Beleidigend

Bodyshaming: Zu dick? Zu dünn? Schluss damit!

Susanne Falleram 22.07.2016 um 10:01 Uhr

Wir alle lästern. Dazu gehört leider auch Bodyshaming, was sicher jede von uns schon mal gemacht hat, aber auch selbst darunter leiden musste. Worum es hierbei genau geht und warum wir ganz schnell mit dieser schlechten Angewohnheit aufhören sollten – zu unserem eigenen Wohl und dem anderer – das erfährst Du hier.

Es ist ja irgendwo kein Wunder, dass man sich in seiner eigenen Haut kaum noch wohlfühlt. Was in der Werbung in Magazinen, im Fernsehen oder im Internet weitgehend als Schönheitsideal propagiert wird, schrammt nämlich so dermaßen an der Realität vorbei, dass man sich schon fragt, was damit bezweckt wird. Natürlich sind gertenschlanke, makellose Topmodels toll anzusehen, aber dass dahinter ein Haufen Photoshop, stundenlange, tägliche Workouts und Make-up stecken, fällt gerne mal unter den Tisch. Das Problem sind aber viel weniger die durchtrainierten Damen, die man auf Plakaten und in Anzeigen sieht, sondern vielmehr das, was ihre Omnipräsenz mit uns Frauen macht. Wir verfallen ins Bodyshaming, und das geht wirklich in jede denkbare Richtung.

Bodyshaming

Bin ich hässlich? Oder gar unnormal? Das sind Fragen, die sich leider viele durch ständiges Bodyshaming stellen

Bodyshaming oder: Warum die Körper anderer so interessant sind

Was ist Bodyshaming? Damit ist im Prinzip das Denunzieren und Beleidigen der Körper anderer, aber auch des eigenen gemeint. Vielleicht kommen Dir Sätze wie diese hier bekannt vor:

  • „Hast Du die da drüben gesehen? Wie kann die bei der Figur sowas anziehen?“
  • „Meine Oberschenkel sind so fett, ich werde nie Shorts anziehen können.“
  • „Topmodels sind einfach so schön. Warum habe ich nur Rettungsringe und hängende Oberarme? Ich wäre so gern wie sie.“
  • „Mit dem XL-Ausschnitt bekommst Du dank Deinem Mega-Busen nie einen Typ ab, zumindest nicht für etwas Ernstes.“

Hast Du Dich gerade ein bisschen ertappt gefühlt? Dann weißt Du jetzt zumindest ganz bewusst, wie sich Bodyshaming anhören kann. Und dass es nicht selten, sondern alltäglich ist. Im Café, im Supermarkt, am See, einfach überall wird ge-bodyshamed, was das Zeug hält. Man vergleicht sich mit anderen und macht dabei entweder sie oder sich selbst schlecht.

Warum? Entweder, um das eigene Ego durch das offensive, lautstarke (wir sagen nur Mobbing oder Bossing) oder hinter vorgehaltener Hand tuschelnde Degradieren anderer zu pushen. Wenn man sich selbst und seine Figur kritisiert, könnte man auf aufbauende Worte anderer hoffen („Das stimmt doch gar nicht, Du siehst so toll aus!“), „Fishing for Compliments“ nennt sich das. Oder man ist mit sich selbst einfach so unzufrieden, dass man den Selbsthass und die Unzufriedenheit nur immer wieder verdeutlichen will, indem man seinen Körper mit Schönheitsidealen vergleicht, die für die Wenigsten überhaupt erreichbar sind.

Body Shaming

Groß, klein, dünn, mollig: Bodyshaming betrifft jeden

Echte Frauen haben Kurven? Was sind dann dünne Frauen?

Gegen die Diskriminierung bestimmt Körperformen wird ja bereits fleißig vorgegangen. Plus-Size-Models sind auf dem Vormarsch. Um die in der Mode gängige Definition von Plus Size ab Größe 38 wird hitzig diskutiert. Auf Modemessen gibt es eigene Plus-Size-Abteilungen. Kurzum: Echte Frauen haben Kurven, Kleidergrößen ab 38 und weit darüber sind viel normaler als Size Zero! Doch halt, stop, Moment mal: Was heißt hier normal? Wer definiert überhaupt, was normal ist? Und sind Frauen mit Größe S oder XS deshalb abnormal und für ihren Körper zu verurteilen? Natürlich nicht! Doch wer schlank ist, auch von Natur aus, dem kommen Bodyshaming-Sätze sicher ebenfalls bekannt vor: „Du bist so spindeldürr.“, „Bist du magersüchtig?“, „Iss doch mal was!“, „Du siehst ungesund aus“. Das ist nur eine kleine Auswahl an Sätzen, die sich sehr schlanke Frauen anhören dürfen. Skinny-Shaming ist nämlich mindestens genauso furchtbar wie Fat-Shaming.

Das Problem von Body-Shaming (das alle diese Formen von Shaming beinhaltet) ist, kurz gesagt: Jeder ist betroffen. Selbst Supermodels dürfen sich wohl hier und da anhören, dass sie zu mager sind. Nehmen sie dann nur ein Kilo zu, wird ihnen gesagt, dass sie mal besser mehr auf ihre Figur achten sollten. Es ist zum Verrücktwerden. Ständige Selbstzweifel nagen irgendwann an jeder Frau, egal, welche Figur sie hat. Und wir sind auch noch allesamt selbst Schuld daran.

Bodyshaming stoppen

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Ganz einfach: Wir alle.

Warum wir mit Bodyshaming dringend aufhören sollten

Bodyshaming macht krank, sowohl Täter als auch Opfer. Glücks- oder Erhabenheitsgefühle, die aus einer solchen Shaming-Attacke gegenüber anderern resultieren, halten nur kurz. Und mal ehrlich: Sollte man sich wirklich auf Kosten anderer besser fühlen? Echte Frauen sind wir alle, fernab von Idealen. Wir sollten aufhören, uns gegenseitig und uns selber fertig zu machen. Jeder Körper hat eine individuelle Schönheit und wir sollten stolz auf das sein, was er tagtäglich für uns leistet. Wer lernt, sich selbst nicht nur zu akzeptieren, sondern zu lieben und mit sich selbst im Reinen zu sein, der wird irgendwann ganz von alleine erkennen, wie unnötig, frustrierend und traurig Bodyshaming ist. Und hoffentlich damit aufhören.

Bildquellen: iStock/razyph, iStock/gpointstudio

Kommentare


Mehr zu Bewusst leben