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Der Dokumentarfilm “Dior and I”: Raf Simons für Christian Dior

am 01.09.2014 um 16:20 Uhr

Ein hektischer Spaziergang mit Karl Lagerfeld durch das Haus Chanel in der mehrteiligen TV-Dokumentation „Im Hause Chanel“, ein Blick hinter die Fassade der sonst so unnahbar erscheinenden Anna Wintour im Film „The September Issue“ oder das Entdecken der Faszination Diana Vreeland in „The Eye has to travel“ – Mode-Filme sind für Fashion-Fans etwas ganz Besonderes. Ermöglichen sie doch den viel zitierten Blick hinter die Kulissen und lassen einen ins Seelenleben der größten Kreativen tauchen. Nun gesellt sich ein weiterer Dokumentarfilm in diese Reihe beliebter Mode-Filme: „Dior and I“. Erfahren Sie hier und in der Fotoshow alles über die spannenden Hintergründe.

Im Jahr 1946 wurde der Grundstein für die Erfolgsgeschichte des Couture-Hauses Dior gelegt, als Christian Dior sein gleichnamiges Imperium gründete; eindrucksvoll und noch heute beherbergt in der eleganten Avenue Montaigne in Paris. Diors „New Look“, die schmale Taille in Kombination zu halblangen und ausgestellten Röcken, eroberte über Nacht die Herzen aller Frauen und wurde zum Inbegriff weiblicher Schönheit und femininen Stils. Nach nur 10 Jahren kreativen Wirkens verstarb Christian Dior allerdings plötzlich an einem Herzinfarkt. Seine Arbeit wurde seither fortgeführt durch Yves Saint Laurent (1957–1960), Marc Bohan (1960–1989), Gianfranco Ferré (1989-1997), John Galliano (1997-2011) und Bill Gaytten (2011-2012). Seit dem Jahr 2012 leitet der Belgier Raf Simons die kreativen Geschicke des Hauses Dior und genau hier knüpft die Dokumentation „Dior and I“ an.

Die große Dior-Überraschung

Als bekannt wurde, dass Raf Simons die kreative Leitung der Damen-Linie des Mode-Imperiums Dior übernehmen sollte, zeigte sich die Fashion-Welt überrascht. Nicht nur, weil er sich bisher eher einen Namen als Designer für Männer-Kollektionen machte, Raf Simons war auch als Minimalist bekannt – das zeigte sich vor allem in seinem Schaffen für das Modehaus Jil Sander. Haute Couture gehörte bisher also noch nicht zu seinem Repertoire und für eben diese steht nun einmal auch das Haus Dior. Somit war die Skepsis erst einmal groß. Ebenso groß, wie der Druck, der auf Raf Simons lastete: In nur acht Wochen musste er eine Kollektion auf die Beine stellen, für die sonst ein Zeitraum von mehreren Monaten zur Verfügung steht.

„Dior and I“ – Ein Film von Frédéric Tcheng

Ich finde, es ist eine sehr große Herausforderung, mit so einem Vermächtnis zu arbeiten, das so gigantisch und überragend ist.“, so Raf Simons, als er im Zuge der Dreharbeiten die Dior-Archive durchforstet. Ein Satz, der deutlich macht, welch eine Last auf den Schultern des Designers gelegen haben muss. Beim Besuch des Hauses in Granville, in dem Christian Dior aufwuchs, gesteht er außerdem, dass er nicht einmal Diors Memoiren lesen konnte, weil sich so viele Parallelen zu seinem Leben aufzeigten. Eine Schwierigkeit, derer sich auch Regisseur Frédéric Tcheng im Vorfeld bewusst war: „Was muss das nur für ein beängstigendes Gefühl sein für Raf. Wie kann man von ihm verlangen, den Kurs der Geschichte neu zu schreiben, wenn man noch immer an der Vergangenheit hängt? Wie wird er all dem seine eigene Note verleihen können? Im Hauptquartier in Paris ist es unmöglich, die Präsenz des Gründers nicht zu spüren. Überall hängen Bilder von ihm. Ich habe damit angefangen, mir Raf als Mrs. De Winter in Hitchcocks Rebecca vorzustellen, überwältigt von der Präsenz der Vergangenheit, die das ganze Haus durchflutet. Rafs Geschichte sollte also die der Emanzipation sein.

Der Film „Dior and I“ widmet sich allerdings nicht nur dem inneren Kampf Raf Simons’, seine eigene Dior-Stimme zu finden, sondern auch anderen Beteiligten, allen voran den Schneiderinnen, die noch ganz in alter Tradition im Atelier in der Avenue Montaigne sitzen. Das Haus Dior ist eines der wenigen Modehäuser, die diese Ateliers noch unter dem eigenen Dach führen. Im so genannten „atelier flou“, dem Arbeitsbereich für Kleider, und dem „atelier tailleur“, der Anprobe, folgt die Kamera der Ersten Schneiderin, Florence Chehet, sowie der „première“ des atellier tailleur, Monique Bailly. Für Simons’ rechte Hand, Pieter Mulier, die zwei wichtigsten Menschen im Haus: „Weil sie einfach alles in der Hand haben!

Wie es Raf Simons gelingt, seine eigene Couture-Stimme für Dior zu finden und wie die Zusammenarbeit mit den einzelnen Ateliers vonstatten geht, welche Konflikte entstehen und welche kreativen Prozesse durchlaufen werden, das alles zeigt der Dokumentarfilm „Dior and I“ . Auf Filmfestspielen, wie dem Tribeca Film Festival, war dieser schon zu sehen, wann das deutsche Publikum “Dior and I” zu sehen bekommt, ist jedoch noch nicht bekannt.

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