Europa entdecken

Kein Problem: Vegan in Italien, Spanien und Co.

Nina Rölleram 13.10.2016 um 17:42 Uhr

Sich vegan zu ernähren ist mittlerweile viel einfacher geworden als noch vor einigen Jahren. So ziemlich jeder Supermarkt führt vegane Produkte und das vegane Restaurantangebot wird stetig erweitert. Besonders, wenn man schon eine Weile vegan lebt, weiß man irgendwann ganz genau, was man so alles essen kann. Ein bisschen tricky wird es aber, wenn es auf Reisen geht. Während „Allesfresser” oder Omnis, wie wir Veganer sagen, sich vor dem Urlaub wohl kaum darüber den Kopf zerbrechen, bereitet die Angst, vor Ort nichts zu essen zu finden vielen Veganern Sorge. In den meisten Fällen ist dies aber gar nicht nötig. Mit ein paar grundlegenden Vokabeln und Neugier habe ich bisher auf all meinen Reisen leckere Entdeckungen gemacht. Bevor ich von meinen Reisen aus Übersee berichte, bleiben wir erst einmal in Europa und ich gebe Dir meine heißesten Tipps, wie man vegan in Italien, Spanien, Griechenland, England, Rumänien und Holland überlebt.

Viele Veganer scheinen vor Reisen derartige Angst zu haben, vor Ort zu verhungern, dass sie sich lieber gleich ein paar Brotaufstriche und etwas Sojamilchpulver einpacken. Die Schlepperei solltest Du Dir aber wirklich sparen. Denn damit hast Du nicht nur mehr Platz im Koffer für Mitbringsel, sondern wirst wirklich etwas verpassen, wenn Du Dich nicht auf landestypische Spezialitäten einlässt. Und die sind wirklich in jedem Land zu finden, wenn man nur seine veganen Äuglein offen hält!

rumänien vegan

Meine erstaunlich große vegane Ausbeute aus einem rumänischen Supermarkt.

Vegan in Italien: Pizza, Gelato und Focaccia

Beginnen wir unseren veganen Europatrip in Italien. Grundlegend ist aus veganer Sicht eher die süditalienische Küche zu empfehlen, weil sich hier eine größere Auswahl an Gemüsegerichten finden lässt. In vielen Restaurants gibt es natürlich eine Auswahl an Pastagerichten. Wenn es sich bei diesen allerdings um hausgemachte Pasta handelt, beinhaltet der Teig in den meisten Fällen leider Eier. Auch im Risotto ist in der Regel Parmesan enthalten, der sich natürlich nicht mehr hinterher entfernen lässt. Allerdings bekommt man in Italien besonders leckere vegane Pizza. Ein Italientrip ohne Pizza wäre ja auch wirklich ein bisschen traurig. In Lecce, ganz unten am Stiefelabsatz, habe ich die leckerste Pizza meines Lebens gegessen. Einfach „senza formaggio” bestellen und den perfekten, dünnen Teig genießen!

Meine veganen Geheimtipps für Italien:

  • Da eine Pizza „senza formaggio” ziemlich trocken geraten kann, solltest Du einen ölhaltigen Belag wählen. Meine vegane Traumpizza war mit gegrilltem und anschließlich mariniertem Gemüse belegt, sodass ihr an nichts gefehlt hat.
  • Frage in Eisdielen nach milchfreiem Eis. Viele Eisdielen bieten Eis für Allergiker an, sodass ich in Italien ebenfalls mein bisher leckerstes veganes Schokoladeneis schlecken konnte.
  • In Norditalien findet man eine große Auswahl an frisch gebackenem Focaccia. Die dicken Teigfladen sind häufig mit veganen Zutaten wie Oliven, getrockneten Tomaten oder Knoblauch belegt.

Vegan in Griechenland: Oliven, Frappe und Spanakópita

vegan in Griechenland

Die Olivenauswahl in Griechenland ist ein Traum.

grichenland vegan

Der griechische Frappe schäumt auch ohne Milch!

Wenn Du an die griechische Küche denkst, dann vermutlich an deftige Fleischgerichte wie Gyros und Moussaka. In griechischen Restaurants hierzulande ist es meist unmöglich, irgendeine vegane Speise zu finden. In Griechenland selbst sieht dies aber ganz und gar nicht so düster aus. In vielen griechischen Städten gibt es wunderschöne Märkte, auf denen man sich mit Unmengen von Oliven und sogar frischen Aufstrichen aus Paprikapaste oder  Auberginen eindecken kann.

Meine veganen Geheimtipps für Griechenland:

  • Spanakópita! Ich will gar nicht wissen, wie viele ich von diesen Dingern verdrückt habe. Spanakópita ähneln dem türkischen Börek, bestehen ebenfalls aus Filoteig und sind in Griechenland auch oft mit purer Spinatfüllung ohne Käse zu finden.
  • Der griechische Frappe sieht auf den ersten Blick aus, als wäre er mit Milch. Die milchige Farbe entsteht aber durch das Aufschäumen mit einem speziellen Frappe-Mixer und der Verwendung von sprühgetrocknetem Instant-Kaffee. Obwohl ich ansonsten eher ein Kaffee-Snob bin, ist dieser griechische Eiskaffee wirklich köstlich und schmeckt mir auch ohne Milch und Zucker.
  • Manchmal sind es die simplen Gerichte, die einem am meisten in Erinnerung bleiben. In Griechenland habe ich mir gerne kräftig aromatisches Olivenöl gekauft und bei einem Picknick mein Brot darin eingetunkt.

Vegan in Spanien: Vegan-Paradies Barcelona

Die traditionelle spanische Küche gibt zugegebenermaßen bis auf einige Tapassorten nicht allzu viel für Veganer her. Ganz anders sieht das aber in Barcelona aus. Ähnlich wie in anderen europäischen Großstädten ist hier eine große vegane Restaurantszene entstanden, sodass man gar nicht weiß, wo man zuerst hingehen soll.

Meine veganen Geheimtipps für Spanien:

  • Horchata de Chufa: Das milchige Getränk aus der Erdmandel ist eine spanische Spezialität und wird mit der interessanten Kombi Zitrone und Zimt gewürzt. Viele Supermärkte haben eine große Auswahl an Horchata de Chufa, manche mit Kuhmilchanteil, viele aber auch ohne.
  • Wenn Du in Barcelona bist und zu einem Burger mit gutem Bier nicht nein sagst, solltest Du mal in der CatBarCAT vorbeischauen. Die zentral gelegene Burger-Bar macht wirklich leckere, kreative Burger und dazu gibt es eine große Auswahl an Ale-Bieren aus kleinen spanischen Brauereien.

Vegan in Rumänien: Riesenauswahl dank pflanzlicher Fastenspeisen

Osteuropa hat den Ruf, selbst für Vegetarier schwierig zu sein. Diese Erfahrung habe ich aber bisher nicht gemacht. Im Gegenteil: In Polen bekommt man in sogenannten Milchbars oft sogar traditionelle vegane, polnische Gerichte für wenig Geld und auch in Prag mangelt es nicht an richtig guten veganen Restaurants. Besonders überrascht war ich von Rumänien. Dort hat man es als Veganer speziell im Osten des Landes wirklich leicht. In Restaurants oder im Supermarkt musst Du nur nach der Bezeichnung “De post” Ausschau halten. Dies bezeichnet vegetarische Gerichte, die in den vielen christlich-orthodoxen Fastenperioden gegessen werden dürfen. In den meisten Fällen sind De-post-Nahrungsmittel gänzlich vegan, lediglich nach Honig musst Du gezielt fragen.

Meine veganen Geheimtipps für Rumänien:

  • Eine so große Auswahl an vegetarischen Aufstrichen und Käsesorten wie in rumänischen Supermärkten habe ich wirklich noch nie gesehen! Da sie außerdem wirklich günstig sind, sollte man sich einen Vorrat mit nach Hause nehmen.
  • Wenn Du nicht so sehr auf veganen Käse- oder Fleischersatz stehst, solltest Du Zacuscă probieren, ein Mus aus Paprika, Auberginen und Tomaten, das sich hervorragend als Brotaufstrich eignet.

Vegan in England: Die weltbesten veganen Brownies!

vegan in London

Die veganen Brownies von Cookies and Scream haben schon Preise gewonnen!

In England, der Geburtsstädte der europäischen Vegetarierbewegung, hat man es als Veganer auch nicht gerade schwer. Besonders London bietet eine beneidenswerte Auswahl an veganen Restaurants.

Meine veganen Geheimtipps für England:

  • Wenn ich an diese Brownies denke, werde ich ganz schwermütig, weil es schon viel zu lange her ist, dass ich sie probieren konnte: Die Brownies der veganen Bäckerei Cookies and Scream in Camden Market haben bereits einen Preis für die besten Brownies von ganz London erhalten und dabei sogar nicht-veganes Gebäck aus dem Rennen gekickt. Kaum zu glauben, dass sie sogar glutenfrei sind! Ich warte sehnlichst darauf, dass Cookies and Scream endlich ein veganes Backbuch herausbringt. In der Zwischenzeit muss ich wohl mal wieder einen Londontrip einplanen.
  • Die einen lieben sie, die anderen können sie nicht ausstehen: Essigchips. Anständig saure Essigchips, die noch dazu keine unveganen Zutaten enthalten, bekommt man am besten hier.

Vegan in Holland: Schuddebuikjes und Hazelnootpasta

Bevor wir gedanklich wieder heimkehren, machen wir noch mal einen Schlenker zu unseren holländischen Nachbarn. Ich stöbere unheimlich gerne in holländischen Supermärkten nach veganen Fundstücken. Vermutlich liegt das auch ein bisschen an den so drollig klingenden Namen wie Hagelslag oder Vlip-Vla.

Meine veganen Geheimtipps für Holland:

  • Veganer, die an der Grenze zu Holland wohnen, schmuggeln sich gerne diesen Stoff über die Grenze: Die Rede ist von Duopasta, dem hell und dunkel gestreiften süßen Brotaufstrich –  was dachtest Du denn? Im Gegensatz zu hiesigen Produkten sind besonders die günstigen Eigenmarkenprodukte frei von Milchpulver.
  • Schuddebuikjes klingen nicht nur ulkig, sondern sind oft auch vegan. Bei diesen handelt es sich um kleine knusprige Kekse, die man sich aus einem Tetrapack aufs Brot streuen kann – ein Geniestreich!

Bildquelle: iStock/LucaLorenzelli, iStock/Aleksandar Milutinovic

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