Am Pranger

Slut Shaming: Sex und nackte Haut? Schande!

Susanne Falleram 08.09.2016 um 12:59 Uhr

Das Slut Shaming greift um sich. Kaum hat eine Frau einen zu kurzen Rock an oder erzählt von ihren häufigen Sexgeschichten, wird sie als Schlampe abgestempelt. Und das sowohl von Männern, als auch anderen Frauen. Warum das nicht nur traurig und falsch, sondern auch noch heuchlerisch-paradox ist, versuchen wir hier einmal zu erklären.

Der Begriff Slut Shaming bezeichnet das Phänomen, dass Frauen für das offene Ausleben ihrer Sexualität öffentlich beschimpft und angeprangert werden. Sei es durch knappe Kleidung, das Spiel mit den eigenen Reizen oder durch eine Vielzahl an Sexualpartnern, über die man offen redet: Mit irgendwas scheinen einige Frauen vor allem Männern gehörig auf den Schlips zu treten. Auch andere Frauen können sich Kommentare und Beleidigungen oft nicht verkneifen. Doch machen einen Nacktheit und der Spaß an Sex gleich zum Flittchen? Selbstverständlich nicht. Das interessiert nur keinen. Und das wiederum ist extrem seltsam.

Slut Shaming

Slut Shaming haben sicher viele Frauen schon erlebt – und selbst gemacht.

Warum Slut Shaming so paradox ist

Sex sells. Wenn Du durch ein Einkaufszentrum läufst, im Internet stöberst oder durch ein Magazin blätterst, achte mal darauf, wie oft Du halbnackte Frauen siehst. Ein tiefes Dekolleté, ein entblößter Hintern und ein verführerisches Lächeln scheinen zur Werbung überall genauso dazuzugehören wie ein kreativer Slogan. Und das ist für uns so normal geworden, dass es uns kaum noch tangiert, wenn wir ein weiteres Paar Brüste entgegengestreckt bekommen. Deshalb muss ich an dieser Stelle mal etwas zurück-anprangern: Warum genau machen sich so viele in die Hose, wenn sie mal eine reale Frau sehen, die selbstbewussten Schrittes ihr neues, sexy Sommerkleid ausführt oder von ihren neuesten Eroberungen erzählt?

Samantha Jones

Bei „Sex and the City“ gibt es eine Folge, in der sich Samantha Jones mit dem Thema Slut Shaming beschäftigt. Sie resümiert gegenüber Carrie: „Ich werde mich nicht von Dir oder der Gesellschaft verurteilen lassen. Ich trage, was ich will und blase jedem, der mir gefällt, solange ich noch atmen und knien kann.“

Offensichtlich fühlen sich nämlich viele davon angegriffen, mit echter, wahrer Sexualität konfrontiert zu werden. Und schon geht das Slut Shaming los, gerne auch mal mit Bodyshaming verbunden à la „Schau Dir die Dicke im Minirock an, gerade die sollte sich nicht wie eine Schlampe anziehen…“. Gerade in den sozialen Netzwerken geht es nicht immer so sozial zu. Slut Shaming scheint hier für viele, im Schutze ihrer Anonymität, ein wahres Vergnügen zu sein. Ein Selfie, das in ihren Augen zu tiefe Einblicke gewährt, ein #outfitoftheday, das wegen Sommerhitze mal etwas luftiger ausgefallen ist, alles wird kommentiert und verurteilt. Cybermobbing, die moderne Hexenjagd. Und wenn nicht gerade mit Beleidigungen um sich geworfen wird, dann sind sexuell höchst anzügliche Kommentare auch keine Seltenheit. Manche User finden es anscheinend passend, unter einem Bild einer Frau im Minirock zu kommentieren, was sie gerne alles mit ihr anstellen würden. Bis ins kleinste Detail. Danke, genau das wollten wir hören! #nowomanever

An dieser Stelle empfehlen wir Dir übrigens nochmal dieses Youtube-Video, das die üblen Erfahrungen einer Frau zeigt, die 10 Stunden wortlos durch New York lief. Sie wurde zwar nicht direkt beleidigt, trotzdem musste sie sich einige sexistische Kommentare gefallen lassen. Das Experiment zeigt also gut auf, was Frauen schon in schlichter Alltagskleidung zu hören bekommen:

Slut Shaming muss aufhören, wird es aber nicht

Keine Frau sollte in irgendeiner Weise dafür verurteilt werden, wie sie sich kleidet und mit wie vielen Männern sie schläft. Aus Angst vor Beleidigungen halten sich viele lieber bedeckt, während es für das anderen Geschlecht kein Problem zu sein scheint, über ihre Frauengeschichten laut und offen zu reden. An Gleichberechtigung mangelt es nicht nur im Berufsleben. Das Traurige: Slut Shaming wird sich wohl so wie alle anderen Arten des Lästerns und Beleidigens anderer nie richtig verabschieden. Trotzdem ist es wichtig, dass sich wirklich jeder an die eigene Nase fasst und wenigstens damit aufhört, öffentlich über andere Frauen zu urteilen und so zu dem Problem noch beizutragen. Was man im Seelenleben seines Opfers mit solchen Taten anstellt, sollte man sich immer vor Augen führen. Leben und leben lassen, oder?

Und wenn Du vielleicht mal selbst vom Slut Shaming betroffen bist, versuch, es gelassen zu nehmen. Wer sein eigenes Ego damit pushen muss, andere schlecht zu reden und als Schlampe zu bezeichnen, verdient es gar nicht, dass Du ihn dabei auch noch durch Deine Aufmerksamkeit unterstützt.

Samantha Jones

„Wenn ich mir darüber Sorgen machen würde, was jede Schlampe in New York über mich redet, würde ich nie mehr das Haus verlassen.“

Wurdest Du schon mal mit Slut Shaming konfrontiert? Berichte uns über Deine Erfahrungen!

Bildquelle: iStock/Dirima, wifflegif.com via giphy, tumblr.com via giphy

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