Banklady

Banklady: “Hände hoch und ich mache Karriere!” – Ein Interview über Frauen in Männerberufen

am 17.03.2014 um 09:41 Uhr

„Nicht träumen, wahr machen!“ – Der Beruf engt einen ein, das Leben nimmt nicht an Fahrt auf und die Träume scheinen unerreichbar. Was also tun, wenn der Drang nach Veränderung immer stärker wird? Vielleicht eine Bank überfallen? Das tat zumindest in den frühen sechziger Jahren Gisela Werler und ging damit in die Geschichte ein. Eine Geschichte, die nun verfilmt wurde und unter dem Titel „Banklady“ bald in den deutschen Kinos zu sehen ist. Eine Geschichte, die mehr ist als eine Neuauflage von „Bonnie und Clyde“. Denn Banklady zeigt auch, dass es manchmal eben jede Menge Mut, Selbstbewusstsein und ein großes Ziel braucht, um einen neuen Lebensweg einzuschlagen. Ein Thema, das desired.de in einem Gespräch mit Henryk Lüderitz, Trainer für junge Führungskräfte und Talente, und Jill Doppelfeld, Hauptabteilungsleiterin im technischen Bereich bei Vodafone Deutschland, einmal näher beleuchtet hat.

Regisseur Christian Alvart hat die Geschichte auf die Kinoleinwand gebracht. Im Mittelpunkt: Die ledige Gisela Werler, eine Frau in den Dreißigern, gespielt von Nadeshda Brennicke, die ihr Leben mit Hilfe des charmanten Hermann Wittorf (Charly Hübner) in die Hand nimmt, um aus dem tristen Fristen als Arbeiterin in einer Hamburger Tapetenfabrik zu entfliehen. Ihr Traum: Capri. Als sie erfährt, dass Hermann mit seinem Kumpel Banken überfällt, sieht sie ihre Chance gekommen und denkt sich „Was die können, kann ich auch!“ Nicht nur typisch für die Frau in den sechziger Jahren, die immer lauter nach Emanzipation verlangte, sondern auch heute noch für viele Frauen – und Männer – ein Thema. Etwas, das Henryk Lüderitz in seiner Arbeit als Coach ebenso erlebt, wie Jill Doppelfeld in ihrem täglichen Berufsleben und in ihrer 20-jährigen Erfahrung als Karrierefrau in einem oft von Männern dominierten Berufsfeld.

„Hände hoch, oder ich schieße!“

Der typische Satz eines Bankräubers. Aber es geht auch freundlicher, denn die Banklady ist schließlich eine Dame und bedankt sich im Anschluss auch noch recht freundlich. Mit zunehmendem Erfolg steigt allerdings das Selbstbewusstsein und das Gefühl, es den Männern gleich tun zu können. Ist die „Banklady“ also die personifizierte Emanzipation?

Henryk Lüderitz: „‘Banklady’ ist eher ein schönes Beispiel für Mut als unbedingt Emanzipation. Emanzipation finde ich teilweise etwas negativ belegt. Einmal etwas zu machen, was Frauen bisher noch nie gemacht haben und sich auch einmal in einem ganz neuen beruflichen Umfeld zu versuchen, wo man vielleicht eher nur Männer erwarten würde. Ein Geschäft, das nur Männer können und in dem auch nur Männer gut sind. Dieses Denken wird nicht nur von den Männern so vorgelebt, sondern auch viele Frauen schließen sich ja quasi mehr oder weniger bewusst aus manchen Branchen oder Berufen aus, weil sie den Männern einfach mehr Kompetenzen zugestehen. Was ich in diesem Film aber auch ganz interessant fand, ist, dass es wichtiger ist, persönliche Ziele zu haben. Sie hat einen ganz großen Wunsch und möchte weg aus Deutschland, nach Capri. Da hat sie diesen Weg natürlich ganz attraktiv gefunden, diese Bankraubgeschichte zu versuchen und hat dadurch quasi ihr eigenes Selbstbewusstsein gestärkt: ‘Ich komme nach Capri, wenn ich das mache!’ Deshalb hat sie sich etwas zugetraut, was sie sonst nicht gemacht hätte. Also etwas zu haben, auf das man hinarbeitet, ist äußerst attraktiv für das Selbstbewusstsein. Das ist dann ein guter Impuls, um über seinen eigenen Schatten zu springen, eine Hürde zu überwinden und den Mut aufzubringen, etwas Ungewohntes zu tun.

Jill Doppelfeld: „Was ich daran ganz spannend fand, war, dass die Banklady ihren eigenen Stil gefunden hat und nicht versucht die Männer zu kopieren. Das ist, glaube ich, auch die Herausforderung für Frauen, die Karriere machen wollen. Ich arbeite in der Technik. In Deutschland sind Ingenieurberufe nach wie vor sehr männerlastig. Es gibt insgesamt recht wenig Frauen, die sich in dieses Feld reinwagen und wenn man auf die Hierarchieebenen schaut, fragt man sich, welcher Frauen-Typus eigentlich erfolgreich ist und Karriere macht. Sind es die taffen, die alles tun, um Karriere machen zu können und die rein menschlich schnell unsympathisch wirken, weil sie sich als ‘Männer im Kostüm’ anpassen? Oder schaffen sie den Erfolg, indem sie ihre Natürlichkeit wahren und ihre Andersartigkeit nutzen, um zum Ziel zu kommen? Je authentischer sie sind, desto erfolgreicher sind sie gewöhnlich. Das gilt allerdings auch für Männer. Das wäre für mich so eine Analogie zur Berufswelt, dass Mut und Authentizität die besten Voraussetzungen für Frauen sind, um in der Männerwelt überleben zu können.

„Ich will das jetzt – oder doch nicht?“

Nicht jede Frau hat aber das Selbstbewusstsein einer Banklady. Woran liegt es, dass sich manche Frauen eine Karriere einfach nicht zutrauen?

Henryk Lüderitz: „Es gibt etwas, was im Moment sehr typisch ist für Frauen: Dass sie sich teilweise gegenüber den Männern unterschätzen. Es wird einem als Frau ganz häufig vorgelebt, dass der Chef ein Mann ist, der andere Chef womöglich auch und dann ist da noch ein Mann und hier noch ein Mann. Chef zu werden, scheint also schwierig zu sein, das ist eher eine Männer-Geschichte. Also gibt man sich dann vielleicht auch damit zufrieden und sagt ‘Na gut, so schlecht ist es hier ja auch nicht. Dann bleibe ich einfach mal dabei.’ Ich würde schon fast sagen, das ist ein kleiner Karrierefehler. Warum nicht sagen, dass man was drauf hat – ‘Was die können, kann ich auch.’ Jetzt nicht im Sinne von Nachahmung, also das Gefühl zu haben, man muss jetzt sein wie ein Mann, mit all dem Alphatier-Gehabe. Es geht darum, bewusst und gekonnt das weibliche Verhalten einzusetzen. Aber auch die eigene Karriere gezielt im Blick behalten, mutig zu sein und zu sagen ‘Doch, das will ich jetzt machen. Ich trau mir das zu.’

Jill Doppelfeld: „Es gibt Frauen, die auf die Führungsposition verzichten, weil der Druck zu groß ist. Auch weil Frauen die Verantwortung für ihre Kinder noch immer als ihr alleiniges Thema sehen. Der Mann mag sie vielleicht unterstützen ‚dürfen’, aber sie sehen es als ihre Verantwortung, allein klären zu müssen, wie die Kinder versorgt werden.

Und was, wenn der Wunsch nach einer Karriere oder nach einer beruflichen Veränderung da ist, aber frau nicht weiß, wie diese Veränderung überhaupt aussehen kann?

Henryk Lüderitz: „Meine erste Frage ist immer die klassische ‘Warum-Frage': Warum wollen Sie das? Aber auch die Frage nach dem ‘Wohin’. Also, ‘wo wollen Sie hin und was steckt da für ein Motiv hinter?’ Wenn man jetzt als Frau sagt ‘Ich will gerne KFZ-Mechaniker sein’ – Was steckt dahinter? Was ist das, was einen antreibt? Und die Antwort lautet: ‘Das würde mir größte Befriedigung bringen, das ist einfach toll, etwas Kaputtes zu reparieren.’ Wenn man das für sich herausgefunden hat, dann ist es noch leichter, die ersten Schritte auf dieses Ziel zuzugehen. Aber wenn man einfach nur hadert, mit sich unzufrieden ist und eigentlich lieber ein Mann oder wie ein Mann wäre – das ist so unkonkret, dass man es dann als Frau kaum schafft, diese Unsicherheit, also diese Hürde, zu überwinden. Wenn man aber für sich selbst Klarheit hat über die Vorteile, die einem auf dem Weg zum Ziel erwarten, dann ist es leichter, die Schritte zu gehen, die auch über Hürden hinweg führen. Also, Blick auf etwas Attraktives, das möglichst genau beschreiben können und die Vorteile sehen, die man daraus für sich selbst sieht. Dann hat man auch eine gute Basis, zu sagen ‘So, jetzt mache ich auch einmal den ersten Schritt.’

Frau gegen Mann oder Mann gegen Frau?

Aber wie sieht das dann in der Realität aus. Was passiert, wenn Frauen wirklich in der Führungspositionen angekommen sind? Neid? Missgunst? Männer, die um ihre Alpha-Position fürchten?

Jill Doppelfeld: „Ich bin jetzt seit über 20 Jahren in verschiedenen Führungspositionen im technischen Geschäftsbereich in der Telekommunikationsbranche tätig. Anfang der 90iger Jahre hatte ich den Eindruck, dass ich in dem jungen Unternehmen eher positiven Zuspruch bekommen habe. Auch als ich als Abteilungsleiterin zwei Kinder bekommen habe. Damals waren es eher die Frauen, die mit Neid und Missgunst reagiert haben. Es war eine Zeit in der die Frauen glaubten, dass sie sich zwischen Kinder oder Karriere entscheiden müssten. Eine Kombination schien unmöglich. Daher haben viele nur darauf gewartet haben, dass man beruflich scheitert oder dass sich die Kinder nicht richtig entwickeln. Heutzutage ist das stark im Wandel. Seit einigen Jahren fördert die Quotenumsetzung die Besetzung von Führungspositionen durch Frauen in Politik und Wirtschaft. Allerdings wird die Umsetzung jetzt mit einer Brachialgewalt durchgesetzt, die vom Konzept noch nicht zu Ende durchdacht ist. Wie gehen zum Beispiel Unternehmen mit Männern um, die hochqualifiziert und genauso fähig wären, gewisse Position auszuführen, die jetzt nur Frauen vorbehalten scheinen? Es entsteht nun eine Missstimmung, die sich jetzt sehr generalisiert gegen viele Frauen in Führungspositionen richtet, unabhängig von ihrer Leistung. Das wachsende Unverständnis in der Männerwelt hinterlässt deutlich seine Spuren. Daher weiß ich nicht, ob wir uns mit der Quote einen Gefallen getan haben.

Und Herr Lüderitz, was sagt Ihre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Führungskräften oder denen, die es gerne werden wollen? Sind es eher die Frauen oder die Männer, denen es schwerfällt, einen neuen Weg einzuschlagen?

Henryk Lüderitz: „Ich würde sagen, ich erkenne da kaum einen Unterschied. Das Thema, sich ein Ziel zu suchen und es zu formulieren, das fällt geschlechterübergreifend im ersten Moment schwer. Es ist auch oft einfach eine Frage der Gewohnheit. Die meisten Menschen sind es nicht gewohnt, sich ein Ziel genau vorzustellen, zu beschrieben und erst dann loszugehen. Das ist wahrscheinlich der Zeitgeist, dass man erst einmal rennt, sich dann fragt ‘Oh, wo bin ich denn? Und wo kam ich her und wo wollte ich eigentlich hin?’ – Das geht meistens Männern wie Frauen so.

Wo die „ Banklady “ hin möchte, das können Sie seit dem 27. März 2014 im Kino verfolgen. Einen ersten Einblick gewinnen Sie schon einmal in unserer Fotoshow.

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