sexuelle Belästigung
Nina Rölleram 14.02.2017

Wir schreiben das Jahr 2017 und auch heute noch werden Frauen nach sexuellen Übergriffen danach gefragt, welche Bekleidung sie trugen, als es passierte. Warum das so schlimm ist? Weil es impliziert, dass die Wahl der Kleidung daran schuld sein kann, ob eine Frau vergewaltigt wird oder nicht. Ganz so, als würde eine Frau mit einem aufreizendem Outfit Männer dazu einladen, sexuell übergriffig zu werden. Wir zeigen Dir, wie verschiedene Initiativen dieses hartnäckige Vorurteil bekämpfen, indem sie zeigen, was Frauen tatsächlich bei Vergewaltigungen trugen.

sexuelle Übergriffe

Die Kleidungsstücke, die Frauen bei sexuellen Übergriffen trugen, sind in der Regel unscheinbar.

Na, was hattest Du eigentlich an?

Die amerikanische Kunststudentin Katherine Cambareri hatte die Idee, für ihre Abschlussarbeit einfach nur Kleidungsstücke von Vergewaltigungsopfern zu fotografieren. Die Fotos aus der Reihe „Well, What Were You Wearing?“ wirken auf den ersten Blick harmlos: schlichte T-Shirts, ausgelatschte Chucks, ein kariertes Flanellhemd – allesamt fotografiert vor schwarzem Hintergrund. Dennoch sind Cambareris Fotos brisant: Sie untergraben die Erwartungshaltung des Betrachters, der viel zu oft noch davon ausgeht, dass ausschließlich Frauen in aufreizender Kleidung vergewaltigt werden. Die schlichten Fotos sollen verdeutlichen, dass Opfer von sexuellen Übergriffen keine Mitschuld tragen und wir damit aufhören müssen, das äußere Erscheinungsbild von Vergewaltigungsopfern zu hinterfragen.

Frauen teilen ihre „Vergewaltigungs-Outfits“ auf Twitter

Dass es sich bei der Frage nach den Outfits von vergewaltigten Frauen und Mädchen nicht um einen Einzelfall handelt, verdeutlicht auch eine große Anzahl an Tweets, in denen Opfer sexueller Gewalt ihre Bekleidung zur Tatzeit beschreiben. Aus den Tweets geht hervor, dass keine Bekleidung vor einer Vergewaltigung schützt. So schreibt eine Twitter-Userin: „Arbeitsbekleidung. Kragenbluse, Cardigan, Bleistiftrock mit Strumpfhose, flache Schuhe.“

In einem anderen Tweet heißt es: „Meine Schulbekleidung. Eine Jacke, ein bedrucktes T-shirt, Jeans und Schneestiefel.“

„Ein einteiliger Badeanzug. Ich war 17 und Rettungsschwimmerin. Er war ein Kollege.“

Auch andere Userinnen beschreiben Erlebnisse aus ihrer Teenagerzeit: „Ein Pyjama bei einer Übernachtungsparty in einem Raum voller Mädchen und einer verantwortungslosen Mutter. Ich war 16.“

„Ich trug einen Kapuzenpullover, Baggy-Jeans und eine Kappe mit Beatles-Schriftzug.“

Kampagne in Indien: Bekleidung ist nie eine Aufforderung zu sexueller Gewalt

Sexuelle Übergriffe sind leider ein weltweites Problem. Besonders in Indien werden Belästigungen von Frauen gerne von Männern verharmlost, die freizügig gekleideten Frauen die Schuld geben. Schließlich würden sie Männer mit kurzen Röcken doch geradezu dazu auffordern, sie zu begrapschen. Dass sich aber auch indische Frauen einfach so kleiden möchten, wie sie wollen und nicht, um Männern damit etwas zu signalisieren, zeigt die Kampagne „I Never Ask For It“– in etwa „Ich habe nie darum gebeten“. Genauso wie in Cambareris Fotoserie werden hier unterschiedliche Kleidungsstücke präsentiert, die lediglich eines verdeutlichen: Sexuelle Gewalttaten passieren unabhängig vom gewählten Outfit und wir sollten uns mehr auf die Täter als die Opfer konzentrieren.

Eigentlich ist es ja ein ziemlich gesellschaftliches Armutszeugnis, dass Kampagnen wie diese überhaupt aufdecken müssen, dass Frauen keine Mitschuld an ihren Vergewaltigungen tragen. Solange derartige Vorurteile jedoch bestehen, sind solche Initiativen bitter notwendig. Wie sich Frauen gegen weitere Formen des sogenannten Slut Shamings wehren, zeigen wir Dir hier.

Bildquelle: iStock/deeepblue, pixabay/qiye


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