Interview

Label to watch: Der Berliner Nachwuchs-Designer Bobby Kolade im Interview

am 18.04.2014 um 13:44 Uhr

Bobby Kolade gewann im vergangenen Jahr mit seiner Abschlusskollektion den Modepreis des Berliner Senats, der mit 25.000 Euro notiert ist. Seitdem startet der 26-Jährige Jungdesigner so richtig durch und gilt als die neue Hoffnung der Berliner Modeszene. Warum der studierte Modedesigner seine neueste und zweite Kollektion nicht etwa zur Mercedes-Benz Fashion Week präsentiert, sondern eben mitten im April, das und vieles mehr, verriet Bobby Kolade im desired.de-Interview. Erfahren Sie hier und in unserer Bildergalerie, was Sie jetzt über das Talent wissen sollten.

Bobby Kolade arbeitete bereits in Paris für große Labels wie Maison Martin Margiela oder Balenciaga, bis es ihn wieder ins wilde Berlin verschlug. Dort hat er 2013 dann sein eigenes Label gegründet und erntet dafür sehr viel Lob. Kein Wunder, denn er gilt als anders, unkonventionell, mutig und experimentierfreudig und verwendet für seine Kollektionen schon einmal ausgefallene Materialien wie Feigenbaumrinde oder das traditionell äthiopische Baumwolltuch Buluko. Der im Sudan geborene Designer gibt sich nicht mit dem zufrieden, was ihm zur Verfügung steht, sondern sucht so lange wie nötig nach der Perfektion. Allein die neue Kollektion „39“ ist aus 56 unterschiedlichen Stoffen gefertigt worden. Auf der Suche nach dem idealen Gelbton wurde beispielsweise Wolle von Hand gefärbt und nachträglich im Labor mit einer gummiartigen Lackfarbe überzogen oder für eine besondere Nashornleder-Optik mit Nylon Taffeta verklebt und so lange geknautscht, bis sie die gewünschte Oberfläche erhielt. Der Deutsch-Nigerianer, der in Uganda aufgewachsen ist, mixt traditionelle Schneiderkunst mit modernen Einflüssen und Schnitten und achtet dabei sehr auf Details. Das Jackett und das Bustier sind in der neuen Kollektion Key-Looks und werden effektvoll in Szene gesetzt. So lenkt Bobby Kolade bei diesen Pieces den Fokus auf einen freigelegten Rücken. Wir sprachen mit dem Designer über eine seine neue Kollektion „39“.

Sie haben Anfang April Ihre neue Kollektion gezeigt. Warum jetzt und nicht etwa im Rahmen einer Berliner Fashion Week? Haben Sie sich bewusst dagegen entschieden?

„Das ist einer der Vorteile, wenn man ganz am Anfang ist: Die Freiheit, entscheiden zu können, wie, wo ich was, warum und wann mache. Wie lange ich das noch machen kann: Only time will tell. Allerdings brauche ich vor einer Show ungefähr 3 Monate Zeit, wo ich ein ‘Do-not-disturb’-Schild an meinen Kopf hängen darf. Das gesamte Team muss sich ununterbrochen 100 Prozent auf die Kollektion konzentrieren können. Es ist eine sehr intensive Zeit und die Fashion Week in Berlin liegt einfach ungünstig kurz nach den Feiertagen.“

Wie würden Sie selbst die neue Kollektion beschreiben, was ist anders im Vergleich zur ersten?

„Der große Unterschied zur ersten Kollektion ist wahrscheinlich die hohe Anzahl an Menschen, die diesmal mitgewirkt haben und es ist deutlich erkennbar alleine in den Stoffen und Treatments. Ich habe zum ersten Mal mit einem Team zusammengearbeitet. Mein Studio war wirklich wie ein Labor oder ein großer Topf, wo die unterschiedlichsten Menschen einen persönlichen Teil beigetragen haben.“

Haben Sie einen bestimmten Typ von Frau im Kopf, die Ihre neue Kollektion trägt? Wie sieht diese aus und was hat sie vielleicht für Eigenschaften?

„Es gibt ein Adjektiv, womit ich gerne diese sonderbare Frau beschreiben würde: neugierig.“

Der Damenanzug, insbesondere das Jackett, ist ein zentrales Stück in Ihrer neuen Kollektion: Wie kam es dazu?

„Ich bin leicht besessen von dem Bild einer Frau in Jackett und Hose. Sehr reizvoll! Es gibt kaum ein Kleidungsstück, was so regionen-, religions-, kultur-, und genderübergreifend ist wie das Jackett. In Uganda tragen Männer ein Sakko über den knöchellangen Kanzu, und in Berlin trägt eine türkische Frau ein Jackett mit Kopftuch und bodenlangem Rock. Vielseitig einsetzbar und stets elegant!“

Hatten Sie für die neue Kollektion eine bestimmte Inspirationsquelleund warum heißt diese Kollektion„39“?

„Es werden 39 Teile zusammengenäht, um ein Jackett von Bobby Kolade zu produzieren. Ich beschäftige mich sehr intensiv mit dem Jackett und stelle fest, man lernt nie mit seiner Produktion aus. Dass so viele Schnittteile aneinander gebracht werden müssen, sollte dem Konsumenten bewusst sein, bevor man 39,99 für ein Jackett ausgibt.“

Sie stammen ursprünglich aus Uganda, haben zwei Jahre in Paris gelebt und jetzt wieder in Berlin: Wie wichtig sind Ihnen Ihre Wurzeln und Ihre Umgebung, in der Sie jetzt leben – kann man hier Einflüsse in den Kollektionen sehen?

„Natürlich. Mode ist oft eine Spiegelung von Orten, Personen und der sozialen Umgebung, in der man sich befindet. Ich kann nicht ganz genau sagen, wo man welchen Einfluss sehen kann (ob man sieht, dass ich dieses Mal als zugezogener Weddinger mehr mit der U6 gefahren bin als mit der U1?), aber sicherlich wäre diese Kollektion anders, wenn ich bisher nicht so unterschiedlich gelebt hätte.“

Entdecken Sie in unserer Fotoshow die neue Kollektion des Berliner Jungdesigners Bobby Kolade .

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