Porträt

desired.de Close-up: Designerin und Philanthropin Diane von Furstenberg

am 30.04.2015 um 17:41 Uhr

Wir alle besitzen so manches Basic in unserem Kleiderschrank. Das kleine Schwarze, eine Bluse, einen Bleistiftrock. Und dann ist da noch das Wickelkleid, welches wir immer wieder gerne zu festlichen Anlässen oder in der Freizeit hervorholen, schließlich ist kaum ein Kleidungsstück so wandelbar, so locker und doch gleichzeitig elegant. Zu verdanken haben wir seine Erfindung Diane von Furstenberg. Dass hinter der Karriere der belgisch-amerikanischen Designerin jedoch weit mehr steckt als die Kreation dieses einen Kleides, beweist nicht zuletzt ihre aktuelle Ernennung zu einer der 100 einflussreichsten Personen 2015 vom „Time“-Magazin. Erfahren Sie in unserem desired.de Close-up mehr über den spannenden Werdegang von Diane von Furstenberg.

Wer an Diane von Furstenberg denkt, der verbindet mit ihr automatisch elegante, zeitlose Damenmode, die frau zu jeder Gelegenheit schmeichelt und ihr ein gutes Gefühl vermittelt. Dieses selbstbewusste Empfinden beim Tragen der Kleidung rührt nicht zuletzt aus dem Lebensweg der Designerin höchstpersönlich und ihren Erfahrungen mit Emanzipation, Zielstrebigkeit und Selbstständigkeit, die sie bereits in jungen Jahren prägten.

Kindheit, Studium und Hochzeit

Geboren wurde Diane Simone Michelle Halfin am 31. Dezember 1946 in der belgischen Hauptstadt Brüssel. Ihre Eltern waren beide jüdischer Abstammung, ihre Mutter Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz. Die Stärke ihrer Mutter hat sich nachhaltig auf ihre Tochter Diane ausgewirkt, wie diese in einem Interview verriet: „Sie machte mich stark, aber vor allem wollte sie, dass ich von mir aus stark bin, das ist viel wichtiger.“

Nach ihrer Jugend in Brüssel studierte Diane Halfin zunächst Spanisch in Madrid, gefolgt von Betriebswirtschaftslehre in Genf. Danach verbrachte sie einige Zeit in Paris, wo sie als Assistentin des Agenten eines Modefotografen arbeitete. Daraufhin zog es sie nach Italien, wo sie als Lehrling in einer Textilfabrik arbeitete und dort wichtige Dinge über Schnitttechniken, Farben und Materialien erlernte. Hier entwarf sie auch ihr erstes eigenes Kleidungsstück, ein Jersey-Kleid.

1969 heiratete Diane Halfin den deutschen Adeligen Egon zu Fürstenberg, den sie während ihres Studiums in der Schweiz kennengelernt hatte. Seinen Namen trägt sie bis heute, minus der Ü-Striche und die Änderung von „zu“ zu „von“ zum besseren internationalen Gebrauch. Nach der Hochzeit zogen die beiden nach New York, wo ihre gemeinsamen Kinder Prinz Alexander 1970 und Prinzessin Tatiana 1971 auf die Welt kamen. Doch mit einem Dasein als Ehefrau, Mutter und angeheiratete Prinzessin gab sich Diane von Furstenberg nicht zufrieden. Sie wollte sich nicht auf dem Vermögen ihres Ehemannes ausruhen:

„Von der ersten Minute an, in der ich wusste, dass ich Egons Frau werden würde, entschied ich mich dafür, Karriere machen zu wollen. Ich wollte auf eigenen Füßen stehen und nicht nur das kleine, verheiratete Mädchen sein.“

Die Gründung des Labels und die Erfindung des Wickelkleids

1970 begann von Furstenberg unter ihrem Namen mit dem Designen von Damenmode, insbesondere leichten Jersey-Kleidern, wie sie es in Italien gelernt hatte. Auf ihre Entwürfe wurde die berühmte Vogue-Chefin und Vorgängerin von Anna Wintour, Diana Vreeland, aufmerksam und betitelte diese als „absolut umwerfend“. Ihr Label wurde ab diesem Zeitpunkt fester Bestandteil der New York Fashion Week, das Business kam ins Rollen.

1974 kam ihr die Idee zum Wickelkleid, dem Kleidungsstück, mit dem ihr Name bis heute verbunden ist und von dem sogar eines im Costume Institute des Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt ist. Damals sah sie im Fernsehen die Tochter des ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon, Julie Nixon Eisenhower, wie sie ein Ensemble aus einem Wickeltop und einem Rock trug. Daraufhin entschloss sich von Furstenberg, aus zwei Teilen eines zu kreieren.

Mit der Erfindung des Wickelkleides aus lockerem Jersey-Stoff erschuf sie nicht nur ein einfaches, feminines Kleidungsstück, sondern trug damit auch zum Stilempfinden und der weiblichen Emanzipation einer ganzen Generation an Frauen bei, die aus dem Schatten ihres Mannes heraustreten und ein unabhängiges Leben mitsamt Karriere anstreben wollten. Die Designerin selbst definierte ihre Erfindung in einem Interview mit der Zeitschrift „The Independent“:

„Es ist mehr als nur ein Kleid: Es ist eine Stimmung.“

In nur zwei Jahren verkaufte Diane von Furstenberg rund eine Millionen Wickelkleider und wurde damit nicht nur in New York zur bekannten Designgröße, sondern nach und nach auch auf der ganzen Welt.

1976 war sie auf dem Cover des „Newsweek“-Magazins zu sehen und wurde im dazugehörigen Artikel als „marktfähigste Frau seit Coco Chanel“ betitelt. Bereits 1979 soll das Unternehmen laut der New York Times einen Jahresumsatz von 150 Millionen Dollar gemacht haben.

Wandel der Marke mit dem Erkunden neuer Geschäftsfelder

Bereits 1972 ließen sich Diane und Egon von Furstenberg scheiden, ein freundschaftliches Verhältnis blieb bestehen. Durch ihre private und berufliche Unabhängigkeit standen ihr also viele Türen offen. Anfang der achtziger Jahre widmete sie sich vor allem der Beauty-Industrie und brachte eigene Kosmetikprodukte sowie ein Parfum auf den Markt. 1983 wurde ihr der Druck mit den zusätzlichen Lizenzen allerdings zu groß und sie verkaufte ihre Kosmetikfirma wieder.

So wendete sich Diane von Furstenberg wieder ihrer Modelinie zu und eröffnete einen ersten Laden auf der Fifth Avenue. Doch auch hier hielt es die Designerin nicht lange. 1985 entschied sie sich für einen Umzug nach Paris und wandte sich erneut anderen Geschäftsfeldern zu. In der französischen Hauptstadt gründete sie den Verlag „Salvy“ und publizierte eigene Coffee Table Books mit Interior-Themen.

Die Wiederbelebung und Modernisierung des Labels

1990 kehrte Diane von Furstenberg in die USA zurück und musste feststellen, dass ihr Label den Fokus und den Kontakt zu den Kundinnen verloren hatte. Entmutigen ließ sich die Designerin aber nie von solchen Rückschlägen:

„Angst ist keine Option. Verweile nicht auf der Schattenseite, sondern suche das Gute in Dingen und baue darauf auf. Wenn sich eine Tür schließt, dann halte Ausschau nach einer anderen, die sich öffnet.“

Um ihr Geschäft wieder zu beleben, entwarf sie eine farbenfrohe Kollektion an Kleidern, Tops, Blazern, Hosen und Röcken für den Homeshopping-Kanal QVC. Damit revolutionierte sie nicht nur als Pionierin dieses Verkaufsmodell im Fernsehen, ihr gelang es auch, sich wieder einen Namen zu machen. In vier Jahren erwirtschaftete sie so eine Summe von 40 Millionen Dollar.

Zeitgleich begannen junge Frauen in den Neunzigern, die Mode von Diane von Furstenberg aus den Siebzigern wieder für sich zu entdecken, das Wickelkleid wurde erneut zu einem Verkaufsschlager.

Bestärkt durch ihre Homeshopping-Erfolge und die eigenständige Annäherung ihrer Kundinnen an ihr Label re-launchte die Designerin ihr Label im Jahr 1997 mit einer Neuauflage des Wickelkleides. Der Erfolg dieses Schrittes hält bis heute an, „DVF“ ist zu einem weltweit erfolgreichen, etablierten Modelabel avanciert.

Zum Sortiment zählt heute nicht nur Kleidung, auch Accessoires wie Tücher, Sonnenbrillen, Handtaschen und Koffer sowie Schuhe, Schmuck, Parfum und sogar Einrichtungsgegenstände werden in über 55 Ländern vertrieben. Zu ihren prominenten Kundinnen zählen unter anderem Herzogin Catherine, Michelle Obama, Madonna, Jennifer Lopez, Julia Roberts, Sienna Miller und Heidi Klum. Noch heute zählt für Diane von Furstenberg der Gedanke, dass sie mit ihren femininen Kollektionen den Charakter und die individuelle Schönheit der modernen Frau bestärken und zelebrieren will. Letztere definiert die Designerin wie folgt:

„Charakter. Intelligenz. Stärke. Stil. Das macht Schönheit aus. Schönheit zeichnet sich erst durch ihre Unvollkommenheit aus.“

Gegenüber ungewöhnlichen Kooperationen ist Diane von Furstenberg bei ihrem Label ebenfalls aufgeschlossen. So präsentierte sie in Kooperation mit „Google Glass“ die High-Tech-Brillen zum ersten Mal auf ihrer Modenschau für Frühjahr/Sommer 2013.

Soziales Engagement und Philanthropie

2001 heiratete Diane von Furstenberg den amerikanischen Medienmogul Barry Diller, mit dem sie die „The Diller – von Furstenberg Family Foundation“ gründete. Die Organisation unterstützt unter anderem Projekte der Stadt- und Gemeinschaftsentwicklung in New York City, die der Designerin dank ihrer langen Verbundenheit zu der Metropole sehr am Herzen liegen.

2005 erhielt sie den Award für ihr Lebenswerk vom „Council of Fashion Designers of America“, 2006 wurde sie zu dessen Präsidentin gekürt. Diese Position hat Diane von Furstenberg bis heute inne und unterstützt mit ihrem Engagement unter anderem junge Talente in der Modebranche.

Doch ein Anliegen zählt für die mittlerweile 68-Jährige noch einmal besonders: Die Bestärkung und Unterstützung der Emanzipation von Frauen, für die sie sich auf verschiedene Weisen mit Leidenschaft engagiert:

„Ich habe mich der Stärkung von Frauen durch meine Mode, meine Beratung und meine Philanthropie verschrieben. […] Schließlich sind sie es, die mich mit ihrer Kraft und Schönheit inspirieren.“

Aus diesem Zweck schuf sie 2010 beispielsweise die „DVF“-Awards, die jährlich an vier Frauen verliehen werden, die sich als Führungskraft, durch besondere Stärke oder mit ihrem Einsatz für andere Frauen verdient gemacht haben. Auch mit ihrer Familienorganisation setzt sich Diane von Furstenberg für Frauen in der Gesellschaft ein. Zudem sitzt sie im Vorstand der Organisation „Vital Voices“, die sich für die Unterstützung weiblicher Führungskräfte einsetzt. Als Sprecherin der Kampagne „Ban Bossy“ setzte sie sich 2014 dafür ein, dass das Wort „bossy“, zu Deutsch „herrisch“, nicht im Zusammenhang mit Frauen als Chefinnen gebraucht werden soll, um ihre beruflichen Wunschvorstellungen nicht von vornherein durch negative Äußerungen zu hemmen.

Darum liebt desired.de Diane von Furstenberg:

Diane von Furstenberg hat sich nie auf ihren Lorbeeren ausgeruht und sich auch nicht dem Leben einer wohlhabenden Ehefrau im Schatten ihres Mannes hingegeben. Stattdessen hat sie ihr eigenes Schicksal in die Hand genommen und gilt damit bis heute als Paradebeispiel für Emanzipation, Selbstbewusstsein und Zielstrebigkeit. Mit ihrer Arbeit als Modedesignerin lebt sie sich nicht nur kreativ aus, sondern formt ein positives, weibliches Selbstbild und einen unabhängigen Lebensstil moderner Frauen aktiv mit. Und nicht zuletzt macht ihr selbstloser, philanthropischer Einsatz neben ihrer Karriere und ihrem Dasein als Mutter und mittlerweile auch Großmutter von vier Enkelkindern Diane von Furstenberg zu einem Vorbild par excellence.

In unserer Bildergalerie haben wir für Sie die wichtigsten Stationen aus dem Leben von Designerin Diane von Furstenberg nochmal zusammengefasst.

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