Herbst-Styles

Der Androgyn-Trend: Unsere fünf schönsten Herbst-Looks

am 01.09.2014 um 18:39 Uhr

The future is androgynous: Geschlechterrollen und Stereotypen unterliegen in Mode und Kunst schon lange keinen Beschränkungen mehr, ganz im Gegenteil: Grenzüberschritt – so lautet die neue Parole. Androgynität und das Spiel mit dem Maskulinen avancieren so zum festen Bestandteil unserer Wahrnehmung. Was sind überhaupt noch eindeutige Indikatoren für das Weibliche vs. das Männliche? Auch die Labels nehmen diese Veränderungen mit auf: Von The Row, Balenciaga und Edin bis hin zu Hood by Air wird ein fließender Übergang zwischen dem Geschlecht forciert – modische Androgynität als Vorstoß in Sachen Gleichberechtigung? In jedem Falle steht auch der kommende Herbst so ganz im Zeichen des aktuellen Garçonne-Looks. Wir erfreuen uns daran und werfen hier und in der Fotoshow einen Blick auf unsere fünf ganz persönlichen, androgynen Hauptakteure der dritten Jahreszeit.

Es gibt sie schon länger, die androgynen Klassiker: Man denke hier nur an die Flapper-Szene aus den 1920er Jahren, die, mit Coco Chanel an vorderster Front, die Speerspitze weiblicher Mode-Befreiung einläutete, das Korsett vom weiblichen Körper verbannte und nicht zuletzt die eigentliche Geburtsstunde des Tomboy-Looks vorantrieb: Kurze Haare, eine flache Brust und weite Schnitte ohne Taillenbetonung, das war damals nahezu skandalös. Auch der Dandy-Look ist viel älter als man es ihm heute mit den neusten Vertreterinnen wie Erika Linder oder Saskia de Brauw ansieht: Bereits Marlene Dietrich liebte den großen Auftritt in Frack und Zylinder, privat trug sie weite Männerhosen mit geradem Bein und Bügelfalte und verhalf damit der berühmten ‚Marlenehose’ zu ihrem Durchbruch. Um die androgynen Looks von damals heute ganz modern und unprätentiös umzusetzen, brauchen Sie aber tatsächlich nicht mehr als fünf Schlüsselpieces:

Vom Tomboy zum Gentleman: Der Blazer

In unserem ersten Look treffen gleich zwei Hauptakteure des androgynen Herbstes aufeinander: Der schwarze Oversize-Blazer aus kuscheligem Kaschmir von Gucci ist nicht nur der ideale Schulterwärmer für die ersten kalten Winde, sondern auch ein unglaublich wandelbares Schlüsselelement für den lässigen Boyfriend-Look. Gleiches gilt für die silberne Herrenuhr von Larsson & Jennings: Große Ziffernblätter entwickeln an schmalen Handgelenken einfach eine ganz subtile Coolness. In Kombination zum fließenden Seidenhemd von The Row, fügt sich so eins zum anderen, eine übertriebene Akzentuierung ist gar nicht nötig. Denn der Garçonne-Look bedeutet nicht zwangsläufig, seine feminine Seite komplett auszuschließen, sondern eher geschickt im Spannungsfeld zwischen den Geschlechtern zu agieren. Auch Materialmixe wie grobe Wolle und Seide, weiches Leder und glänzendes Metall vertragen sich beim lässigen Abendlook besonders gut. Und sollte man den Blazer-Look zwecks gehobenem Anlass mal auf die elegante Art und Weise stylen wollen, ist dies ebenfalls kein Kraftakt: Das Jacket im Smoking-Look samt Satin-Revers von Saint Laurent verleiht dem Garçonne-Look im Nu einen edlen, fast luxuriösen Touch, vor allem im Zusammenspiel mit den lackierten Schnürern von Leombruni  – wenn da nicht selbst Marlene ihre Zustimmung gegeben hätte.

Ein androgyne Allrounder: Das Hemd

Das Hemd in all seinen Varianten, ist ein essentieller Bestandteil des Garçonne-Stylings und unser wohlverdienter Hauptakteur Nummer drei. Egal ob aus Baumwolle, Seide oder Leinen, ob weiß, blau, kariert oder bedruckt, es gibt nur eine Regel: Es darf nicht zu eng sitzen und nicht zu kurz sein. Ein breiter, gestärkter Hemdkragen wirkt noch maskuliner, hochgekrempelte Ärmel geben ebenfalls Extrapunkte hinsichtlich subtiler Lässigkeit. Wir kombinieren das hellblaue Baumwoll-Hemd von Equipment mit eleganten Loafers, schwarzen Jeans und einem grauen Cardigan – ebenfalls in gemütlicher Übergröße.

Garçonne-Chic trifft auf Bequemlichkeit

Der vierte Hauptakteur unserer herbstlichen Trend-Looks ist in diesem Sommer schon hochaktuell gewesen und wir nehmen ihn auch gerne noch mit in die nächste Saison: Die weite Stoffhose mit coolem Karomuster inklusive Wohlfühlfaktor ist inspiriert vom ikonischen Marlene-Schnitt und erlebte so zurecht ein längst überfälliges Revival. Wir kombinieren sie mit einem flauschigen Kaschmir-Pullover von Saint Laurent mit weichen Lammleder-Patches in Ellbogen-Höhe. Ideales Schuhwerk für lauwarme (und vor allem trockene!) Herbsttage: Pantoletten aus schwarzem Glatt-Leder von Balenciaga mit leichter Plateau-Sohle. Gemütlicher (und stylischer) kann der Garçonne-Look eigentlich gar nicht mehr werden…

Old but gold: Die Boyfriend-Jeans

Die Boyfriend-Jeans ist schon seit Jahren der Inbegriff für einen casual-lässigen Tageslook und auch Jahreszeiten-unabhängig eine legitime Variante zur üblichen Slimfit-Hose. Der letzte Hauptakteur unserer androgynen Herbststücke macht so vor allem im sportlichen Gewand eine gute Figur. Unser Lieblingsstück ist aktuell die dunkelblaue ‚Johnny’ von J Brand mit den klassischen fünf Taschen und umgeschlagenem Bein. Kombiniert mit Turnschuhen und Wollpullover von Wood Wood liegt auch hier der Fokus wieder auf Gemütlichkeit – letztendlich DER Vorteil des Garçonne-Looks und wenig überraschend auch der Hauptgrund, warum die gute Coco vor gut einem Jahrhundert die Fashion-Revolte überhaupt ins Rollen gebracht hat.

Alle fünf unserer liebsten, androgynen Herbst-Pieces finden Sie mitsamt Styling-Vorschlägen selbstverständlich hier in unserer Bildershow.

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