Ehrlich und knallhart: “Evil Bitches” von Anna Dogadkina

am 24.03.2013 um 10:54 Uhr

„Evil Bitches. Bauch rein, Miststück raus. Ein Redaktionsalltag.“ So heißt das neue Buch von der ehemaligen Moderedakteurin und inzwischen freien Journalistin und Buchautorin Anna Dogadkina. Die fiktive Geschichte um Redakteurin Candy, die denkt, den Traumjob endlich gefunden zu haben, und dann realisiert, dass der Traum eher ein Albtraum ist, basiert lose auf den Erfahrungen, die die Autorin selbst gemacht hat. Kein Zuckerschlecken, aber definitiv auch kein Alltag in allen deutschen Moderedaktionen.

Erbarmungslos, hinterlistig, ich-bezogen – so beschreibt Autorin Anna Dogadkina den Arbeitsalltag in einer Moderedaktion. In ihrem Erstlingswerk „Evil Bitches. Bauch rein, Miststück raus. Ein Redaktionsalltag“ rechnet sie mit ihrer alten Stelle ab, mit ihrer unfairen Chefin und der Ellenbogen-Gesellschaft unter den Kolleginnen. Ein Enthüllungsroman über die harten Seiten des Glamour-Business, in der Arbeit und Engagement nicht zählen, sondern einzig, wer am dünnsten ist und die höchsten Absätze anhat. Dabei stolpert Candy von einem Fettnäpfchen ins nächste und schafft es nicht, den alteingesessenen Redakteuren zu gefallen. Bis sie kurzerhand das Blatt umdreht und das Zicken-Spiel mitspielt.

Redaktionserfahrungen aus erster Hand

Und das alles natürlich aus erster Hand erzählt, da die Autorin selbst einmal bei einem Hochglanzmagazin in Deutschland als Moderedakteurin gearbeitet hat. In ihrem Buch arbeitet die Protagonistin Candy bei InSider, so kann man sich recht gut vorstellen, bei welchem Magazin die Autorin in der Realität war. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie zu einem unterhaltenden Roman mit fiktiven Charakteren, doch der Grundtenor stammt aus dem wahrhaft Erlebten.

Zu viele Verallgemeinerungen

Doch ist das Leben als Moderedakteurin wirklich so schlecht und oberflächlich? Wir haben uns mal selbst gefragt und stellen fest, Verallgemeinerungen wie „Es ist bei jedem Modemagazin, mit ganz wenigen Ausnahmen, das Gleiche: An der Spitze steht eine irrational denkende Chefin, die ihre Machtposition ausnutzt, um ihre Untergebenen zu schikanieren“ oder „Es kommt sehr auf die Redaktion an. Aber in manchen sollte man lieber nichts von der Stange tragen. Und natürlich sind die Sachen, die in einer Modezeitschrift abgebildet werden, in der Redaktion längst out“ treffen bei uns nicht zu. Dass die Arbeit nicht nur aus Partys und Goodie Bags besteht, sollte der anstrebenden Fashion Redakteurin schon beim Studium klar sein und dass das Leben kein Ponyhof ist, nun ja, besagt ebendieses Sprichwort.

100 Prozent Unterhaltung

Dass Anna Dogadkina ihre zahlreichen schlechten Erfahrungen mithilfe des Romans verarbeitet und ein bisschen austeilt, ist nur legitim, nur muss an dieser Stelle mal festgestellt werden, dass der Beruf zwar durchaus stressig ist, aber nicht jede Redaktion aus hungernden Biestern besteht. Unterhaltungsfaktor bei Dogadkinas Debüt 100 Prozent, allzu ernst nehmen sollte man es aber nicht.

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