Verkehrte Welt

Verkehrte Welt: Warum so viele Frauen für Männer und Männer für Frauen designen

am 02.04.2014 um 15:23 Uhr

Wenn Sie sich auch nur ein wenig für Mode interessieren, dürfte Ihnen bereits aufgefallen sein, dass im höchsten Olymp des Fashion-Business irgendwie verkehrte Welt herrscht. Zunehmend ist zu beobachten, dass Männer lieber für Frauen designen und die großen Namen hinter dem Lieblings-Look im weiblichen Schrank meist Männer sind. Aber auch immer mehr Frauen interessieren sich dann doch mehr für die Garderobe des anderen Geschlechts und designen lieber Kollektionen für die Herren der Schöpfung. Doch warum ist das so? Warum designen so viele Männer für Frauen und anders herum, Frauen für Männer? Wir sind dieser Frage einmal auf den Grund gegangen und stellen Ihnen in unserer Fotoshow Designs für das jeweils andere Geschlecht vor.

Selbstverständlich gibt es für den Erfolg eines Labels keinen Garant, schon gar nicht ist das Geschlecht des Designers ausschlaggebend. Es gibt viele Frauen wie Isabel Marant und Phoebe Philo oder Herren wie Tom Ford oder Alexander McQueen, die auch für das gleiche Geschlecht designen. Allerdings beobachten wir genauso häufig, dass viele Designer auch für das andere Geschlecht entwerfen.

Die Frage nach dem Warum

Vor allem für Frauen ist es bei der Garderobe wichtig, dass sie sich wohlfühlen, die schönsten Körperpartien also betont und die Problemzonen kaschiert werden. Besonders essentiell ist es allerdings für die Damen, dass sie so aussehen, wie die Männerwelt sie sehen möchte. Wer könnte das denn wohl besser wissen als ein Mann? Gerne nehmen die Frauen also die Ratschläge der Herren an (sofern diese Insider sind und Ahnung haben, versteht sich). Ganz egal, ob die männlichen Designer dieser Welt in vielen Fällen homosexuell sind oder nicht, sie gehen in Sachen Fashiondesign für Frauen scheinbar weitaus objektiver an die Entwürfe heran als es Frauen tun.

Während Frauen häufig in ihrer eigenen Sichtweise auf sich selbst gefangen sind, können die Herren ihrer Kreativität in den Designs freien Lauf lassen. Der Designer Tom Ford äußerste sich vor einigen Jahren zu diesem Thema und stellte fest, dass die Herren im Frauen-Design einfach kreativer sein können und nicht mit dem Unmut auf gewisse Körperpartien zu kämpfen haben. Männer haben also einen weitaus größeren Fantasiebereich als Frauen und können diesen mit ihrer unvoreingenommenen Kreativität besser zum Ausdruck bringen – sei es in Form dramatischer Haute-Couture-Kreationen oder durch sexy Ready-to-wear-Designs.

Die weiblichen Designer haben ihren männlichen Kollegen gegenüber allerdings den Vorteil, dass sie pragmatischer denken und den Fokus auf das Praktische sowie auf ein geradliniges Design lenken. Sie übergestalten somit nicht, da das im übertragenen Sinne ja schnell auftragen könnte. Und eben das kommt bei den Herren an. Die Kollektionen sind somit nicht zu verspielt und blumig, was bei vielen männlichen Men’s-Wear-Designern der Fall ist.

Die Frage nach dem WARUM wäre damit geklärt. Aber wer sind denn nun die Designer, die sich für das Design des anderen Geschlechts entschieden haben und welche Art von Mode schaffen Sie? Wir verraten es Ihnen.

This is a (wo)man’s world

Der Designer Oscar de la Renta ist das beste Beispiel dafür, warum Männer für Frauen designen sollten. Nicht erst durch Carrie Bradshaw und „Sex and the City“ wurde der Designer weltberühmt. Zwar gehört er, genauso wie Manolo Blahnik, fest zum Interieur der Serie, doch trotzdem war es nicht nur Carry, die ihn zum Premium-Designer machte, sondern eben seine Klasse, die die Prominenz mehrfach für sich entdeckte. Auch, wenn die Stilikone Carry im Film in seinem Kleid vor der Metropolitan Opera ohnmächtig wurde und anschließend im einem Fast-Food-Restaurant landete. Der Designer wird für seine glamourösen Abendkleider geliebt, die anders als andere Designs von Modemachern, eben nicht das Streetstyle-Image verkörpern. Seine Kleider aus Seide, Satin und Chiffon sind verspielt, mit Perlen, Schleifen, Spitze und Stickereien verziert und stehen für einen gewissen Haute-Couture-Charakter. De la Renta lässt die Cinderella in uns Damen aufleben und schafft es, eigentlichen Kitsch in absolute Klasse zu verwandeln.

Im Gegensatz dazu steht der Designer Derek Lam, der seine Karriere bei Michael Kors  begann, bevor er sein eigenes Label gründete. Seit 2003 konnte er sich mit seinen präzisen Silhouetten einen Namen machen und steht seitdem für weiche, weibliche Kollektionen mit einer Hommage an die romantischen 70er Jahre. Seine Linien sind stets von klassischen Formen sowie femininen Prints und Farben geprägt. Er bringt Design eben auf den Punkt.

Das präzise Design ist auch Phillip Lims Stärke. Jedoch verbindet er klassische Eleganz mit lässigem Chic zu einer geradlinigen, femininen Linie. Phillip Lim hatte das große Glück, von der Textilunternehmerin Wen Zhou entdeckt zu werden. Sie unterstütze den jungen Designer mit seinem Label 3.1 Phillip Lim beim Durchbruch. Phillip Lims Designs sind unkompliziert und absolut Street-tauglich, er selbst beschreibt seine Kollektionen als klassisch mit einem Hauch Wahnsinn. Der Designer weiß einfach, wie die Frauen gekleidet sein wollen und hat ein geschicktes Händchen für den Stilmix.

Die Damen in der Herren-Riege

Was die Männer können, können wir schon lange. Obwohl sich immer mehr Designer an der Mode-Spitze absetzen, gibt es doch auch Frauen, die sich im Men’s-Wear-Segment durchsetzen. Die deutsche Designerin Esther Perbandt beispielsweise. Sie schafft es auf ganz spezielle Art und Weise, maskuline Elemente mit ihrem femininen Sinn für Stil zu kombinieren. Dabei kreiert die Berlinerin avantgardistische Designs, bei denen zarte und grobe Stoffe im Einklang miteinander stehen und dem männlichen Auftreten somit einen stilvollen Touch von Sanftheit verleihen. Schwarz, Weiß, Beige und Grau bestimmen die Linien der klassischen Men’s-Wear-Kollektionen.

Ganz anders kleidet Becky French den modernen Mann ein. Sie ist die Designerin hinter dem britischen Label Marwood. French designt Herren-Halsbekleidung – also alles, was sich der Herr um den schönen Nacken hängen kann, wie zum Beispiel Fliegen, Krawatten und Schals. Die Idee hinter dem Label ist ganz einfach: Becky French hat einfach zu viele Männer mit zu hässlichen Krawatten gesehen und möchte dies mit ihren ganz eigenen Designs ändern. Mit Spitze und Mustern, die gegen die traditionelle Optik von Fliegen und Krawatten sprechen, bricht French außerdem die Regeln des normalen Krawattenknotens. Auf diese Weise verbindet die Designerin eben ganz klassische Formen mit innovativen Ideen, Mustern und Schnitten.

Eine der stärksten im männlichen Fashion-Olymp ist und bleibt allerdings Vivienne Westwood. Welch ein großer Name. Wir alle kennen und lieben Vivienne Westwood für ihre Designs. Doch nicht nur für Frauen zaubert die Designerin unvergleichliche Kollektionen, auch ihre Men’s-Wear-Kollektionen sprechen für sie. Vivienne Westwood hat mit ihrem Stil die Punk-Mode erfunden, bevor diese überhaupt wieder in Mode kam. Die Designs für Herren sind vor allem eines: Männlich und innovativ. Mit Mustern und exzentrischen Schnitten versehen, schafft es Westwood doch immer wieder, ihre Kollektionen trotzdem tragbar und unsagbar cool zu machen.

Neugierig? Selbstverständlich verrät Ihnen unsere Fotoshow, wie genau die Kollektionen der Designer aussehen und warum es eben gut so ist, dass Frauen für Männer und Männer für Frauen designen .

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