Paradoxon

Gelüftet: Die Lebenserwartung der Männer

Katharina Lübkeam 28.07.2016 um 15:56 Uhr

Männer fühlen sich durchweg gesünder. Kein Wunder, sie gelten als das aktivere, agilere und stärkere Geschlecht. Trotzdem sterben sie früher. Derzeit beträgt die Lebenserwartung der Männer hierzulande 78,4 Jahre, die der Frauen aber fünf Jahre mehr, nämlich 83,4 Jahre. Warum also leben wir trotz schlechterer Gesundheit länger? Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Demografische Forschung (MPIDR) erklärt die paradoxen Geschlechterunterschiede.

Männer beurteilen ihre Gesundheit und ihre Leistungsfähigkeit durchweg besser als Frauen, haben aber eine niedrigere Lebenserwartung – besonders in Russland, wo Männer im Schnitt elf Jahre vor den Frauen sterben. Um herauszufinden, warum das so ist, haben MPIDR-Forscher und Kollegen vom Rostocker MPIDR Gesundheitsdaten von 961 Frauen im Durchschnittsalter von rund 68 Jahren und von 839 Männern im Durchschnittsalter von 69 Jahren ausgewertet.

Lebenserwartung Männer

Die Lebenserwartung der Männer ist geringer als die der Frauen, trotzdem fühlen sie sich gesünder. Wie passt das zusammen?

Die Probanden bewerteten ihre Leistungsfähigkeit, etwa indem sie angaben, wie stark sie bei unterschiedlich anspruchsvollen Tätigkeiten wie Baden, Ankleiden oder Rennen beeinträchtigt sind. Männer schnitten dabei deutlich besser ab: Sie halten sich für leistungsfähiger und gesünder.

Die Schwächen der Frauen und der Männer

Neben den Interviews wurden aber auch Parameter zu Stoffwechsel, Herz-Kreislauf, Blutfett und Entzündungswerten gemessen, die Probanden wurden gewogen und gescannt. Hier zeigte sich nun, dass Männer nicht unbedingt gesünder sind als Frauen, sondern einfach andere gesundheitliche Stärken und Schwächen haben: Frauen leiden eher am Bauch, die Männer eher am Herzen.

Bei Blutdruck, Blutfett und Entzündungswerten stellten die Forscher keine eindeutige Tendenz beziehungsweise überhaupt keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern fest. Sehr klare Unterschiede jedoch gab es bei Körpergewicht und -umfang sowie bei den Herzkrankheiten.

Spezifische Geschlechtertendenzen

Lebenserwartung Männer

Frauen leiden eher am Bauch, Männer eher am Herzen.

Fast 60 Prozent der Frauen haben einen zu großen Hüftumfang, bei den Männern ist nur jeder Dritte betroffen. Zudem waren die Frauen fettleibiger als die Männer und hatten ein höheres Gesamtcholesterin. Die Männer wiederum wiesen Herzanomalitäten wie Vorhofflimmern oder Gewebevergrößerungen weitaus häufiger auf als die Frauen.

Im weiteren Verlauf der Untersuchung stellte sich heraus, dass die Frauen, die fettleibig waren, die eigene Gesundheit und die körperliche Leistungsfähigkeit als gering einschätzten, die normal gewichtigen Frauen aber schätzten sich tendenziell eher gut ein.

Bei den Männern allerdings zeigte sich besonders der Zusammenhang zwischen einer auffälligen, sogenannten Q-Zacke im EKG, die zum Beispiel auf einen alten Herzinfarkt hindeuten kann, und der körperlichen Leistungsfähigkeit. Männer, die eine abnorme Q-Zacke aufwiesen, fühlten sich besonders beeinträchtigt, dreimal so häufig, wie bei den übrigen Männern. Bei den Frauen mit gleicher Diagnose aber gab es aber keinen Zusammenhang zur körperlichen Leistungsfähigkeit.

Die Autoren der Studie sehen darin eine mögliche Erklärung für die unterschiedlich gute Bewertung der eigenen Gesundheit bei Männern und Frauen. Denn ein zu hohes Gewicht schränkt zwar ein und kann zu vielen gesundheitlichen Nachteilen und jahrelangem Leiden führen, ist aber nicht unmittelbar lebensbedrohlich, hat also nicht unbedingt Auwirkungen auf die Lebenserwartung der Betroffenen. Die Männer hingegen können sich viele Jahre lang fit und gesund fühlen, aber an einem plötzlichen Herzinfarkt sterben. Heißt: Männer fühlen sich zwar gesünder, sind es aber nicht unbedingt.

Wer mehr verdient, lebt länger

Lebenserwartung Männer

Auch Geld hat einen Einfluss auf die Lebenserwartung der Männer

Übrigens wirken sich auch die Höhe des Einkommens, die Bildung und der Beruf auf die Lebenserwartung der Männer als auch der Frauen aus. Besonders die Berufsgruppen machen einen Unterschied: So wird ein Bergarbeiter im Schnitt 66 Jahre alt, Lehrer, Dozenten und Sozialarbeiter aber 80. Bei uns Frauen sind die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen geringer: Während ungelernte Arbeiterinnen rund 80 Jahre alt werden, leben Beamtinnen im Schnitt knapp sieben Jahre länger.

Studierte Männer können im Alter von 40 Jahren noch mit im Schnitt 38 kommenden Jahren rechnen. Haben Sie aber nur einen Realschulabschluss, verbleiben nur 32 Jahre. Abitur oder Ausbildung bringen immerhin noch zwei weitere Jahre. Bei Frauen sind die Unterschiede geringer: Akademikerinnen können mit zusätzlichen zwei Lebensjahren rechnen. Was das Geld angeht, beträgt der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Einkommen bei Frauen gut vier Jahre, bei den Männern sogar fünfeinhalb.

Video: Armut und Gesundheit

Bildquelle: iStock/UberImages, iStock/bennyartist, iStock/BernardaSv

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