Diana Vreeland – The Eye Has to Travel

am 20.04.2013 um 15:40 Uhr

Diana Vreeland war mit Abstand die einflussreichste Person in der Mode des 20. Jahrhunderts und ist unter Modekennern wohl bekannt. Sie war eine Visionärin und eine Romantikerin, die Menschen mit ihrer Arbeit und ihren Geschichten für Harper’s Bazaar und Vogue in ihren Bann zog. Der Dokumentarfilm Diana Vreeland – The Eye Has to Travel von Lisa Immordino Vreeland ist eine wunderschöne Reise in die fabelhafte Welt einer beeindruckenden Vorreiterin der Mode. Dieses Meisterwerk gewann kürzlich in der Kategorie Fashion den Design of the Year Contest des angesehenen Londoner Design Museums.

Die Geschichte einer Visionärin

Lisa Immordino Vreeland, Ehefrau von Dianas Enkel Alexander Vreeland, war schon in jungen Jahren von ihrer Arbeit begeistert. Als sie feststellte, dass es bezüglich Dianas Leben ein paar Wissenslücken gab, wollte sie ihr Wissen über die Karriere und das Privatleben dieser Mode-Ikone mit anderen teilen.

Dieser Film ist eine Reise in die Welt der außergewöhnlichen Diana Vreeland. Von dem Abend an, an dem sie ihre große Liebe Thomas Reed Vreeland kennenlernte, über ihre Zeit als Fashion Editor für Harper’s Bazaar und der amerikanischen Vogue, bis hin zu ihren letzen Jahren bei dem Metropolitan Museum of Art in New York. Die Herzogin der Mode war ihrer Zeit um Längen voraus. Mit ihrer ersten Kolumne „Why Don’t You“ gab sie den Frauen in Zeiten der Rezession urkomische und dekadente Ratschläge: „Wieso tragen Sie nicht ihren Pelzmantel als Bademantel?“ „Wieso tragen Sie nicht violette Samt-Handschuhe zu allem?“ „Wieso waschen Sie die blonden Haare ihres Kindes nicht mit Champagner, wie die es in Frankreich tun?“ Ziel war es nicht, alle in den Ruin zu treiben, sondern die Menschen dazu zu bringen über ihren eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.

„Fact or Fiction? I’d say Faction!“

Mit ihren extravaganten Ideen für Fotoreihen und ihrer Vorliebe für das Außergewöhnliche erkannte sie vor allen anderen die Zeichen der Zeit. Die Leser sollten in dem Magazin Dinge und Orte sehen, die sie nie zuvor gesehen haben. Sie machte aus Models Persönlichkeiten und erkannte bei vielen Künstlern Potenzial, wo andere es übersahen. Sie liebte Menschen mit Schönheitsmakel, denn das machte sie zu etwas Besonderem. Wie eine Wahrsagerin wusste Diana, was wann en vogue sein würde. Sie machte Mode für jeden verständlich und machte immer deutlich, dass Mode nicht nur Kleidung ist, sondern eine Kunst. Dieser Visionärin verdanken wir, dass unsere Modemagazine heute so sind, wie sie sind. Mode-Ausstellungen, wie wir sie heute kennen, verdanken wir ihrer Arbeit im Metropolitan Museum of Art, wo sie als Erste eine Ausstellung von Balenciaga auf die Beine stellte.

Diana Vreeland war eine Meisterin im Umgang mit Worten und erzählte die schönsten Geschichten, sowohl verbal als auch visuell. Nicht alles stimmte unbedingt mit der Wahrheit überein, aber im Leben geht es nicht immer darum Geschichten eins zu eins wiederzugeben, es geht darum die Wahrheit so wiederzugeben, wie sie empfunden wurde – und Diana Vreeland war eine Expertin darin. „Fact or fiction? I’d say faction“, das waren Dianas Worte in Bezug zu ihren vielen Geschichten – Fakten mit einer Prise Fiktion. Der Film steckt voller Liebe und Hingabe. Mit viel Witz, Kreativität und absolut mitreißend, bereitet das Zuschauen unglaublich viel Vergnügen. Ein Augenschmaus für Modekenner und für die, die es werden wollen. Diana Vreeland ist nicht nur eine Ikone der Mode, sondern auch eine inspirierende Persönlichkeit, von der wir noch heute sehr viel lernen können.

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