Interview

„Die Bestimmung: Insurgent“ : Zwischen Adoleszenz, Revolte und Selbstfindung

am 26.03.2015 um 11:00 Uhr

Die Erfolgstrilogie geht in die nächste Runde: Nach „Divergent“ kämpfen sich nun die beiden Querulanten Tris und Four, gespielt von Shailene Woodley und Theo James, ein zweites Mal durch ein desolat futuristisches Chicago und stellen sich neuen, nervenaufreibenden Herausforderungen. Zum Kinostart des Sci-Fi-Action-Streifens trafen wir die charismatische Shailene Woodley zum kleinen Vor-Premiere-Plausch und sprachen mit dem Hollywood-Jungstar über „Insurgent“, fehlendes Selbstbewusstsein und die große Teenager-Rebellion. Erfahren Sie dazu alles hier und in unserer Bildergalerie .

In „Die Bestimmung: Insurgent“ findet sich die Heldin Tris zwischen den eskalierenden Konflikten der fünf Fraktionen ihrer Welt wieder: Die Jugendliche muss sich entscheiden und ihren eigenen Weg finden. Eine eindeutige Parallele zum alltäglichen Erwachsenwerden?

„Die Bestimmung: Insurgent“: Rebellion und Pubertät

Eine der ersten Handlungen unserer Heldin Tris ist ein ganz klassisches Symbol der femininen Selbstbefreiung: Zuerst wird im Alleingang die blonde Mähne abgeschnitten, dann wird der ungerechten Klassengesellschaft der Kampf angesagt. Schließlich ist ihr eigenes Leben in Gefahr: Tris ist eine Außenseitern, eine typische Grenzgängerin. Sie ist eine „Divergent“, eine Unbestimmte, die nicht eindeutig in die gesellschaftlichen Kasten der Ferox (Furchtlosen), Altruan (Selbstlosen), Candor (Freimütigen), Ken (Gelehrten) oder der Amite (Friedfertigen) eingeordnet werden kann.

Oberflächig betrachtet, erzählt „Insurgent“ so von einer Auflehnung der Aussätzigen gegen ein starres, erdrückendes Sozialsystem. Eigentlich aber scheint der Film eine Parabel für die verwirrende, schwierige Zeit der adoleszenten Selbstfindung. Eine junge Frau lebt in einer Welt voller Ablehnung: Sie ist eine natürliche Außenseiterin, verliert ihre Eltern, findet die erste, große Liebe und muss für ihre Ideale einstehen und kämpfen – die Leiden der jungen T.? Der Vergleich ist durchaus legitim. Die harte‚ böse ‘Erwachsenen-Welt‘ – dominiert und zusammengehalten von einer kalkulierten, zynischen Despotin im perfekt sitzenden, navyblauen Designer-Etuikleid, dargestellt von einer brillierenden Kate Winslet – erscheint der jungen Tris gefühl- und skrupellos. Deutlicher könnte eine Parallele zu einer jeden, hormonell aufgeladenen, rebellischen Pubertät nicht sein. Bösewicht Jeanine Matthews denkt, die unkontrollierbaren „Divergents“ gefährden das System und sind sowieso alle gleich und nervig – welcher Pubertierende will aber hören, er sei genauso wie alle anderen?

Fazit? Auch, wenn einem als Zuschauer im fortgeschrittenen Alter „Insurgent“ an mancher Stelle zu plakativ erscheinen mag, sollte man nicht vergessen, an welche Zielgruppe sich der Film richtet: Nicht an solche, die die Pubertät schon lange hinter sich gelassen haben, sondern an jene, die gerade mitten in den Irrungen und Wirrungen einer solchen stecken. Von daher ist die filmische Botschaft „Schließe Frieden mit dir selbst und akzeptiere dich“ nicht gerade eine der schlechtesten, wenn man einen Blick auf die jüngsten Coming-Of-Age-Filme Hollywoods wagt. Und eine unterhaltsame noch dazu.

Shailene Woodley über Selbstbewusstsein, Stunts und Kate Winslet

Auch die aufstrebende Jungschauspielerin Shailene Woodley ist erst unlängst den Selbstfindungsprozessen des Teenager-Alters entwachsen und hat somit einen besonders intuitiven Zugang zu ihrer Figur Tris: „Die Art und Weise, wie eine Person Rebellion definiert, ist sehr unterschiedlich. Meine Definition des Wortes ist, sich in vollem Bewusstsein gegen etwas aufzulehnen, von dem du weißt, dass es falsch ist. Das macht Tris. Das machen Teenager. Deshalb werden sie auch oftmals mit Rebellion assoziiert.“, antwortete die 23-jährige Woodley auf die Frage, ob sie auch noch ab und zu rebellieren müsse. In jedem Fall scheint in der smarten Schauspielerin noch so einiges an Konfliktpotential verborgen.

Wir trafen Shailene Woodley vor der deutschlandweiten „Insurgent“-Premiere in kleiner Runde und sprachen mit ihr noch eingehender über jene Schwierigkeiten zwischen Selbstfindung, Selbstbewusstsein und Selbstzweifeln.

Liebe Shailene, in „Insurgent“ hat Tris düstere Albträume, die sie in ihrer persönlichen Entwicklung zurückhalten und sie regelrecht lähmen. Sie ist unsicher, voller Selbstzweifel und nicht in der Lage, sich selbst zu lieben. Im Laufe des Filmes wird ersichtlich, dass sich in Tris ein wichtiger Prozess abspielt – am Ende findet sie ihre Stärke, ihr Selbstbewusstsein. Eine Parallele zum Leben einer jeden, jungen Frau?

„Haben wir nicht alle Probleme damit, 100 Prozent selbstbewusst zu sein? Ja, ganz genau! Selbstbewusstsein und Unsicherheiten sind nichts, was man jemals zur Gänze beherrschen könnte. Diese Dinge fließen und verändern sich, wie sich unser Leben verändert, ganz unabhängig vom Alter. Wenn man jünger ist, dann ist man vielleicht noch unsicherer in puncto Aussehen. Wird man reifer, sollte dies aber langsam zu verschwinden beginnen. Mit dem Selbstbewusstsein ist es, wie mit so vielem: Ohne die Tiefen, weißt du die Höhen nicht zu schätzen. Wenn du niemals unter dem Gefühl gelitten hast, unsicher zu sein, dann weißt du das beschwingende Gefühl gar nicht zu schätzen, wenn du endlich stolz auf dich sein kannst, dich ganz anzunehmen lernst.“

Hast du eine individuelle Strategie für mehr Selbstbewusstsein?

„Ganz ehrlich? Ich fühle mich unendlich selbstbewusst, wenn ich aktiv bin und dabei an meine Grenzen gehen kann. Wenn ich Sport mache, dann ist es mir ganz egal, wie ich dabei aussehe, ob das unvorteilhaft aussieht, oder nicht. Ich fühle mich stark, ich fühle mich, als hätte ich die Kontrolle.“

Dann hast du mit Sicherheit alle Stunts in „Insurgent“ selbst gemacht?

„Ja, soweit es mir möglich war, habe ich alles selbst gemacht. Ab einem gewissen Punkt greift die Versicherung ein, aber ich habe so viel gemacht, wie ich nur konnte.“

Fühlst du dich, als wärst du in Hollywood unter einer Art Vergrößerungsglas?

„Nein. Es ist nicht mein Job darüber nachzugrübeln, was andere über mich denken könnten. Das hier ist für mich ein Job, den ich tue, gerne tue. Aber eben nur ein Job. Ich zerbreche mir mit Sicherheit nicht den Kopf darüber, was andere über mich sagen. Ich denke in meiner Freizeit lieber über andere Dinge nach: Was macht mein Bruder? Hat jemand die Katze gefüttert? Ich muss später noch meinen Vater anrufen!“

Wie war die Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur Robert Schwentke?

„Fantastisch! Ich bin so froh, dass Robert auch den nächsten Teil dreht. Er ist sehr klug und stimuliert die Schauspieler auch intellektuell. Er weiß ganz genau, was er will. Sein Blickwinkel ist dabei aber nicht an sein Ego gebunden, sondern an seinen Ehrgeiz, einen guten Film zu drehen. Wenn man eigene Ideen einbringen möchte, ist er dafür offen – solange es den Film verbessert.“

Neben deinen zahlreichen, tollen Kollegen wie Naomi Watts und Octavia Spencer, muss es aber besonders spannend gewesen sein, mit Oscar-Preisträgerin Kate Winslet zusammen zu arbeiten?

„Kate ist einer der charismatischsten, tollsten Menschen, die ich jemals getroffen habe. Oftmals ist es doch so, wenn man diese großen Schauspieler trifft, dass sie sehr freundlich, aber auch sehr zurückhaltend sind. Mit Kate ist es nicht so: Sie gibt dir einfach alles. Es ist unglaublich ermutigend und motivierend, besonders für eine junge Frau, zu sehen, dass jemand in so einer chaotischen, harten Industrie noch so offen, selbstbestimmt und warm bleiben kann.“

Hast du das Gefühl, du lernst und wächst als Person, wenn du mit solchen Menschen zusammenarbeiten kannst?

„In jedem Fall. Das Tolle an solchen Menschen wie Kate ist, dass sie, wenn man ihnen von einem Tag auf den anderen alles nehmen würde, was sie besitzen, den Ruhm, die Häuser, die ganzen leeren Wertgegenstände, sie immer noch genau der selbe Mensch wären.“

Wir danken Shailene Woodley für das Interview und erwarten auch die anderen Teile der Trilogie mit Spannung. Impressionen und Szenen aus dem aktuellen Film „Die Bestimmung: Insurgent“ finden Sie hier in unserer Bildergalerie.

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