Couture Chic: Die Rückkehr der Eleganz

am 06.12.2012 um 15:57 Uhr

Feine Materialien, klassische Formen und raffinierte Schnitte – warum Designer sich wieder auf den Couture-Look der fünfziger Jahre beziehen und wie Eleganz auch in unserem Alltag Einzug halten kann.

Spätestens seit der Abschiedsshow von Raf Simons für das Label Jil Sander ist die Tatsache allgegenwärtig – schlichte Eleganz ist zurück. Mäntel mit halsfernem Kragen und halblangen Ärmeln, Doubleface-Optiken, feine Swing-Kleider, damenhafte Kostüme, taillenbetonte Blusen und enge Miedertops sind Gegenstand seiner Kollektion – geprägt von der Ära der fünfziger Jahre, in der Frauen als Damen gelten und Attitüde, Anstand genau wie Etikette im Vordergrund stehen. Perfektion und makellose Schönheit werden zum Ideal einer ganzen Generation. Grace Kelly, Jackie Kennedy und Kaiserin Soraya avancieren in dieser Zeit zu Stilikonen.

Eleganz in der Moderne

Die Designer lassen sich davon heute stark inspirieren, interpretieren den Abschnitt aber auf ihre Weise und übersetzen den Stil in die Gegenwart. So entsteht auf den Laufstegen ein neuer, zeitgemäßer und moderner Look. Bei den Kollektionen von Elie Saab, Mary Katrantzou, Lena Hoschek oder Hakaan entdecken wir strenge Linien, skulpturale Schnitte, sinnliche Farben und luxuriöse Stoffe. Die Betonung liegt auf der Taille und dem Dekolleté. Wadenlange, weit ausgestellte, fließende Röcke, figurbetonte Blusen sowie freie Schulterpartien formen eine weibliche Silhouette. Seriöse Extravaganz trifft auf klassische Eleganz.

Wo finden diese Couture Chic-Kreationen ihren Ursprung? Um dieser Frage nachzugehen, kommt man um zwei Designer nicht herum – Christian Dior und Christobal Balenciaga. Beide gelten als Vorreiter der Haute Couture und der modernen Eleganz. Mit ihren Visionen haben beide Glamour erst möglich gemacht. Kritisch und perfektionistisch umfasst beide ein Mythos der Ewigkeit. Mit hohem Anspruch und stets risikofreudig treiben sie sich zu Höchstleistungen. Die Magie hinter jedem Entwurf, die Hingabe, die an jeder einzelnen Naht und jedem Saum zu spüren ist, macht jedes Stück zu einem Kunstwerk. Dem Spanier Balenciaga wird nachgesagt, dass er seinen Mitarbeitern oft ungeduldig die Schere entriss, um damit ein Kleid an der Vorderseite aufzuschlitzen – nur um zu sehen, wie sich der Stoff dabei veränderte.

Auch Christian Dior schaffte nach langen Jahren des Experimentierens seinen Durchbruch mit dem 1948 kreierten „New Look“. Kleider, Kostüme und Mäntel zeichneten sich durch schmale, runde Schultern, eine enge Taille und einen wadenlangen, schwingenden Rock aus. Dior gelang es, die neue Linie auf die Tageskleidung zu übertragen und alle Accessoires darauf abzustimmen.

Klassische Werte und der Stil der Vergangenheit

Was als Couture bezeichnet wird, unterliegt den strengen Regeln der Chambre Syndicale de la Haute Couture. Das französische Institut lässt seine Wurzeln bis in das Jahr 1868 zurückverfolgen. Es legt bis heute unter anderem fest, welche Designer offiziell bei den Couture-Schauen ihre Werke präsentieren dürfen. Was bedeutet das für den Begriff Couture an sich? Sie wird vor allem von den Designern zeitgenössisch interpretiert und haucht dem Etikett neues Leben ein. In den Ready-To-Wear-Kollektionen wird dies besonders deutlich. So verwenden die Modeschöpfer exklusive Materialien und konzentrieren sich auf die Schneiderkunst. Klassische Werte und der Stil vergangener Jahrzehnte und Epochen beeinflussen die heutige Mode immer wieder und machen sie so einzigartig.

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