Traumkörper aus der Steckdose – EMS-Training im Fakten-Check

am 22.04.2013 um 11:46 Uhr

Stromstöße durch den Körper jagen? Das klingt mehr nach mieser Folter-Methode als nach innovativem Fitness-Programm. Elektrische Muskelstimulation, kurz EMS, gibt es schon eine ganze Weile. Seit ein paar Jahren gilt das Training mit Kribbel-Faktor als echte Geheimwaffe für Großstädter mit wenig Zeit – und entsprechendem Geldbeutel. Was sagen Mediziner und Fachleute zum haarsträubenden Fitness-Trend? Lassen sich Waschbrettbauch und knackiger Po tatsächlich mit Steckdosenanschluss noch schneller erreichen? Oder ist das Training unter Strom sogar schädlich? Wir klären für Sie, was dran ist am Traumkörper aus der Steckdose.

Bewährt bei Profis – aber nichts für schwache Herzen

Das Training unter Strom ist keine neue Erfindung. In der Reha wird EMS seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts eingesetzt, um beispielsweise Muskelschwund vorzubeugen. Spitzensportler nutzen elektrische Impulse, um bestimmte Muskelgruppen gezielter zu neuen Höchstleistungen zu kitzeln. Auch aktuelle Studien bescheinigen der elektrischen Muskelstimulation gute Ergebnisse in Sachen Muskelaufbau und Verträglichkeit – mit ein paar Ausnahmen: Menschen mit Herzschrittmachern, Epilepsie-Patienten und Schwangere sollten sich beim Sport lieber nicht an die Steckdose anschließen lassen.

Schnell beim Muskelaufbau – aber kein kompletter Sportersatz

EMS-Training kann helfen, schnell Muskeln aufzubauen und Verspannungen zu lindern. Ein weiterer Vorteil: Mit den Stromimpulsen kommen Sie besonders gut an die Muskeln heran, die sonst nur schwer zu trainieren sind. Wer allerdings glaubt, bei EMS macht der Strom die ganze Arbeit, der irrt: Den Traumkörper aus der Steckdose gibt es nicht ohne dieselben, schweißtreibenden Übungen, die Sie schon aus dem Fitness-Studio kennen. EMS intensiviert nur die einzelnen Übungen und komprimiert das Training auf einen kürzeren Zeitraum. Die anstrengende Muskel-Arbeit müssen aber immer noch Sie leisten. Und auch wenn man mit dem EMS-Training wunderbar Zeit sparen kann, Sportwissenschaftler empfehlen, neben dem intensiven Training am Impuls-Gerät auch noch andere sportliche Aktivitäten zu betreiben. Kurz gesagt: Wer rundum fit werden will, kommt mit EMS ein gutes Stück weit – aber nicht den ganzen Weg.

Zeitsparend – aber auch das Konto braucht Ausdauer

Wir Deutschen geben im Jahr mehr als vier Milliarden Euro für Mitgliedschaften im Fitness-Studio aus. Durch EMS könnte diese Summe noch mal steigen. Die Traumfigur aus der Steckdose ist nicht ganz billig. 20 Minuten Trainingseinheit am Reizstromgerät inklusive Personal-Trainer kosten im Durchschnitt rund 25 Euro. EMS findet fast ausschließlich in sogenannten Micro-Studios statt. An den Einheiten sind oft nicht mehr als zwei Kursteilnehmer beteiligt. Auch die Anschaffung der professionellen Reizstrom-Geräte, Elektrodenwesten und Muskelpads macht das Preisschild für den einzelnen Kunden etwas größer. Hält man sich das High-Tech-Equipment und die intensive persönliche Betreuung vor Augen, scheint das Preis-Leistungs-Verhältnis beim EMS-Training aber zu stimmen. Bei zwei Trainingseinheiten pro Woche sind Sie nach einem Monat 200 Euro ärmer – dagegen haben Sie sich aber eine Menge Zeit gespart. Am Ende muss natürlich jeder selbst entscheiden, ob er lieber Zeit oder Geld für mehr Fitness investiert.

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