Bin ich hässlich?

Dysmorphophobie: Angst vor der Hässlichkeit

Jessica Tomalaam 03.08.2016 um 16:17 Uhr

Jeder von uns hat mal einen schlechten Tag und ist mit seinem Aussehen vielleicht mal nicht so zufrieden. Aber stell Dir vor, Du hättest ständig Angst davor hässlich zu sein – jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. In Deutschland sind bis zu einer Million Menschen von diesem Phänomen betroffen, das sich körperdysmorphe Störung (KDS) oder auch Dysmorphophobie nennt und sich nur mit einer Frage beschäftigt: Bin ich hässlich?

Die rätselhafte Störung Dysmorphophobie ist noch weitgehend unbekannt, obwohl vor allem viele Jugendliche davon betroffen sind. Seine kleinen Schönheitsmakel sollte man eigentlich akzeptieren und damit leben können. Jemand, der unter Dysmorphophobie leidet, kann das aber nicht, weil der tägliche Blick in den Spiegel zur Qual wird. Es gibt Körperstellen, die wir an uns vielleicht nicht so schön finden, die eine hätte gerne einen flacheren Bauch, die andere dünnere Oberschenkel, die andere findet vielleicht ihre Nase zu krumm oder ihre Augen zu klein. Männer und Frauen, die an Dysmorphophobie leiden, steigern sich jedoch so sehr in ihre „Problemstellen“ rein, dass sie tatsächlich Angst davor haben, hässlich zu sein.

Dysmorphophobie

Jeder von uns hat mal gute und mal schlechte Tage. Aber lieben sollten wir uns eigentlich so, wie wir sind.

Die Gedanken kreisen ständig um die Problemzonen

Bei vielen Betroffenen beginnt Dysmorphophobie in der Pubertät. Eine Zeit, in der ja sowieso die ganze Welt und auch der eigene Körper auf dem Kopf steht. Vielleicht macht mal jemand eine Bemerkung über eine Körperstelle. Das brennt sich dann fest, lässt die Betroffenen nicht mehr los. Zu Hause steht man dann vor dem Spiegel: Schaut sich einige Minuten an und findet sich einfach nur hässlich. Bei manchen sind dann einige Stunden am Tag, in denen ihre Gedanken ständig um die vermeintlichen Problemzonen kreisen. Die Körperstellen, die der Betroffene selbst als schlimm empfindet, müssen dabei noch nicht mal hässlich sein. Man kann sich da reinsteigern und auch jede Bemerkung, die im Bezug auf den Körper gemacht wird, auf die Frage nach der eigenen Hässlichkeit beziehen. Auch die Umwelt reagiert irgendwann genervt auf die ständige Suche nach eigener Bestätigung. Aus der Frage „Bin ich hässlich?“ an uns selbst, wird dann die Frage „Bin ich schön?“ an andere. Den Ursprung sehen Forscher in der Kindheit. Wer zum Beispiel aus einem überbehüteten Elternhaus kommt oder aber schon sehr früh Kritik ausgesetzt war, hat oft nur wenig Selbstbewusstsein und kann mit seinen inneren Konflikten nur schwer umgehen.

Dysmorphophobie kann das Leben stark einschränken

Bin ich hässlich

Für Betroffene wird der ständige Blick in den Spiegel zu einer zwanghaften Verhaltensstörung.

Die Mehrheit hat ein verzerrtes Selbstbild von ihrem Körper und sieht tatsächlich etwas anderes als ein Mensch, der nicht an Dysmorphophobie erkrankt ist. Die Betroffenen empfinden sich auch selbst nicht als krank, sondern sind fest davon überzeugt, dass ein körperlicher Makel besteht. In den schlimmsten Fällen zwingt einige dieser vermeintliche Makel sogar zu einem Schönheitschirurgen, ruft Bulimie oder Mager- oder Sportsucht hervor. In vielen Fällen geht Dysmorphophobie auch mit einer Essstörung einher. Doch selbst wenn der Makel behoben wird, verändert sich nichts an der Situation der Betroffenen. Die Gedanken kreisen aufgrund des verzerrten Körperbildes trotzdem nur um den vermeintlich fehlerhaften Körper. Fürchterlich, oder? Dysmorphophobie kann das eigene Leben enorm einschränken und beeinflussen. In manchen Fällen verkriechen sich die Menschen, gehen sogar Freunden aus dem Weg, aus Sorge davor, jemand könnte ihren Makel entdecken. Man entwickelt zwanghafte Verhaltensweisen: Ständig muss das Aussehen überprüft werden, ob vor dem Spiegel oder mit dem Handy. Der vermeintliche Makel wird fotografiert oder immer wieder abgetastet. Die eigene Versicherung dafür, dass er immer noch da ist. Und dann beginnt das Gedankenkarussell von vorne.

Behandlungsmöglichkeiten in der Therapie

Wenn Du das Gefühl hast, vielleicht an Dysmorphophobie zu leiden, solltest Du Dich unbedingt an Deinen Hausarzt wenden. Zwar gibt es nur wenige Selbsthilfegruppen, aber die Störung kann man therapieren. Dabei werden soziale Kompetenzen und auch der Umgang mit Emotionen neu erlernt. Man soll den Makel nicht immer nur kaschieren und verstecken wollen, sondern zum Beispiel durch Feedback anderer Menschen erkennen, dass es gar keinen Makel gib oder man trotzdem damit leben kann. In schweren Fällen wird manchmal sogar mit Antidepressiva gearbeitet, die den Betroffenen einen Ausweg aus dem nicht enden wollenden Gedankenkreis bieten sollen.

Erste Hilfe findest Du hier oder auch in dem Buch „Keine Angst vorm Spiegel“, das Du zum Beispiel bei Amazon bestellen kannst

Bildquelle: iStock/Stefano Tinti, iStock/VladimirFLoyd

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