Schlecht reden

Hochstapler-Syndrom: Eigene Erfolge vermiesen

Susanne Falleram 04.10.2016 um 14:02 Uhr

Stell Dir vor, Du erzielst in Deinem Job oder bei Deinem Hobby einen großen Erfolg: Wie gehst Du damit um? Wenn Du dazu neigst, Deine eigenen Erfolge ständig mies zu reden, dann könntest Du am Hochstapler-Syndrom leiden. Was es damit genau auf sich hat und wie Du die schlechte Angewohnheit wieder los wirst, das erfährst Du hier.

Mit dem Hochstapler-Syndrom ist keineswegs die Angewohnheit gemeint, sich selbst besser darzustellen, als man eigentlich ist. Ganz im Gegenteil: Hier geht es um eine Art Minderwertigkeitskomplex, den gerade Frauen immer wieder offenbaren. Und unter dem tatsächlich mehr leiden, als einem vielleicht bewusst ist! Bist Du vielleicht auch betroffen?

Hochstapler Syndrom

So viel Erfolg, so wenig Anerkennung von Dir selbst. Leidest Du am Hochstapler-Syndrom?

Was ist das Hochstapler-Syndrom?

Unter dem Hochstapler-Syndrom, auch Impostor-Syndrom oder Impostor-Phänomen genannt, versteht man eine ganz bestimmte Verhaltensweise bei persönlichen Erfolgssituationen. Anstatt, dass man sich über seine Erfolge freut und Lob als Selbstbestätigung freudig entgegennimmt, fängt man fast schon reflexartig an, sich selbst und das Getane fertig zu machen. Nagende Selbstzweifel bestimmen beim Hochstapler-Syndrom nämlich das Denken. Auf eigene Faust erreichte Erfolge werden als nichtig abgetan und man fühlt sich tatsächlich als Hochstapler oder Lügner, der sich Ruhm und Lob erschlichen hat. Selbst, wenn das ganz offensichtlich nicht der Fall ist. Im Endeffekt handelt es sich bei den betroffenen Personen also um Tiefstapler, die Angst haben, dass sie Hochstapler sind.

Die eigene Leistung ist für Menschen, die am Hochstapler-Syndrom leiden, ein einziger Blöff, für den sie kein Lob erwarten dürfen. Sie glauben nämlich, dass sie jene nur durch Glück, Zufall oder die richtigen Beziehungen hinbekommen haben. Der Erfolg wurde also ihrer Annahme nach erschlichen und nicht nur die eigenen Fähigkeiten erzielt, weshalb sie ihn auch selbst nicht würdigen. Vielmehr haben sie Angst, ja sogar Panik, dass man ihrem Schwindel auf die Schliche kommt – obwohl es diesen überhaupt nicht gibt! Und so fangen Leute mit Impostor-Syndrom gleich an, sich selbst fertig zu machen, wenn jemand ihnen Anerkennung für eine gelungene Arbeit oder ähnliches geben will. Das alles wäre ja nichts Großes gewesen und überhaupt hätte man sich noch viel besser anstellen können. Es wird immer etwas gesucht, an dem man herummeckern kann. Das berühmte Haar in der Suppe.

Wie überwinde ich das Hochstapler-Syndrom?

Um etwas gegen seine eigene Neigung zu tun, jede Leistung klein zu reden und Lob mit negativen Kommentaren abzuwerten, muss man sich erst mal bewusst werden, dass es das Hochstapler-Syndrom gibt. Es ist eben keine Eigenheit, sondern ein weit verbreitetes Phänomen, das es bei vielen Personen zu beobachten gibt.

Die Ursache für das Syndrom liegt nicht selten an einem mangelnden Selbstwertgefühl. Das kann zum Beispiel daher rühren, dass man sehr ehrgeizig und perfektionistisch veranlagt ist und einem die eigenen Erfolge nie ausreichen. Man möchte sich immer noch selbst übertrumpfen und ist deshalb oft unzufrieden. Ein weiterer Grund können in diesem Zusammenhang auch negative Kindheitserfahrungen sein. Wenn die Eltern zum Beispiel Lob nur für bestimmte Leistungen verteilt haben, dann kann es sein, dass man sich auch als Erwachsener noch ständig unter Druck setzt, Höchstleistungen erbringen zu müssen, damit man darauf stolz sein kann. Das kann auf Dauer ziemlich frustrieren.

Gegen das Hochstapler-Syndrom helfen einige, einfache Methoden im Alltag:

  • Eine Liste mit Erfolgen aufschreiben und diese so dauerhaft sichtbar machen.
  • Lob dankend annehmen, statt es abzuwehren. Auch, wenn das anfangs noch schwer fallen mag, hilft es auf Dauer, die eigene Leistung selbst anzuerkennen.
  • Die Anforderungen an sich selbst herunterschrauben. So lässt man sich selbst mehr Luft nach oben und setzt sich keine utopischen Ziele.

Wenn gar nichts mehr hilft, kann übrigens auch eine Verhaltenstherapie beim Hochstapler-Syndrom ratsam sein. Mit Hilfe eines Psychologen kann man feste Muster im Denken und Handeln durchbrechen und neu ordnen. Und seine Erfolge hoffentlich bald selbst würdigen.

Bildquelle: iStock/michaeljung, iStock/Jacob Ammentorp Lund

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