18. Venus

desired.de auf der 18. Venus: Was kann eine Sex-Messe außer Sex?

am 20.10.2014 um 18:38 Uhr

Achtung: Heiß! Berlin, ein rot leuchtender Funkturm und alles dreht sich um Sex, zumindest während der Venus, der internationalen Fachmesse für Sex, Erotik und Lifestyle, die vom16. bis zum 19. Oktober 2014 auf dem Berliner Messegelände stattfand. Das 18. Jubiläum der Fachmesse, welches unter dem Motto „Volljährig: 18 Jahre Venus“ zelebriert wurde, nahmen wir zum Anlass, um herauszufinden, was eine solche Messe noch kann außer Sex. Wir wollten einmal erforschen, was Frauen dazu bewegt, eine Messe wie die Venus zu besuchen. Welche Eindrücke wir bei unserem Besuch auf der weltweit größten Erotikmesse sammeln konnten, das berichten wir Ihnen hier und in unserer Fotoshow.

Wir haben es tatsächlich gewagt: Wir haben unserem Büro den Rücken gekehrt und uns das Sex-Spektakel auf dem Berliner Messegelände angeschaut. Eine Idee, die sich gelohnt hat und für die eine oder andere Verwunderung sorgte.

Ganz schön normal

Wie betraten den Haupteingang der Messehallen, geradeaus lasen wir „Fetisch“, rechts „Showbühnen“ und links ging es in eine Halle voll mit Ausstellern, die ihre neuesten Trends in Sachen Erotik und Sex vorstellten. „Okay, versuchen wir es erst einmal dort“, dachten wir uns und gingen in die Halle 18, die „Business-Area“ der Aussteller. Wider Erwarten boten sich uns durchaus interessante Stände, die nicht nur Sexspielzeug und Filmchen in petto hatten.

Reizende Dessous-Trends

Ein Highlight der Messe sind natürlich in jedem Jahr die vielen Aussteller, die ihre neuesten Dessous vorstellen. Abgesehen von Dessous mit Fetisch-Details, wie Ledereinsätzen, Reißverschlüssen und Cut-outs, ist die Auswahl vor allem von hochwertiger Unterwäsche aus Spitze, in Leder- und Latex-Optik bestimmt, die sich im Alltag ebenso behauptet wie bei einem romantischen Abend zu zweit. Hier geht der Trend eindeutig hin zu einem Mix aus Fantasie und Offenbarung. Zwar verhüllt der Stoff die pikanten Stellen des weiblichen Körpers, doch wird mit Spitze der eine oder andere Blick gewährt oder durch glänzende Optiken für eine ordentliche Portion Erotik gesorgt. Neben neonfarbener Unterwäsche dominierte vor allem Schwarz die Auswahl an hochwertigen Dessous. Auch Push-up muss gar nicht immer sein, denn die Aussteller sahen vor allem Soft-BHs ganz weit vorn. Zwar eigenen sich diese nicht unbedingt für Frauen mit großer Oberweite, Frauen mit kleinerem Busen könnten allerdings kaum reizender aussehen, als in schlichter, transparenter Spitze.

OP-freie Beauty-Trends

Weiter ging es mit Ständen, die Frauen in Sachen Enthaarung und plastische Chirurgie beraten und das auf eine sehr kompetente Weise. Hier geht der Trend ganz klar weg vom Skalpell, erfuhren wir. Da viele Frauen Angst vor Schmerzen, Blut und vor allem Operationen haben, sucht die Branche vermehrt nach Alternativen, die beispielsweise das Enthaaren ohne Schmerzen oder – besonders interessant – die Fettreduzierung ohne chirurgische Eingriffe möglich machen sollen. Die neueste Methode hier: Das Coolsculpting, die nicht-chirurgische Fettreduzierung. Hier soll den Fettpölsterchen am Bauch und an der Hüfte mittels Kälte der Garaus gemacht werden. Denn diese sind selbst bei bester Ernährung und vorbildlichstem Training sehr schwer wegzubekommen. Bereits nach nur einer Sitzung sollen beim Coolsculpting Ergebnisse sichtbar sein. Dabei wird die betreffende Stelle mit einem Gerät bearbeitet, welches das Fettpolster zwischen zwei Kühlplatten zieht, die das Gewebe kühlen. Eine Methode, die durchaus Zukunft hat und bei den weiblichen Besuchern auf der Messe besonders viel Aufmerksamkeit fand.

Let’s talk about Sex

Vorbei an Casting-Boxen, Nackt-Postern und Pasta-Snacks, waren wir am Ende der großen Halle angekommen und lauschten einer Diskussionsrunde zum Thema Sex, in der vier Teilnehmer ihre Meinung zum Thema preisgaben. Ist Sex eben etwas, was hinter verschlossenen Türen passieren sollte oder ist es eine Sache, die gut und gerne auch besprochen werden darf? Hier behauptete sich natürlich die Meinung, dass Sex kein Tabu sein sollte. Dass es sich nicht schlichtweg um den Akt selbst handelt, sondern all die Emotionen, die Nähe und Berührungen das sind, was das Tabu zur Normalität machen.

In der Business-Area in Halle 18 ging es sehr ruhig zu, hier dominierten nämlich nicht etwa laute Bässe und nackte Porno-Sternchen das Geschehen, sondern tatsächlich Geschäftsgespräche – man möchte es kaum für möglich halten. Auch durchaus hörenswerte Expertentalks, wie die Venus ihre Gesprächsrunden nennt, fanden zu Themen wie „Was ist guter Sex überhaupt“ oder „Was macht Sex mit unserem Körper?“ statt.

Fazit: Sex ist gut für den Körper und den Geist. Zwar gehört dieses Thema nicht zum allgemeinen Smalltalk, mit seinem Partner sollte man sich jedoch klar und deutlich darüber verständigen, was einem fehlt, was man braucht und wie man sich das gemeinsame Liebesleben am besten gestaltet. Denn Sex tut dem Körper gut, schüttet Glückshormone aus und verbrennt zu guter Letzt auch noch eine Menge Kalorien.

Genug geredet

Noch überrascht und beinahe etwas enttäuscht, wenn man das nicht bestätigte Vorurteil über die Sexbranche überhaupt als Enttäuschung bezeichnen kann, begaben wir uns dann in die „Show-Area“. Nachdem uns die Ausstellerhalle doch sehr gesittet begegnete, dachten wir, wir könnten auch hier einmal schauen, was sich uns bietet. Et voilà, am Stand des Hauptsponsors der Messe, sahen wir auch schon das Nackt-Sternchen und eines der beiden Gesichter der Venus: Micaela Schäfer. Für ihre Verhältnisse beinahe verhüllt, posierte sie im Latex-Outfit mit Männern und Freuen, denen die Freude ins Gesicht geschrieben stand und verteilte fleißig Autogramme, während ihre Kolleginnen auf der Show-Bühne in der hintersten Halle für Stimmung sorgen sollten.

Wir fragten nach

Aber was reizt die Besucher der Venus, vor allem die Frauen? Warum besuchen Sie diese Messe, deren Tageskarte im Übrigen einen stolzen Preis von 28 Euro hatte? Wir fragten einige Damen, was Sie zum Besuch bewegte, ob sie alleine da sind, was sie von der Messe an sich überhaupt halten und bekamen durchaus ehrliche Antworten.

Nadine verriet uns, dass sie mit ihrem Freund da ist, der Besuch allein aus Spaß wäre, um sich Sachen anzusehen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Kommt man als Pärchen aber wirklich nur zur Erotikmesse, um sich Sachen anzuschauen? „Ja, es ist schon spannend hier, mir ist diese Welt ein wenig fremd, meinem Freund fallen die Augen allerdings fast raus, irgendwo in der Mitte können wir uns vielleicht treffen und das Ganze von einer unterhaltenden Weise betrachten. Und unserem Liebesleben damit etwas mehr Pepp verleihen, ohne sich zu schikanieren oder zu schämen.“

Am Stand der nicht-chirurgischen Fettreduzierung Coolsculpting trafen wir Marita mit ihrer Freundin: „Unsere Männer sind Zuhause und wahrscheinlich ein wenig eifersüchtig. Aber wir bringen ihnen ja Geschenke mit.“ Ein Frauenausflug also, aber wieso dürfen die Männer nicht mit dabei sein und warum entscheidet man sich überhaupt für einen Messebesuch und zieht diesen dem entspannten Kaffee vor? „Zusammen mit der Freundin kann man gut über Tabus sprechen, sich auch einmal Sexspielzeuge anschauen, ohne diese zu belächeln. Und ganz ehrlich: Wann bekommt man sonst eine so gute Beratung in Sachen plastische Chirurgie und Co.? Ich bin nämlich durchaus nicht abgeneigt und hatte hier die Gelegenheit, Details zu erfragen.“

Eine weitere Besucherin fiel komplett ins nicht männliche Beuteschema der Messe, Mareike kam gemeinsam mit ihren Freundinnen. Als wir die Frauengruppe ansprachen, war das Gelächter groß: „Wir wollen Spaß haben, der Männerstrip war erste Sahne, ehrlich.“ Nachdem sich die Ladies ein wenig beruhigt hatten, Mareike uns ein Foto zeigte, auf dem sie einen Mann an der Leine führte und sie schließlich ein paar Worte mit uns wechseln konnte, verriet sie uns, dass ein Ausflug auf die Sex-Messe sie in ihren Bedenken und Hemmungen befreit, sie lockerer mit dem Thema Sex umgehen lässt und sich somit auch ihr Freund freut, wenn sie nach dem Besuch nach Hause kommt.

Vielleicht sollte man sich in Bezug auf erotische, Sex-orientierte Messen ein wenig von seinen Vorurteilen lösen, denn obwohl das Klientel teilweise sehr stark ins typische Raster eines Sex-Messen-Besuchers passt und wir so manchem Mann gerne seine Kamera aus der ersten Reihe vor der Show-Bühne aus der Hand gerissen hätten, nehmen viele Besucher, Promoterinnen und Aussteller dieses Thema eben gar nicht so ernst. Sie wollen Spaß haben und mit diesem oftmals noch als Tabu geltenden Thema frei umgehen, warum eigentlich auch nicht?

Welche Eindrücke wir auf der 18. Venus , der weltweit größten Erotikmesse sammeln konnten, zeigen wir Ihnen in unserer Bildergalerie.

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