Dick, dünn...

Wow! Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Susanne Falleram 12.10.2016 um 16:21 Uhr

Schönheit liegt nicht nur im Auge des Betrachters, sondern hat auch viel mit der Zeit zu tun, in der der Betrachter lebt. Begutachtet man Schönheitsideale im Wandel der Zeit, so fällt auf, dass sie nicht unterschiedlicher sein könnten. Was doch irgendwie beweist, dass einfach jeder Körper schön ist. Welchem Epochen-Ideal Du entsprichst? Das kannst Du anhand unserer kleinen Timeline mit den charakteristischen Körperidealen vergangener Jahrhunderte und Jahrzehnte herausfinden!

Mal dick, mal dünn, mal durchtrainiert, mal Sanduhr-förmig, mal ganz ohne Kurven: Praktisch jede weibliche Körperform war im Laufe der Geschichte schon mal angesagt. Ebenso waren die Vorstellungen eines perfekten Frauenkörpers, die es vorher oder nachher gab, in speziellen Epochen absolut verpönt. Schönheitsideale unterliegen einem stetigen, zeitlichen Wandel. Wir nehmen Dich mit auf eine kleine Geschichtsreise in Sachen Beauty und Fitness. Keine Sorge, es wird definitiv nicht so eintönig wie möglicherweise im Geschichtsunterricht. Du kannst nämlich gleich einmal herausfinden, welcher Epoche Du zumindest rein körperlich angehörst.

Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Wie sollte der ideale, weibliche Körper aussehen? Darauf gibt es eine eindeutige Antwort. Diese ist allerdings von Epoche zu Epoche komplett anders.

Schönheitsideale im Wandel der Zeit: Der ideale, weibliche Körper

Von der Antike bis in die Gegenwart: Was wurde damals und wird heute als schön empfunden? Als perfekte Verkörperung von Weiblichkeit? Die Antworten sind von Epoche zu Epoche unterschiedlich.

Antike: Weder zu dick, noch zu dünn

Während Männer im alten Griechenland idealerweise eine athletische, durchtrainierte Figur hatten, durften Frauen schon etwas mehr Rundungen aufweisen. Sie waren nicht dünn, aber auch nicht zu dick; eine Sanduhrfigur war gefragt. Ein kleiner Busen, dafür aber ein breites Becken (als Zeichen der Fruchtbarkeit) waren die Idealvorstellung. Dazu noch eine besonders helle Hautfarbe und lange, geflochtene Haare, schon war die antike Griechin perfekt.

Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Griechische Frauen hatten eine normale Figur mit weiblichen Proportionen.

Mittelalter: Maskulin und knabenhaft

Betrachtet man mittelalterliche Gemälde, fällt auf, dass Frauen mit einer eher androgynen Figur gemalt wurden. Schlanke Arme und Beine sowie eine kleine Brust waren weiterhin angesagt. Das Burschikose verlor sich erst in den Jahrhunderten danach.

Renaissance, Barock und Rokoko: Rundlich bis mollig

Zunächst war es der Bauch, der bei Frauen durchaus etwas gewölbter sein durfte. Nach und nach wurden die Proportionen üppiger. Mollige Frauen mit breiter Hüfte, einem leichten Doppelkinn und einer moderaten Oberweite waren jetzt das gängige Schönheitsideal. Zusammen mit der Leibesfülle waren eine bleiche Haut und goldene Haare ein Zeichen für Wohlstand und Reichtum. Der Maler Peter Paul Rubens malte zu damaliger Zeit einige Frauen mit dieser zeittypischen Figur, woher auch der Name „Rubensfigur“ für eine solche Silhouette kommt.

Etwa ab Mitte des 17. Jahrhundert kam das Korsett in Mode, deshalb sich die Proportionsideale wieder in Richtung Sanduhrfigur, allerdings in extremer Form, verschoben. Die Frauen quetschten und schnürten sich für dieses Schönheitsideal die Taille möglichst eng zusammen. Und das für rund 300 Jahre.

1920er Jahre: Schlank und androgyn

Dass Schönheitsideale im Wandel der Zeit immer wieder anders aussehen, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder deutlich. Befreit von ihren Korsetts und mit den ersten Schritten der Emanzipiation beschäftigt, war das Körperideal für Frauen dieser Zeit ein komplett anderes als die üppigen Jahrhunderte zuvor. Jetzt war der weibliche Körper wieder schmal, sportlich, jugendlich und ohne deutliche Kurven. Das Flapper-Girl war geboren. Auf viele wirkte er sogar etwas knabenhaft, weshalb solche Frauen auch Garçonne genannt wurden. Die Haut durfte endlich etwas Bräune zeigen, sodass das Gesamtbild natürlicher und lebendiger wirkte. In Sachen Frisur waren der kurze Bubikopf und Bobfrisuren absolut im Trend.

Schönheitsideale im Wandel der Zeit

In den Roaring Twenties waren schlanke Körper en vogue.

1940er bis 1960er Jahre: Willkommen zurück, weibliche Kurven!

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es beim gängigen Schönheitsideal eine Renaissance der üppigen Formen aus eben genau dieser und folgender Epochen. Wenn Frauen in dieser Zeit wohlgenährt und kurvig waren sowie ein üppiges Dekolleté vorweisen konnten, zeugte das von Wohlstand. Die wohl berühmteste Vertreterin: Marilyn Monroe.

Ende der 1960er bis 1970er Jahre: Dürrer Twiggy-Look

Mit dem Ruhm von Lesley Lawson alias Twiggy als Supermodel wandelte sich das Schönheitsideal erneut. Frauen wollten jetzt so aussehen wie die Engländern und das hieß vor allem: Spindeldürr.

1980er Jahre: Sportliche Sanduhrfigur

In Zeiten des Fitness-, Bodybuilding- und Aerobic-Booms war es natürlich absolut modern, wenn der Frauenkörper durchtrainiert war. Eine gewisse Weiblichkeit durfte trotzdem nicht fehlen. Supermodels wie Elle Macpherson, Linda Evangelista und Naomi Campbell eroberten die Laufstege und waren das wandelnde Schönheitsideal dieser Zeit.

Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Das Schönheitsideal der Achtziger: Durchtrainierte Körper (in fragwürdiger Funktionskleidung).

1990er Jahre: Der magere Heroin-Chic

Kate Moss prägte das Körperbild der 90er mit ihrer hageren Figur. Ihre fast kindlichen Proportionen wirken ausgezehrt, woher sich auch der Name Heroin-Chic ableitet. Ein großer Diät-Wahn setzte ein.

Heute: Zwischen Magerwahn und erneuter Sehnsucht nach Kurven

Bis heute sind gertenschlanke Figuren ein Idealbild, vor allem in der Modebranche. Models sind heutzutage leider nicht nur schlank, sondern wirken oftmals wie an der Grenze zur Magersucht. Gleichzeitig gibt es immer wieder gefeierte Gegenströme. Plus-Size-Models wie Robin Lawley oder Ashley Graham sowie Promis wie Kim Kardashian setzen mit ihren Kurven einen neuen Schönheitstrend, der sich rückbesinnt zu Zeiten, in denen Rundungen noch das Symbol für Feminität waren. In modernen Zeiten gibt es also verschiedene Strömungen, die das Schönheitsideal beeinflussen.

Wie Du siehst: Schönheit und die Idealvorstellung von ihr ist nichts Konstantes, nichts, was man festlegen kann. Der zeitliche Diskurs sowie verschiedene Geschmäcker spielen immer eine Rolle. Das Beste, was man also machen kann ist, sich in seinem eigenen Körper einfach wohl zu fühlen und nichts zwanghaft nacheifern, das morgen schon wieder out ist. Bodyshaming ist es definitiv!

Bildquellen: Getty Images/Frederick M. Brown, iStock/Studio-Annika, iStock/lilly3, iStock/kevinruss, iStock/IvanMikhaylov

Kommentare