Das Warten hat ein Ende: Der neue Zafón ist da!

am 09.12.2012 um 16:07 Uhr

Mit “Der Gefangene des Himmels” bringt der spanische Autor Carlos Ruiz Zafón nun endlich den nächsten Teil seiner “Friedhof der vergessenen Bücher”-Reihe raus und begeistert damit seine Fans und die, die es noch werden wollen.

Die Tage werden kürzer, es wird schneller dunkel und der Mensch genießt bei grauen Wolken und kalten Temperaturen wieder mehr die eigenen vier Wände. Für die Buchhandlungen bedeutet dies einen Anstieg an Verkäufen, was natürlich auch dem Weihnachtsshopping geschuldet ist. Doch bei dem Überangebot an Romanen und Sachbüchern auf dem deutschen Buchmarkt steht man als Verbraucher häufig vor einer besonderen Herausforderung. Was ist hier eigentlich was, und wo finde ich es?

Von seinen Fans schon sehnsüchtig erwartet und gerade erst im Fischer-Verlag erschienen, ist das neue Meisterwerk von Carlos Ruiz Zafón. “Der Gefangene des Himmels” lautet der auch dieses Mal sehr poetische Titel des neuen Romans des Bestsellerautors und stellt den dritten Teil im Kosmos rund um den “Friedhof der vergessenen Bücher” dar. Ein Muss für eingefleischte Liebhaber, aber auch ein Tipp für alle, die sich an einem Sonntagnachmittag auf die Couch kuscheln und einen Schmöker der Sonderklasse regelrecht verschlingen wollen. Bereits vor neun Jahren erschien “Der Schatten des Windes”, das erste Werk der geplant vierteiligen Serie, in Deutschland und verkaufte sich weltweit über zehn Millionen Mal. In seinem neuesten Geniestreich greift er die Figuren aus dem ersten Teil, Daniel Sempere und Fermín, erneut auf, spinnt das unheimliche und fantastische Netz weiter und schafft somit eine inhaltliche Brücke zwischen seinem so erfolgreichen Erstlingswerk und dem zweiten Roman “Das Spiel des Engels”.

Das mystische Barcelona im Mittelpunkt

Aber nicht nur die Figuren kennt der geneigte Leser bereits, auch Zafóns Heimatstadt Barcelona stellt wieder ein zentrales Thema dar. Die fantastischen Abenteuer seiner Helden beziehungsweise Antihelden verknüpft er mit der liebevollen, aber auch düsteren Sicht auf die Metropole. Dort finden sich Daniel Sempere und sein Freund Fermín Romero de Torres wieder zusammen, wobei der Leser nun endlich lernt, was damals im Montjuic-Gefängnis für politische Querdenker wirklich mit Fermín passierte, nachdem diese Geschichten im ersten Teil nur sporadisch angeschnitten wurden. Dort lernte Fermín unter anderem auch den Schriftsteller David Martín kennen, die Hauptfigur aus Teil zwei, womit dem Autor der Übergang mühelos und galant von der Hand geht. Der Teufel in Menschengestalt wird dieses Mal von Gefängnisdirektor Mauricio Valls verkörpert. Zafón bezieht dabei deutlich Stellung zu den grausamen Menschenrechtsverletzungen während und kurz nach dem spanischen Bürgerkrieg. Wie immer sehr detailreich und in schon fast kinematographischen Bildern beschreibt Carlos Ruiz Zafón, der auch Drehbücher schreibt, die Gräueltaten im Gefängnis und prangert damit ein Stück weit spanische Geschichte an. Nichts für zart Besaitete. Aber genau diese bildliche Sprache gepaart mit einer großen Dosis Mystizismus und Witz macht den unverwechselbaren und anziehenden Stil des gebürtigen Barcelonesen aus, der seit knapp zehn Jahren nun schon in Los Angeles lebt.

Schon immer ein Hang zum Düsteren

Seinen Hang zu geheimnisvollen und teilweise schon übernatürlichen Themen und Figuren entdeckte Zafón übrigens schon sehr zeitig, wie er in einem Interview mit dem Fischer-Verlag verriet: “Als ich zum ersten Mal Geld für etwas von mir Geschriebenes erhielt, war ich acht Jahre alt und dachte, mit 13 bin ich berühmt. Ich gründete mit einigen Freunden an der Schule einen Verlag. Einer kümmerte sich um die Gestaltung, ein anderer machte die Kopien, und ich schrieb. Es waren Horrorgeschichten mit Außerirdischen und Vampiren. Mit dem Geld, das wir einnahmen, kauften wir uns Süßigkeiten. Seitdem habe ich nicht aufgehört zu schreiben.” Zum Glück für seine Fans hat er das nicht und so können die Leser nun wieder eintauchen in eine Welt aus ungezügelter Spannung, unverblümter Realität und unheimlicher Fantasie. Allerdings steht der Roman nicht ganz selbstständig, wie auf dem Klappentext angepriesen, sondern ist tief verwurzelt als Teil der Reihe und sollte auch in dessen Kontext gelesen werden. Ohne Vorkenntnisse zu den Schauplätzen und Charakteren könnte der Roman eindimensional wirken. Als Teil des Ganzen jedoch entfaltet auch diese schriftstellerische Glanzleistung seine volle Pracht und macht durch einen gekonnt platzierten Cliffhanger viel Lust auf den vierten und letzten Teil, auf den wir nun aber wohl erst einmal etwas warten müssen. Doch auch ohne die inhaltliche Verknüpfung ist das Lesen von “Der Gefangene des Himmels” durch die einzigartige Stimme von Carlos Ruiz Zafón ein wahres Highlight im undurchsichtigen Dschungel zeitgenössischer Literatur. Das Buch wegzulegen fällt bei ihm generell eher schwer und da ist dieser Roman keine Ausnahme. Prädikat: literarisch besonders wertvoll!

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