorbenen Schriftsteller nach dem Leben zu trachten.

JK Rowling bei einer Gala

J. K. Rowling ist Robert Galbraith

Robert Galbraith prägt ein neues Ermittlerduo

Viele berühmte Privatdetektive operieren als Duo und auch Cormoran Strike hat eine starke Assistentin an seiner Seite. Im ersten Roman um den Ermittler mit dem außergewöhnlichen Namen stellt dieser Robin Ellacott als seine Sekretärin an, doch die junge und schöne Frau entpuppt sich schnell als äußerst fähige Assistentin, die viel mehr als nur das Telefon bedienen und Rechnungen schreiben kann. Auch in „Der Seidenspinner“ legt Robert Galbraith wieder ein starkes Augenmerk auf seine Figuren, allen voran den ehemaligen Soldaten, der in Afghanistan ein Bein verloren hat, und seine vom Detektivberuf begeisterte Sekretärin, die eigentlich viel lieber eine gleichwertige Assistentin wäre als nur eine Hilfskraft. Als solche fühlt sie sich aber abgestempelt, nachdem Cormoran ihr den gutgemeinten Vorschlag unterbreitet, noch eine weitere Kraft einzustellen, da die Geschäfte ja gut liefen. Als dann auch noch das von Robin lange geplante Aufeinandertreffen ihres Arbeitgebers und ihres Verlobten Matthew eher verhalten abläuft, kommt es zwischen den Detektivkollegen zum Streit. Robert Galbraith gelingt es, die menschlichen Konflikte und die Entwicklung der Protagonisten in den spannenden Plot einzuweben, ohne sich zu sehr auf das eine oder das andere zu versteifen. „Nach nur zwei Büchern fühlen sich Galbraiths Figuren bereits an wie vertraute und liebgewonnene Freunde“, schreibt „The Boston Globe“ über Strike und Ellacott. Tatsächlich hat man, sogar wenn man nur „Der Seidenspinner“ liest, bereits nach wenigen Kapiteln das Gefühl, hinter die kühle Fassade des großgewachsenen Detektivs und die professionelle Tüchtigkeit seiner Sekretärin gucken zu können.

Robert Galbraith alias J. K. Rowling ist mit „Der Seidenspinner“ ein richtig guter Krimi gelungen

Trotz des schon sehr großen Fokus auf die Figuren, kann auch der Kriminalfall im zweiten Buch von Robert Galbraith, alias J. K. Rowling, überzeugen und fesselt genauso sehr mit den überraschenden Wendungen wie durch die stimmige Atmosphäre eines nasskalten Londons und die mal scharfzüngige, mal zurückhaltende, mal direkte, aber immer coole Erzählweise. Durchzogen mit literarischen Anspielungen wie dem ungewöhnlichen Namen des Ermittlers, Cormoran, den dieser von einem Riesen aus einer alten englischen Erzählung bekommen hat, und den zahlreichen direkten Zitaten am Anfang jedes Kapitels von John Gay über John Webster bis hin zu William Shakespeare, spürt man immer wieder die Verbindung und den tiefen Einblick, den eine J. K. Rowling in die Verlagswelt gewonnen hat, wodurch der grausame Mordfall in „Der Seidenspinner“ von Robert Galbraith absolut authentisch wirkt und der Roman fast schon satirische Züge bekommt.

„Der Seidenspinner“ von Robert Galbraith ist bereits der zweite Krimi, den Joanne K. Rowling unter einem Pseudonym herausgebracht hat. Während sie bei „Der Ruf des Kuckucks“ zumindest eine Weile den anonymen Erfolg genießen konnte, den das Buch bei Kritikern auch ohne ihren berühmten Namen hatte, ist inzwischen allgemein bekannt, dass die „Harry Potter“-Schöpferin hinter Robert Galbraith steckt. Doch gerade mit dem Wissen um die Publikationsgeschichte ihrer eigenen Bücher gewinnt der atmosphärisch gelungene Roman um einen Vermisstenfall in der Literaturszene eine weitere spannende Ebene. Auch das Ermittlerduo Strike und Ellacott wirkt authentisch und wächst dem Leser schnell ans Herz. Auch wenn „Der Seidenspinner“ mit 672 Seiten ein ganz schöner Schinken ist, eignet er sich perfekt für einen (oder mehrere) Krimiabende auf der Couch.

Robert Galbraith: Der Seidenspinner
Blanvalet, gebunden, 672 Seiten, € 19,95

Bildquelle 1: © Blanvalet
Bildquelle 2: Danny E. Martindale/Getty Images

Kommentare


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