Auf ans Steuer

So überwindest Du Deine Angst vorm Autofahren

Jessica Tomalaam 18.08.2016 um 11:51 Uhr

Klitschnasse Hände, Schweißausbrüche am Steuer, das Herz schlägt bis zum Hals, die Panik steht Dir ins Gesicht geschrieben: Menschen, die ohne Probleme in ein Auto steigen, können sich nicht vorstellen, was Leute durchmachen, die Angst vorm Autofahren haben. Statistisch gesehen sind es überwiegend Frauen, die von Amoxophobie (Fahrangst) betroffen sind. Viele Menschen nehmen große Hürden auf sich, um eine Fahrt mit dem Auto zu umgehen, obwohl sie oft sogar einen Führerschein haben. Dabei kann man lernen, die Angst vorm Autofahren mit einigen Tipps und Übungen zu überwinden. Wir sagen Dir, was Du gegen Deine Fahrangst unternehmen kannst.

Gerade in der Großstadt wird es manchmal ziemlich eng. Auch im Auto. Wer zum Beispiel schon mal in Berlin Auto gefahren ist, der weiß, dass das kein Zuckerschlecken ist. Viele Autofahrer haben einen wahnsinnig aggressiven Fahrstil. Jeder muss sich mit seinem dicken Mercedes oder BMW irgendwo durchschlängeln, selbst wenn die Lücke zu den anderen Autos noch so klein ist. Denn Zeitdruck haben alle. Dazu kommen die Massen an Fahrradfahrern und Fußgängern, auf die man ebenfalls achtgeben muss, die aber nicht weniger rücksichtslos unterwegs sind. Da kann man schon mal in Panik geraten. Muss man aber nicht, denn mit ein paar Tipps kannst Du Dir die Angst vorm Autofahren abgewöhnen.

Frau hat Angst im Auto

Die Angst vorm Autofahren kannst Du mit ein paar Tipps und etwas Übung überwinden.

Angst vor dem Stadtverkehr

Enge Parklücken, mehrspurige Kreisverkehre, viel Verkehr – das Autofahren in der Stadt kann wirklich sehr anstrengend sein. Um Dich sicher durch den Großstadtdschungel zu manövrieren, bleibt Dir leider nur eines übrig: Übung! Je länger Du Deine Fahrt vor Dir herschiebst, desto größer wird Deine Angst. Also: Schnapp Dir eine Person, der Du vertraust, die bereits viel Erfahrung beim Autofahren hat und von der Du weißt, dass sie neben Dir nicht gleich ausrastet, wenn Du mal einen Fehler machst. Meist ist es gerade am Anfang besser, noch jemanden neben sich zu haben, der in einer Notsituation eingreifen kann. Wenn Du schon eine ganze Weile kein Auto mehr gefahren bist, suchst Du Dir am besten eine 30er-Zone, in der Du Deine ersten Fahrversuche startest. Gut geeignet für die erste Fahrpraxis sind auf jeden Fall verkehrsruhige Tage, zum Beispiel ein Sonntagvormittag. Wenn Du die Basics wiederholt hast (Anfahren, Bremsen, Einparken) kannst Du Dich ruhig auch auf eine befahrene Straße wagen. Inzwischen gibt es auch überall Verkehrsübungsplätze, auf denen Du Deine Fahrkenntnisse für wenig Geld nochmal auffrischen kannst.

Angst vorm Autofahren

Gerade das Autofahren in Großstädten kann viele Nerven kosten.

Die Autobahn: Hilfe, die fahren alle so schnell!

Eigentlich gehört Fahren auf der Autobahn zu den leichtesten Disziplinen: Es gibt keine Ampeln, keine Fußgänger, abbiegen muss man auch nicht und die Spur musst Du auch nicht allzu häufig wechseln, wenn Du es nicht gerade sehr eilig hast. Das einzige Problem: die Geschwindigkeit. Nicht nur, dass man selbst schon ein hohes Tempo drauf hat: Viel schlimmer sind die Raser, die mit Lichthupe hinter Dir fahren und ständig die Spur wechseln. Da gilt jedoch die Devise: Ruhe bewahren. Wir haben in Deutschland ein Rechtsfahrgebot. Das heißt, Du kannst ruhig die rechte Spur benutzen und Dich dort bis auf Autobahnauf- und -abfahrten eigentlich relativ sicher fühlen. Fies sind auch die LKWs, die manchmal plötzlich vor Dir ausscheren und (natürlich immer bergauf!) den LKW vor sich überholen wollen.

Auf der Autobahn solltest Du versuchen, ruhig zu bleiben und Dich auch von Dränglern nicht nerven lassen. Empfehlenswert sind auch hier ein paar Übungsstunden, wenn es nicht so voll ist. Von einer ersten Fahrstunde am Freitagabend, mitten im Feierabend- und Wochenendverkehr, solltest Du also absehen. Auch hier empfiehlt es sich, einen ruhigen Beifahrer mit ins Auto zu nehmen, der Dir Mut zuspricht und Dir etwas die Angst nehmen kann. (Meine Mutter wäre da schon mal raus. Sie hat sich nach meiner ersten Fahrt nach meiner Führerscheinprüfung am Seitengriff der Innentür festgekrallt und jedes Mal fleißig mit den Füßen mitgebremst, während nonstop meine angebliche Schnelligkeit bemängelt wurde: „Laaaangsam! Wir sind ja nicht auf der Rennstrecke!“)

Angst vorm Autofahren: Das Einpark-Manöver

Kommen wir zur Königsdisziplin: das Einparken. Leider vor allem für viele Frauen ein echtes rotes Tuch. Verstehe ich nicht, aber ich gehöre auch zu denjenigen, die Park-Manöver ohne Probleme meistern. Ob Rückwarts oder Vorwärts – ich komm da rein und was nicht passt, wird eben passend gemacht, oder wie war das? Leider gehört Parken nun mal zum Autofahren dazu und in einigen Ecken sind Parkplätze echte Mangelware, da kann man nicht so wählerisch sein. Hier noch mal die Basics fürs Einparken: Ja, auch wenn ein Auto hinter Dir steht – lass Dich davon nicht beirren. Dann muss der Gute zwei Minuten warten. Wichtig ist, dass Du ungefähr abschätzen kannst, dass Du auch wirklich mit Deinem Auto in diese Parklücke passt. Mit einem großen Audi wirst Du nun mal nicht in eine Lücke fahren können, die vielleicht höchstens für einen Smart gedacht ist. Klar, oder?

Da diese Frage immer wieder in zahlreichen Einpark-Videos auftaucht, ist es auch wichtig zu wissen, in welche Richtung man das Lenkrad dreht, damit die Räder richtig einschlagen und man auch wirklich in die Parklücke kommt, die man ursprünglich angepeilt hat. Einparken kann man erlernen. Such Dir dafür eine ruhige Seitenstraße mit großen Parklücken und übe das Einparken zusammen mit einer Freundin oder Deinem Freund (obwohl daran auch schon Beziehungen zerbrochen sind). Bleib ganz ruhig und denk an das, was Du in der Fahrschule gelernt hast. Und wenn alle Stricke reißen, gibt es ja inzwischen Autos mit Einparkhilfe, die Dich vor einem Fiasko wie diesem retten können:

Alternative Bewältigungsmöglichkeiten von Fahrangst

Manchmal soll es einfach nicht sein und man kriegt seine Fahrangst alleine nicht in den Griff. Das ist nicht schlimm, denn es gibt Möglichkeiten, sich von außen helfen zu lassen. In richtigen argen Fällen kannst Du zum Psychologen gehen, zum Beispiel, wenn Du einen Autounfall hattest und seitdem Angst hast, ins Auto zu steigen. Ansonsten gibt es auch Fahrschulen, die sich auf Fahrangst spezialisiert haben und auch Leuten, die eigentlich schon ihren Führerschein haben, Fahrstunden anbieten, bei denen explizit auf die Sachen geachtet werden, vor denen Du beim Fahren Angst hast. Dafür musst Du dann zwar noch etwas Geld investieren, aber es wird sich am Ende lohnen.

Interessant sind in diesen Fällen auch Fahrsicherheitstrainings, die zum Beispiel vom ADAC oder vom TÜV angeboten werden. Da gibt es Trainings für Senioren oder Frauen, für Jugendliche und Anfänger oder für diejenigen, die Angst haben, bei Schnee im Winter zu fahren (aber wann haben wir schon mal Schnee?!). Wer sich schon immer mal wie Vin Diesel in Fast and the Furious fühlen wollte, kann außerdem auch Drift-Trainings buchen. (Das ist eigentlich ein ziemlich cooles Geburtstagsgeschenk, oder?)

Bildquelle: iStock/Martinan, iStock/LucVi

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