Porträt

Britta Fleck im Close-up: Eine bekannte Beauty-Expertin und ihre Sicht auf die Schönheit

am 28.05.2015 um 17:06 Uhr

Vielleicht geht bei Ihnen nicht sofort ein Lämpchen an, wenn Sie den Namen Britta Fleck lesen. Wie sieht es allerdings aus, wenn Sie „Glossybox“ lesen? Genau richtig, Glossybox. Das sind diese hübschen, rosafarbenen Kisten, die Monat für Monat, vollgepackt mit hochwertigen Kosmetik-Neuheiten bei Beauty-Junkies im Hause einflattern und das ohne, dass man weiß, was genau sich in der Box versteckt. Eine monatliche, kosmetische Überraschungskiste also. Eine Frau, die maßgeblich am Erfolg von Glossybox beteiligt ist, ist Britta Fleck. Sie ist eine in Branchenkreisen hochgeachtete Beauty-Expertin, von der bestimmt auch Sie schon den einen oder anderen Kosmetik-Rat gelesen haben. Wir haben die inspirierende Powerfrau exklusiv zum desired.de-Interview getroffen und erzählen Ihnen im Close-up vom erfolgreichen Werdegang Britta Flecks und ihrer ehrlichen Meinung über Schönheit.

Britta Fleck ist in der Branche bekannt. Bekannt dafür, dass sie Dinge anpackt und zum Erfolg führt, dafür, dass Sie mit offenen Karten spielt, eine schlagfertige und selbstbewusste Frau mit unwahrscheinlichem Know-how ist. Jedoch ist Britta Fleck auch eine Frau, die hart für ihren Erfolg, ihre Anerkennung und ihren Stellenwert gekämpft hat und auch ist sie im Endeffekt nur eine liebende Mutter und eine Frau mit typisch weiblichen Problemen. Wir freuen uns sehr, dass Britta Fleck Zeit für ein ausführliches und besonders ehrliches Interview mit uns gefunden hat und uns ihren Werdegang und ihre Sichtweisen so offen zum Ausdruck brachte.

Von der Schallplatte zum Farbtiegel

Vor zwanzig Jahren hätte Britta Fleck wohl selbst am wenigsten damit gerechnet, dass sie einmal zu einer sehr geschätzten Beauty-Expertin Deutschlands werden wird. Denn nicht von Beginn an war klar, wohin sie ihre Wege führen werden. Britta Fleck wusste sich schon immer für Farben und Texturen zu begeistern, das Talent für eine kreative Arbeit fehlte ihr jedoch und trotzdem gelang es ihr, Fuß in dieser so gefragten Branche zu fassen.

„Ich weiß, dass ich künstlerisch leider völlig unbegabt bin und hoffe deswegen auf das nächste Leben. Dann möchte ich nämlich als Innenarchitektin geboren werden. Kreativität selbst wurde mir zwar schon in diesem Leben in die Wiege gelegt, leider nur nicht das Talent, selber zu malen.“

Ihre beruflichen Anfänge bestritt Britta Fleck vorerst im Finanz- und später im Creative-Bereich einer Plattenfirma. Eine kreative Arbeit also, bei der Fleck für alle visuellen Belange wie Cover-Shootings, Layouts, Videos und Verpackungen tätig war. Diese Arbeit war es auch, die Britta Fleck schließlich zu ihrer Berufung brachte:

„Bei der Plattenfirma arbeitete ich natürlich bei Shootings oder Drehs sehr eng mit den verschiedensten Make-up-Artists zusammen, die in Drehpausen dann oft an mir herumgefummelt und Looks ausprobiert haben. Das fand ich grandios. Heute kann ich sagen, dass ich von diesen tollen Menschen, die ich heute als absolute Künstler ansehe, den Großteil meines Know-hows lernen durfte.

Ich war damals 23, als ich Kosmetik für mich als einfachste Art mit Formen und Farben zu hantieren, entdeckte und die absolute Liebe dazu entstand.

Ich begann, mich intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen, damit, welche Farben es gibt, aus welchen Inhaltsstoffen die Produkte hergestellt werden und welche Kosmetika man überhaupt braucht beziehungsweise nicht braucht. Selbstverständlich habe ich fortan unglaubliche Mengen an Geld in Kosmetik – und zwar nicht nur Colour-Kosmetik, sondern vor allem in Pflege für Haare und Haut – investiert.

Wie wurde dann aus dieser Liebe zur Kosmetik die Berufung als Expertin? 

„Bei Glossybox fing ich dann glücklicherweise zum Launch an, als das Team erst 17 Mann fasste. Das müsste jetzt ziemlich genau vor vier Jahren gewesen sein. Damals leitete ich den Bereich ‚Operations‘, wobei die Box an sich und ihr Design, noch nicht mal die Produkte darin, eine meiner Hauptaufgaben war. Also war ich wieder in diesem grandiosen Tätigkeitsfeld, indem ich zwischen Excel-Tabelle und Pantone-Farbe mit den verschiedensten Tönen und Stoffen experimentieren konnte.

Ich habe bei Glossybox und der internationalen Etablierung dieser Idee sehr schnell gemerkt, dass mir die Arbeit mit den Marken unheimlich viel Spaß bereitete. Mit der Zeit habe ich mich immer weiter in eben jenen Bereich hineingearbeitet. So meldete ich mich zu Wort, wenn gewisse Produkte von der Größe nicht in die Box oder zu uns passten. Über die Zeit hinweg hat sich dann mein Arbeitsschwerpunkt immer stärker hin zu Dialogen mit den Partnern aus der Industrie verlagert.“

Sie kommen bei dieser Arbeit mit den internationalen Trends der Kosmetikbranche in Berührung. Gibt es Sachen, mit denen Sie lieber nichts zu tun haben möchten, obwohl Sie Kosmetik lieben?

„Im Allgemeinen ist sich die Welt bei Beauty-Fragen einig. Der wesentliche Unterschied besteht meines Erachtens darin, dass die westliche Seite gerne einen sonnengebräunten Teint anstrebt, in Asien ist das ganz anders. Hier wollen die Menschen Weiß sein und das um jeden Preis.

Was mir allerdings wirklich Angst macht, ist, dass mittlerweile auch in Afrika der Trend hin zur hellen Haut geht. Das finde ich ganz schrecklich, so geht die Individualität des Menschen völlig verloren.

Ich bin so froh darüber, dass man heute Individualität erreichen, sich die Haare blau und das Gesicht tätowieren lassen kann, wenn man das möchte.

Ich sage auch immer zu meiner Tochter, dass sie nicht dieselben Schuhe wie alle anderen Mädchen ihrer Klasse tragen soll, wenn sie ihr nicht gefallen. Bitte erhaltet euch doch alle eure Individualität!“

Sie haben zwei Kinder. In wie weit dürfen die beiden mit Kosmetik herumexperimentieren?

„Ich fördere auf jeden Fall die Experimentierfreudigkeit meiner beiden Kinder. Auch mein Sohn durfte sich als kleines Kind Glitzer-Nagellack auf die Finger malen, wenn er das wollte, er durfte auch so in den Kindergarten. Das ist heute mit 13 Jahren natürlich vorbei.

Bei meiner 12-jährigen Tochter ist es so, dass ich sie nicht geschminkt in die Schule gehen sehen möchte. Wobei sie das glücklicherweise auch gar nicht möchte. Wenn sie sich jetzt schon regelmäßig schminkt, was soll denn dann noch kommen? Ich achte darauf, dass sie sich richtig pflegt und welche Cremes sie verwendet, da ich eben die Inhaltsstoffe kenne. Besonders fährt sie allerdings auf Nagellack ab. Die hat ein Arsenal an Lackfarben, worauf sogar die Mädels von Glossybox neidisch sind. Und Nagellack darf sie verwenden wie sie möchte, auch in der Schule. Nagellack hat für mich nichts mit Make-up zu tun, sondern ist vielmehr ein super individuelles Fashion-Accessoire.“

Ihre Tochter liebt Nagellack. Welche Beauty-Favoriten haben Sie denn?

„Mein ganz klarer Favorit ist Rouge.

Ich bin der Meinung, dass Rouge der schnellste und effektivste Schönmacher ist, den es überhaupt gibt.

Ich benutze auch sehr gern Lipgloss als Rouge, das bringt einen so tollen Glow, den ich sehr gern mag. Ein weiteres Muss im Leben einer Frau ist zweifelsohne Mascara für einen wachen Blick. Ohne Mascara sehe ich aus wie ein Zombie. Als letztes glaube ich an die Macht von Nachtcremes. In der Nacht regeneriert sich die Haut, demnach hat Nachtcreme einen sehr starken Effekt. Besonders gern mag ich derzeit ‚Midnight Recovery‘ von Kiehl’s.

Wenn ich jetzt aber gerade bei Produkten bin: Das beste Produkt ist für mich die Mizellen-Abschminklotion von Avène, mein absolutes Nonplusultra. Meine Haut war nie sauberer. Denn Wasser gehört meines Erachtens nicht ins Gesicht, man reinigt es am besten immer mit einer Lotion, die saugt alles auf, was da nicht hingehört.“

Wie bekommen Sie Ihre Kinder und Ihren sehr zeitraubenden Job unter einen Hut?

„Mir ist es sehr wichtig, dass meine Kinder wissen was ich mache. Sie kennen das Team, sind auch oft hier im Büro und werden von den Kollegen sehr liebevoll behandelt. Ich übe keinen Halbtagsjob aus und bin sehr oft unterwegs, weswegen sie auch häufig bei Babysittern sind.

Das Verständnis meiner Kinder hilft mir sehr, um meinem Beruf überhaupt nachgehen zu können. Das war bei mir als Kind auch so.

Mein Vater hat mich oft mit ins Büro genommen, ich fand das super und konnte dadurch verstehen, wofür mein Papa eigentlich den ganzen Tag unterwegs war.“

Was sind heute Ihre Visionen, gibt es etwas, was Sie noch gerne erreichen möchten?

„Beruflich reizt es mich sehr, noch einmal ins Ausland zu gehen. Was in meinem Job gar nicht mal so schwierig wäre, mit den Kindern jedoch eine Herausforderung darstellt. In Bezug auf meine Position, möchte ich unbedingt noch mehr Kampagnen starten, beispielsweise liegt mir eine SPF-Kampagne sehr am Herzen. Eigentlich möchte ich, dass es kein Produkt mehr ohne Sonnenschutz auf dem Markt gibt, außer natürlich für Allergiker. Ich würde liebend gern mehr Aufklärung in diesem Bereich betreiben und jungen Menschen verständlich machen, wie wichtig es ist, Hautkrebs vorzubeugen.

Auch eine Kampagne gegen diesen furchtbaren Bleaching-Trend Afrikas schwebt mir im Kopf herum. Und es muss ganz schnell etwas gegen den negativen Beigeschmack von Anti-Aging getan werden.

Ich bin 42 und fühle mich super.

Dieser Name ‚Anti-Aging‘ suggeriert fälschlicherweise, dass Altern etwas ganz Schlimmes ist, obwohl man seiner Haut nur etwas Gutes tut. Und das sollten auch junge Frauen ab Mitte Zwanzig.“

Und privat?

„Ich würde wahnsinnig gern nochmal ins Ausland gehen. Nein Spaß bei Seite. Ich würde gerne ein Kind adoptieren. Aber erstens bin ich dafür zu alt und zweitens würde mein Liebster wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen. Und ich hätte gerne noch ein Haus auf dem Land, Gärtnern finde ich nämlich auch ziemlich cool.“

Gärtnern, also Umgraben und Co.? Ist es vielleicht eben die Perfektion und das gestriegelt Saubere, was Sie manchmal auch an Ihrem Beruf stört?

„Ich interpretiere das ganz anders. Für mich ist Beauty nicht nur Schönheit, sondern Wohlbefinden. Ich halte mich und auch die Branche nicht für oberflächlich. Ich trage mir eine Creme oder den Rouge auf die Haut auf, aber das ist auch das einzig Oberflächliche an der ganzen Sache.

Es geht nicht darum, irgendjemandem zu gefallen, man muss sich selber gefallen und sich selbst die Sicherheit des Wohlbefindens bieten. Natürlich gehört schöner Lippenstift manchmal dazu, aber Beauty ist eben sehr viel mehr als das.“

Was macht eine Frau für Sie schön?

„Es wäre gelogen, wenn ich sage würde, ich stünde nicht auf klassische Schönheiten. Ich finde es toll, wenn jemand groß und schlank ist, hypnotisierende Augen und glänzende Haare hat. Es gibt ganz einfach Frauen, die optisch zum Niederknien sind.

Ich muss auch ehrlicherweise sagen, dass ich gern gutaussehende Frauen einstellte. Wenn die Bewerberinnen auf dem Papier alle gleich sind, dann suche ich mir die Schönste, die absolute Killer-Kombination, heraus. Allerdings sind neben all den Audrey Hepburns und Sienna Millers dieser Welt vor allem Frauen mit natürlichem und authentischem Selbstbewusstsein anziehend für mich. Barbara Schöneberger, diese Frau macht mit ihrer Klugheit, ihrem Witz, der Unangepasstheit, dem Selbstbewusstsein und der Menschlichkeit einfach alles richtig und ist für mich die Inkarnation der schönen Frau.“

Für mich sind Sie eben genau jene starke, selbstbewusste und kluge Person, die Sie für schön empfinden. Wen sehen Sie in Britta Fleck?

„Ich denke, auf Arbeit sehen viele eine coole Frau in mir, aber sie sehen auch die Böse mit dem erhobenen Zeigefinger. Ich bin in vielen Belangen ein sehr unangepasster Mensch, mal positiv und mal negativ. Ich kalkuliere auch ganz klar ein, dass ich in meinem Leben das eine oder andere Mal anecke, so ehrlich muss man die Welt schon sehen. Ich bin kein ‚Everybody’s Darling‘, das erwartet auch keiner von mir. Und vielleicht ist es auch genau das, was meinen Erfolg ausmacht:

Ich mache Fehler, ich bewege mich gern auf Glatteis – von nichts kommt nun mal nichts. Die steilste Lernkurve erreicht man durch Fehler, die richtig wehtun.“

Warum liebt desired.de Britta Fleck:

Weil wir die inspirierende Powerfrau als einen Menschen kennenlernen durften, den Sachar Klein, der Leiter der globalen Kommunikation von Glossybox, sehr gut in Worte zu fassen wusste: „Sie ist ein Mensch, den es so sicher kein weiteres Mal gibt, ein Menschen, der so ehrlich und individuell ist, wie man es heutzutage leider immer seltener findet.“ Wir lieben Britta Fleck, weil sie sich wahrscheinlich unbewusst zu eben jenem Menschen entwickelt hat, den sie selbst so achtet und nicht zu einem, der mit Perfektion ins Bild der oft als oberflächlich bewerteten Branche passt.

Sehen Sie sich die Beauty-Lieblinge von Britta Fleck in unserer Fotoshow an.

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