Bewegliche Schuhe

Wenn sich Frauenträume erfüllen: Ein Schuh mit vielen verschiedenen Absatzhöhen

am 15.04.2015 um 12:22 Uhr

Die Fersen brennen, die Zehen drücken: Immer wieder das gleiche Prozedere mit den High Heels und doch können wir nicht auf unsere geliebten, hohen Absätze verzichten. Wie schön wäre es doch, sich nach einer langen Tanznacht in seinem Lieblingsschuh einfach ein paar Etagen nach unten zu fahren, bequem zu laufen und endlich auf die lästigen Wechselschuhe im Gepäck verzichten zu können? Aufgepasst, Ladies: Unsere Träume wurden erhört! Und das ausgerechnet von drei Herren. Wir verraten Ihnen hier und in unserer Fotoshow , wie Sie bald aus einem Schuh in Handumdrehen drei machen.

Von High Heel auf Flat geht bald ganz einfach – ohne Schuhwechsel, versteht sich. Drei Münchener Herren machen es mit ihren verstellbaren Absatzschuhen möglich.

Das Prinzip der flexiblen Schuhe

Das Label Mime et Moi wird ab voraussichtlich Juni 2015 verschiedene Sandalen-Modelle auf den Markt bringen, die sie im Preissegment zwischen 150 und 200 Euro bewegen. Die eleganten Damenschuhe sind mit einer beweglichen Sohle ausgestattet, die es ihrer Trägerin ermöglicht, je nach Laune, High Heels, Stilettos oder Flats zu tragen. Dafür wird an der Sohle ein Hebel gezogen, der Absatz nach hinten abgezogen und ein neuer Absatz auf die an der Sohle angebrachte Schiene geschoben, durch ein Auftreten rastet der Absatz ein. So viel zum grundsätzlichen Prinzip. Das hört sich allerdings einfacher an, als es tatsächlich ist, wie uns Oliver Barth, einer der drei Münchner Entwickler, im Interview erzählte:

„Als die Idee geboren war, haben wir erst einmal ein paar alte Schuhe auseinander genommen, um zu verstehen, wie die Sohlen überhaupt aufgebaut sind. Vor drei Jahren ging es dann mit der Umsetzung los. Mein Kollege Christian hatte in seinem Maschinenbau-Studium die Möglichkeit, verschiedene Projekte vorzustellen und schlug eben eine bewegliche High-Heel-Innensohle vor. Diese Idee traf auf allgemeines Interesse, wir erhielten den Zuschlag eines Gründungszentrums und konnten erste Prototypen fertigen. Wir stützten uns auf verschiedenste Förderprogramme, waren viel in Europa unterwegs, machten Visite bei Schuhfabriken, suchten Partner und verbanden unser Konzept mit dem grundsätzlichen Schuhhandwerk. Schließlich bauen wir eine komplett neue Technik in den Schuh, die die Fabriken noch nicht kannten und die nun erst einmal in ihren Fertigungsprozess integriert werden musste. Jetzt befinden wir uns nach den turbulenten Jahren auf der Zielgeraden.“

Wenn sich Männer für Frauen einsetzen

Bleibt allerdings immer noch die Frage, wie ausgerechnet drei Herren auf die Idee kommen, den Frauen den Alltag zu erleichtern und sie sich noch mehr in ihren Lieblingsschuh verlieben zu lassen. Selbstverständlich war es auch die Damenwelt, die die Inspiration für diese Technik brachte.

„Vor circa vier Jahren waren wir mit unseren Freundinnen unterwegs und haben uns wahnsinnig darüber amüsiert, dass sie nach der langen Tanznacht ihre High Heels auszogen und barfuß nach Hause liefen. Wir fanden es absurd, dass sich Frauen in so unbequeme Schuhe zwängen, um am Ende doch ganz ohne sie zu laufen. Also haben wir uns überlegt, den Schuh irgendwie so zu zerlegen und umzubauen, dass Frauen ihre Absätze einfach abnehmen können.“

Bis zum Juni sollen die Mime et Mois als feminine und elegante Sandalen-Formen etabliert werden und in bisher fünf verschiedenen Styles unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. „Der ‘Candy’ ist beispielsweise ein sehr trendorientierter Schuh in saisonbezogenen Farben, während andere Modelle eher klassisch oder besonders extravagant gehalten sind. Wer sich dann für einen Lieblingsschuh entscheidet, kann diesen immer und überall tragen, bekommt einen hohen Blockabsatz, einen mittleren Stiletto und einen flachen Absatz mit dazu. Je nachdem, wie sich unser Markteintritt gestaltet, werden wir das Angebot selbstverständlich weiter ausbauen, Pumps, Peeptoes oder sogar Stiefel, die Königsdisziplin, mit der beweglichen Sohle ausstatten.“

Allein auf dieser Welt?

Eigentlich ist es doch kaum zu glauben, dass noch nie jemand auf die Idee kam, Schuhe mit abnehmbaren und austauschbaren Absätzen zu kreieren. So ist es auch nicht, denn seitdem es High Heels gibt, versuchen die Menschen diese mit den verrücktesten Konzeptvorschlägen flexibler zu gestalten, allerdings mit wenig Erfolg. Der Kanadierin Tanya Heath gelang es jedoch als Erste, einen High Heel mit abnehmbarem Absatz zu kreieren. Ihre Schuhe zeichnen sich neben der Höhenverstellbarkeit vor allem durch breite Absätze und modernes Design aus.

Einen Unterschied zum Äquivalent aus Deutschland gibt es trotzdem, wie uns Oliver Barth erzählte: „Mit unserer Art von flexiblen Schuhen sind wir weltweit die einzigen, deswegen konnten wir auch Patent anmelden. Die Schuhe von Tanya Heath sind zwar ebenso höhenverstellbar, allerdings variieren die Absätze bei ihr nur zwischen vier und sieben Zentimeter. Ihre Schuhe haben keine bewegliche Innensohle wie wir sie haben. Bei Tanyas Schuhen ist die Innensohle am Fußballen aus einer Art Gummi gefertigt, wodurch der Schuh zwar flexibler wird, aber eben nur Höhenunterschiede von drei Zentimetern erlaubt. Für uns war es allerdings besonders spannend, eben zwischen ganz hoch und ganz flach wechseln zu können. Dadurch verändert sich nämlich die gesamte Schuhform, das Leder, die Lauf- und Decksohle und das geht nicht mit einer starren Sohle wie sie Tanya verwendet. Ihre Schuhe sind toll, sie hat ihr breites, auffälliges Absatzsystem zu ihrem eigenen Design gemacht. Wir wollten allerdings Schuhe, denen man ihre Flexibilität nicht ansieht, die augenscheinlich ein Schuh wie jeder andere sein könnten.“

Sehen Sie sich die höhenverstellbaren Schuhe von Mime et Moi und Tanya Heath in unserer Fotoshow an und überzeugen Sie sich selbst von den mehr oder weniger beweglichen Schuhen.

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