Klaviatur der Essenzen: Wie Parfumeure Düfte kreieren

am 26.12.2012 um 22:44 Uhr

Die Kreation eines unvergesslichen Duftes gleicht einem künstlerischen Akt. Nicht ohne Grund wird der Parfumeur gerne mit dem Maler, dem Komponisten oder auch dem Literaten verglichen. Alle schöpfen sie aus einer nahezu grenzenlosen Palette an einzelnen Bausteinen, die richtig zusammenzusetzen gilt.

So wie der Komponist die Noten erwählt, die in ihrer Abfolge die schönsten Klänge ergeben, so muss auch der Parfumeur die Duftstoffe finden, die in ihrer Kombination einen einzigartigen Duft entwickeln. Es ist also kein Wunder, dass der Beruf des Parfumeurs viel mehr ist, als das Erlernen von Formeln und das Wissen um die Struktur von Molekülen. Parfumeure brauchen einen geschulten Geruchssinn, den sie von Jahr zu Jahr perfektionieren, und zudem ein Gespür für Zeitgeist, Mode und Trends; für die Bedürfnisse der Gesellschaft und deren Ansprüche. Voraussetzungen, die sich nicht unbedingt leicht erlernen lassen. Mitunter ein Grund dafür, warum der Beruf des Parfumeurs eher seltener Natur ist. Außerdem zählt dieser in Deutschland nicht zu den Ausbildungsberufen und weltweit gibt es nur eine Handvoll Schulen, die die Kunst der Parfumherstellung lehren.

Die Magie der Vielfalt

Hat der Parfumeur sein Handwerk erlernt, steht er in etwa 2000 bis 3000 unterschiedlichen Duftstoffen gegenüber, die inzwischen auch mit Hilfe spezieller Computerprogramme zu Düften designt werden. Diese Stoffe sind entweder natürlicher oder synthetischer Art – wobei es heutzutage ohne synthetische Stoffe gar nicht mehr möglich wäre, den Wunsch nach immer neuen Düften zu befriedigen. Auch wenn natürliche Duftstoffe als exklusiver empfunden werden, gewisse Düfte lassen sich überhaupt nur synthetisch entwickeln. So würde die gewonnene Essenz der Rose zum Beispiel nicht nach Rose riechen – ganz einmal davon abgesehen, dass für einen Liter Rosenöl eine Tonne Rosenblätter benötigt wird. Dasselbe gilt für den betörenden Duft der Magnolie, der erst durch eine Mischung von Rose, Jasmin, Neroli, Ylang-Yalng und synthetischen Aromastoffen entsteht.

Die Kunst, einen Duft zu kreieren

Bei der Parfumherstellung steht der Parfumeur zuallererst vor der Entscheidung, ob der Duft floraler, orientalischer oder aber auch holziger Natur sein soll; zudem, ob es eher in die maskuline oder feminine Richtung geht. Dann geht es an die Komposition des Duftes und die Auswahl der einzelnen Duftstoffe, wobei an dieser Stelle auf die Wirkung von Kopfnote (verfliegt nach ca. 15 Minuten), Herznote (einige Stunden wahrnehmbar) und Basisnote (bleibt bis zu einem Tag auf der Haut wahrnehmbar) geachtet werden muss. Dieses Zusammenspiel wird gerne als die Dreifaltigkeit des Duftes bezeichnet und hier zeigt sich, ob der Parfumeur sein Handwerk wirklich versteht.

Wenn Sie tiefer eintauchen wollen in die Welt eines Parfumeurs und nachempfinden wollen, was bei der Kreation eines Duftes im Parfumeur vorgeht, empfehlen wir Ihnen die Lektüre des Tagebuchs „Der geträumte Duft“ von Jean-Claude Ellena, der seit dem Jahr 2004 für Hermès seine Duftkunst sprechen lässt.

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