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Haben Sie emotionale Intelligenz? Alles zum EQ, dem IQ des Herzens

am 24.04.2015 um 16:29 Uhr

Kennen Sie Ihre eigenen Stärken und Schwächen? Würden Sie sich als hilfsbereit bezeichnen? Sind Sie ein neugieriger Mensch, der leicht mit Fremden ins Gespräch kommt? Ist es Ihnen wichtig, ein ‚guter‘ Mensch zu sein? Wenn Sie die meisten dieser Fragen mit einem ‚Ja‘ beantwortet haben, dann, herzlichen Glückwunsch, besitzen Sie wohl sehr wahrscheinlich einen hohen EQ. Ganz richtig: Der EQ, emotionaler Intelligenzquotient, hat nichts mit dem IQ zu tun und ist viel wichtiger, als man bisher annahm. Jahrelang haben sich Wissenschaftler und Psychologen lediglich auf den IQ konzentriert und die notwendige Verbindung zum emotionalen Zentrum vernachlässigt. Dabei ist es vor allem der EQ, der im direkten Zusammenhang mit privatem und beruflichem Erfolg steht. Neugierig? Erfahren Sie alles hier und in unserer Bildergalerie.

Ein hoher IQ sagt etwas über die Fähigkeit des Menschen aus, logisch, schnell und effizient zu denken. Er misst das intellektuelle Leistungsvermögen, die Fähigkeit, eine mathematische Formel zu lösen und komplizierte Zusammenhänge zu verstehen. Aber was sagt der Intelligenzquotient über die Fähigkeit aus, die Gefühle anderer Mitmenschen zu interpretieren und auf diese intuitiv richtig zu reagieren? Genau: Nichts.

EQ statt IQ – eine Generation der emotionalen Verkümmerung?

Wieso scheitern immer mehr Partnerschaften, lassen sich ca. zwei Drittel aller Ehen scheiden, während es vor wenigen Jahrzehnten noch ‚nur‘ ca. die Hälfte aller Paare nicht in den Lebensabend schaffte? Wieso spielen Stress, Burn Out, Überforderung, Vereinsamung und Depressionen in unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle, während der finanzielle Erfolg und die egoistische Selbstverwirklichung stetig in den sozialen Mittelpunkt gerückt werden?

Der amerikanische Psychologe Daniel Goleman, Erfolgsautor des 1995 erschienenen, bahnbrechenden Werkes „EQ. Emotionale Intelligenz“, erkennt in der modernen Zwickmühle eine stetige Verkümmerung des EQ. Dabei ist dieser unabdinglich für ein persönliches Glück: Emotional intelligente Menschen führen glücklichere Beziehungen, sind gesünder und erfolgreicher in ihrem Beruf. „Was nützt ein hoher IQ, wenn man ein emotionaler Trottel ist?“, lautet eines der bekanntesten Zitate des Wissenschaftlers.

Die fünf Säulen des EQ

Goleman definiert die Ausprägungen der emotionalen Intelligenz in fünf Eigenschaften: Selbststeuerung, Motivation, Selbstwahrnehmung, soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen. Somit wird klar: Die wahren Erfolgsmenschen, sind nicht diese, die einen hohen IQ, sondern einen hohen EQ besitzen. Emotional intelligente Personen sind flexibel, selbstbewusst, charmant und zielgerichtet, sowie stressresistenter und ausgeglichener, resümiert Goleman in „EQ“.

Sein Fazit? „Das Leben verläuft wesentlich glatter, wenn man eine hohe emotionale Intelligenz besitzt.“

Lernen statt Aufgeben

Ist emotionale Intelligenz lernbar? Natürlich! Genauso wie es möglich ist, seine Intuition wieder stärker in den Alltag zu integrieren, ist es durchaus möglich, die fünf Säulen des EQ zu ‚trainieren‘. Das ist aber ein längerer Prozess, wie beim Sport: Die Kondition und die Erfolge wachsen mit jedem Training. Das Ziel ist es zu lernen, wieder mehr in sich hineinzuhorchen und seine eigene Wahrnehmung nach Innen zu trainieren. Erst, wer seine eigenen Gefühle sensibilisiert, hat eine reale Chance, die Gefühle anderer Menschen besser und feinfühliger wahrzunehmen. Logisch: Denn wie soll es möglich sein, besser auf die Bedürfnisse anderer Menschen einzugehen, wenn man seine eignen vernachlässigt?

Große Persönlichkeiten, wie die Queen of Talk Oprah Winfrey, setzen hingegen seit Jahrzehnten auf Meditation. Und tatsächlich kann diese Methode helfen, Mitgefühl zu aktivieren und im langfristigen Prozess, auch zu kultivieren. Denn: Zwischen Mitgefühl und innerer Freude gibt es eine große Verbindung, nicht umsonst wurzelt die Kraft der Meditation in Selbstreflexion und Empathie.

EQ essentiell für Führungskräfte

Was macht einen guten Chef aus? Ein Team zu führen ist eine komplexe Aufgabe und fordert nicht etwa einen hohen IQ, sondern ganz im Gegenteil, einen stark ausgeprägten EQ. Im Kapitel ‚Führung mit Herz‘ fordert Goleman, gute Führungskräfte dürften nicht nur strikt ihre eigenen Interessen vertreten und den eigenen Weg gehen, sondern müssten ihre Mitarbeiter motivieren und zum ‚Mitmachen‘ bewegen. Wenn man keine Sensibilität für die Gefühle seiner Kollegen hat, gefährdet man die eigene Karriere. Führungskräfte mit einem niedrigen emotionalen Intelligenzquotienten sind sogar „ein wirtschaftliches Risiko“, folgerte zum Beispiel das Magazin Wirtschaftspsychologie aktuell.

Ähnlich der fünf großen Charakteristika des EQ, gibt es laut Goleman auch drei Aufgabenfelder, die im Beruf nur mit einem hohen EQ gemeistert werden können: 1. Die Harmonie als Voraussetzung effizienter Teamarbeit, 2. Die Toleranz gegenüber den Mitarbeitern, und, am wichtigsten, 3. Der Umgang mit Kritik. Ist der Vorgesetzte zu emphatischer, effizienter Kritik fähig, öffnet er so erst eine Perspektive für persönliche Entwicklungen und Verbesserungen, während emotional inkompetente Vorgesetzte Kritik als Abwertung benutzen – und somit nur dem eigentlichen Ziel schaden.

Von Aristoteles zu Goleman

Natürlich sind es keine revolutionären Erkenntnisse, die Goleman in seinem Lebenswerk „EQ“ vermittelt. Auch hat er das Konzept der emotionalen Intelligenz nicht erfunden, sondern nur der breiten Masse populär gemacht. Bereits im Jahre 1920 hatte der berühmte Psychologe und Intelligenzforscher Edward Thorndike den Begriff der ‚Sozialen Intelligenz‘ eingeführt. Und schon Aristoteles wusste, vor über 2000 Jahren, wie wichtig der sensible Umhang mit Emotionen ist. Er nannte das Managen der Empathie ‚Tugenden‘ und widmete ihnen eine ganze Lehre.

Trotzdem: Auch wenn es nicht die größte Neuheit der Menschheitsgeschichte ist, sollte sich ein jeder Golemans Thesen vor Augen führen und sich die Frage stellen, wie man selbst die eignen Gefühle wieder stärker ins eigene Bewusstsein rücken könnte.

„Die größten Tugenden müssen diejenigen sein, welche den Nebenmenschen am nützlichsten sind.“ Aristoteles (384 – 322 v. Chr.)

Impressionen zum Thema „Emotionale Intelligenz“ finden Sie nun hier in unserer Bildergalerie.

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