Angewohnheit

Emotionales Essen: Tatsächlich Hunger oder vielleicht nur Stress und Herzschmerz?

am 11.02.2015 um 16:49 Uhr

Ein wichtiges Meeting mit dem Chef steht an, die Arbeit stapelt sich auf dem Tisch und will einfach nicht weniger werden, in der Beziehung mit dem Liebsten läuft es grad nicht so gut, die beste Freundin trifft sich lieber mit anderen oder die ganze Welt scheint sich schlichtweg gegen einen verschworen zu haben. Die Lösung? Nervennahrung wie Chips, Pizza, Schokolade und Co., was denn sonst!? Wer sich hier wiedererkannt hat, der hat es wahrscheinlich mit emotionalem Essen zu tun. Wir verraten hier und in der Bildergalerie , was die Ursachen dafür sind und wie Sie mit dieser lästigen Angewohnheit umgehen können.

Statt einmal kräftig durchzuatmen, in einen Box-Sack zu treten, Voodoo-Puppen zu basteln oder einfach laut los zu schreien, neigen viele Menschen in Stress-Situationen dazu, unkontrolliert zu essen und vorzugsweise jede Menge Fast Food in sich hinein zu stopfen, um das große Loch an Kummer und Frust zu füllen und zu kompensieren. Doch warum ist das eigentlich so?

Aus diesem Grund entsteht Frust-Hunger

Stress ist eine Abwehrreaktion des Körpers, wenn dieser sich bedroht fühlt. Dabei werden Hormone wie Adrenalin oder Cortisol ausgeschüttet, der Puls beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, die Atmung wird schneller und die Muskeln spannen sich an. Kurz: Der Körper bereitet sich für einen Kampf vor oder stellt sich auf eine Flucht ein. Dieses Phänomen haben wir unseren Vorfahren zu verdanken, die sich mit diesem überlebenswichtigen Trieb vor Gefahr geschützt haben. Das Problem dabei: Unsere Problemchen heute bedrohen nicht tatsächlich unser Überleben, auch wenn es manchmal so zu sein scheint. Der Körper hat als Folge dessen einen erhöhten Hormonspiegel, der dazu führt, dass er einen Energiespeicher an schnell verfügbarem Fett für schlechte Zeiten anlegen möchte. Das Resultat: Wir essen!

So unterscheiden Sie echten von emotionalem Hunger

Man spricht in diesem Fall auch von physischem, also körperlichem, und psychischem Hunger, der im Kopf beginnt und als Reaktion von Emotionen zu werten ist. Beide können mit Hilfe folgender Merkmale voneinander unterschieden werden: Physischer Hunger entsteht langsam und über einen bestimmten Zeitraum verteilt. In der Regel tritt dieser etwa vier Stunden nach der letzten Mahlzeit ein und lässt sich auch mal länger aushalten. Ein wesentlicher Unterschied zum psychischem Hunger ist, dass sich diese Art von Hunger tatsächlich mit Essen stillen lässt und der Körper nach Aufnahme der Nahrung gesättigt ist.

Psychischer Hunger hingegen überkommt einen plötzlich in eben jener ausschlaggebenden Stress-Situation und will sofort mit Essen gestillt werden. Meistens handelt es sich hier um Speisen aus Kohlenhydraten, Fett oder Zucker, die dem Körper eine schnelle Befriedigung liefern und einen rasanten Anstieg des Blutzuckerspiegels herbeiführen. Oft geht dieses Essen mit einem schlechten Gewissen einher, da man sonst auf Fast Food und Co. brav verzichtet oder sich dieses gar verbietet. Im Moment der Ess-Attacke verzehrt man davon enorme Mengen und man ist gleich doppelt gefrustet. Dieser Hunger stoppt nicht mit der Aufnahme von Nahrung, sondern schreit nach mehr und soll ein emotionales Bedürfnis stillen, welches sich mit Essen eigentlich nicht erfüllen lässt.

So umgehen Sie emotionale Ess-Attacken

Auch wenn emotionales Essen absolut menschlich ist und man immer wieder in bestimmte Situationen kommen wird, in denen einem einfach nur nach einer Tafel Schokolade zu Mute ist, so lassen sich diese mit einigen Tipps und Tricks zumindest besser kontrollieren oder gar minimieren.

1. Verschaffen Sie sich einen Überblick: Wer sein Essverhalten kennt, der kann es auch überlisten. Notieren Sie sich Schwarz auf Weiß, was Sie über den Tag gegessen haben und vermerken Sie bei Attacken, was hierfür der Auslöser gewesen sein könnte. Haben Sie festgestellt, woher der plötzliche Heißhunger rührt, sollten Sie das Problem angehen, an Stelle es mit Essen ersticken zu wollen. Denn so viel steht fest, das Problem wird auch nach dem Essen noch vorhanden sein.

2. Ändern Sie die Lebensmittel beim Frust-Essen: Nervennahrung braucht jeder Mensch, doch tun wir unserem Körper mit leeren Kohlenhydraten und industriellem Zucker nun wirklich nichts Gutes. Wenn Sie emotionalen Hunger verspüren, sollten Sie es einmal mit Nüssen, Trockenfrüchten wie Datteln oder Feigen probieren oder einfach in einen knackigen Apfel beißen. Oft ist es schon der Akt des Essens, der hier eine Befriedigung herbei rufen kann.

3. Suchen Sie sich einen Ersatz zum Essen: Rein rational gesehen, löst Essen nicht das Ausgangsproblem. Also können Sie statt zu essen, auch etwas anderes machen, um sich zu beruhigen. Gehen Sie beispielsweise zum Spinning-Kurs und powern Sie sich aus, denn Sport baut nachweislich Stress ab, oder trinken Sie einen Tee, der Sie wieder runterholt und wohltuend ist. Vielleicht sieht die Welt mit etwas Abstand ja schon ganz anders aus.

4. Genießen Sie bewusst: Wer sich Süßigkeiten und Co. rund um die Uhr verbietet, wird aller Wahrscheinlichkeit in schwachen Momenten genau dazu greifen, denn strenge Regeln sind schließlich da, um sie zu brechen, stimmt’s? Kleine Sünden haben noch keinem geschadet und ein Stück Schokolade kann einem tatsächlich manchmal ein Lächeln ins Gesicht zaubern, es sollte bloß nicht gleich eine ganze Tafel werden.

Entdecken Sie in der Fotoshow noch einmal die wichtigsten Fakten rund um das Thema emotionales Essen im Schnelldurchlauf.

Kommentare


Luxus: Mehr Artikel