I’m a Barbie Girl?! – Pro oder Kontra Barbie-Haus?

am 03.06.2013 um 18:34 Uhr

Rosa und Pink sind die derzeit unbeliebtesten Farben in Berlin, denn die Pinkifizierung durch Barbies Dreamhouse hat so viele Demonstranten und Gegner angezogen wie zuletzt der Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg. Was ist dran am Mythos Barbie und sind brennende Holzkreuze und verletzte Besucher wirklich gerechtfertigt? Wir haben uns mal Gedanken gemacht!

Es ist die Attraktion schlechthin: Das Barbie Dreamhouse neben dem Alexa ist schon seit Langem ein Thema, über das in Berlin gesprochen wird. Das Errichten des Zeltes konnte man schon von der S-Bahn aus perfekt beobachten und nun steht es da in seinem glorreichen Pink und strahlt über den ganzen Platz.

„I’m a Barbie Girl“

2.500 Quadratmeter rosa Mädchenträume: Mit virtuellen Angeboten, wie Barbies Kleider anziehen und Cupcakes backen, Klavier spielen und in einem Schlitten durch eine Winterlandschaft fahren, werden die Besucher in der Entertainment World gut unterhalten, der begehbare Kleiderschrank verzückt nicht nur die kleinen Mädchen und ein Topmodel-Parcours und eine Popstar-Bühne machen das Rundum-Erlebnis perfekt. Zumindest für die, die das Projekt gutheißen.

„In the Barbie World”

Denn diversen Femen- und Aktivistengruppen ist Barbies Dreamhouse Experience ein Dorn im Auge. So versammelten sich am Eröffnungstag fast mehr Gegner vor dem Haus, als dass es Besucher hatte. Es vermittle ein falsches und viel zu eindimensionales Frauenbild, zu viel Rosa stehe nur für Äußerlichkeiten, Protestgegner sind sogar der Ansicht: „Cupcakes nicht nur backen, sondern auch essen.“ Nun, ob Barbie Kinder wirklich davon abhalten könnte, Cupcakes zu naschen?

„Life is plastic, it’s fantastic“

Das Spielen mit Barbies ist schon seit 1959 möglich und seitdem aber auch nicht mehr aus den Mädchen-Kinderzimmern wegzudenken. Der größte Kritikpunkt dabei: Barbie vermittle kleinen Mädchen ein falsches Körperbewusstsein, so wurde sogar wissenschaftlich belegt, dass eine reale Frau mit den gleichen Maßen nicht lebensfähig sei. Und obwohl Hersteller Mattel auf diverse Äußerungen reagierte mit einer Überarbeitung der Taille, afroamerikanischen Barbies und sogar einem Modell in einem Rollstuhl – das dann aber leider nicht in den Aufzug des Barbie-Hauses passte –, reißt die Kette der Missbilligung nicht ab. Und Barbies Dreamhouse Experience scheint nun der Gipfel des Berges zu sein, sozusagen das rosafarbene i-Tüpfelchen.

„You can brush my hair, undress me everywhere“

Aber sind brennende Holzkreuze, nackte Tatsachen bei Anti-Barbie-Aktivisten, umgerannte Passanten, die sogar im Krankenhaus noch behandelt werden müssen, oder schwarze Schnäuzer auf Barbie-Plakaten wirklich der richtige Weg, gegen das Haus zu demonstrieren? Nicht jedem gefällt der neue Erlebnispark, der noch bis Ende August in Berlin verweilt und danach andere deutsche und auch österreichische Städte besucht – und das ist auch gut so. Aber es gibt auch weitaus wichtigere Probleme auf der Welt, schätzt auch Christoph Rahofer, Geschäftsführer von Veranstalter EMS Entertainment, die Lage ein.

„Imagination, life is your creation“

Sehen wir es doch mal so, viele Generationen haben seit der Einführung der Barbie-Puppe damit gespielt und doch ist nicht jede Frau deswegen automatisch essgestört oder jagt einem falschen Körperbild hinterher, die meisten von uns haben auch richtige Berufe erlernt und backen nicht den ganzen Tag nur Cupcakes. Rosa Alltagsgegenstände können trotzdem glücklich machen. Aber nicht nur Barbie wird immer rosafarbener, im Allgemeinen kann eine Pinkifizierung im Spielwaren-Business beobachtet werden: „Selbstverständlich hat das Revival von Pink viel mit Geld zu tun“, sagte die Genderforscherin Dominique Grisard (Uni Basel/New York) gegenüber der Hamburger Morgenpost. „Ein übersättigter Kleider- und Spielzeugmarkt kann so doppelt so viel verkaufen. Denn kein Mädchen kann ihrem jüngeren Bruder ihr rosa Tutu oder ihr pinkes Barbieschloss weitervererben.“ Nun, fraglich ist natürlich, ob sich der Bruder über ein blaues Tutu oder ein grünes Barbieschloss freuen würde.

„Come on Barbie, let’s go party“

Außerdem ist Rosa erwiesenermaßen eine Farbe, die sowohl Jungs als auch Mädchen schön finden, denn es beruhigt die Nerven und sendet positive Signale. Später kommen dann geschlechtsspezifische Vorurteile dazu, die sich ab dem Schulalltag bis ins hohe Alter ziehen. Ist „Pinkstinks“ also ein Aufbegehren gegen festgefahrene, genderklassifizierende Verhaltensweisen und ein schräger Schrei nach lang überfälliger Gleichberechtigung? Wahrscheinlich schon! Leider geht dies vor dem pinken Hintergrund des Dreamhouse und den brennenden Barbies etwas unter. Andere Anlaufpunkte und lebensverändernde Maßnahmen in Bezug auf wirklich wichtige Bereiche im Leben würden wir natürlich auch unterschreiben. Für oder gegen Pink? Pro oder contra Barbie-Haus? Wir finden die Idee eigentlich ganz bezaubernd und jeder, der möchte, sollte in der Lage sein, sich das Erlebnis anzuschauen. Alle anderen können das Zelt ja ignorieren.

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