Interview

Welche Trendfarben stehen mir? Im Interview mit Typberaterin Sophie Krüger

am 20.11.2015 um 15:24 Uhr

Sie haben Namen wie Desert Sage, Oak Buff oder Cashmere Rose: Die Rede ist von den zehn Farben für den Herbst und Winter 2015, die vom Farbinstitut Pantone anhand genauer Trend-Analysen aus Mode, Beauty und Interior als wortwörtlich tonangebend bestimmt worden sind. Mit dieser Grundlage könnte man nun einfach guten Fashion-Gewissens drauflosshoppen, meinen Sie? Nicht ganz, schließlich gilt es vorher erst einmal zu klären: Welche Farben stehen mir überhaupt? Wir sprachen mit Typ- und Farbberaterin Sophie Krüger aus Berlin über Farbtrends, Jahreszeiten-Typen und was es bei Farben generell zu beachten gilt. Mehr zu den Tipps der Expertin erfahren Sie hier und in der Bildergalerie .

Beim Blick in den Kleiderschrank wird schnell klar, welche Farben man mag, doch nicht unbedingt, welche einem auch stehen. Denn tiefes Schwarz, strahlendes Weiß oder ein warmes Beige, welche zu den häufigsten Farbvertretern in beinahe jeder Garderobe zählen, sehen längst nicht an jedem vorteilhaft aus. Genauso verhält es sich mit den aktuellen Trendfarben: Wem ein pastelliges Orange, ein mattes Graublau oder ein intensives Aquamarin steht, hängt ganz vom Typ ab. Deshalb sollten Sie diesen erst einmal genauer ergründen, rät Sophie Krüger.

Der Draht zur eigenen Farbwelt: Äußere Beeinflussungen

Viele Leute wissen grundlegend nicht, welche Farben zu ihnen passen. „Das liegt daran, dass wir durch die verschiedensten Faktoren seit Kindertagen irritiert werden. Sei es der Geschmack der Mutter, welche einen lange angezogen hat, die Überzeugung einer Verkäuferin oder bestimmte Stimmungen, die wir durchleben“, erklärt die Farbexpertin. Dadurch ändere sich das Verhältnis zu bestimmten Farben, sodass wir sie besonders gern tragen oder beim ersten Blick schon verschmähen, obwohl sie unserem Typ vielleicht sehr schmeicheln würden. Um sich von solchen Schemata zu befreien, ist zunächst eine Selbstanalyse nötig, nach der man genau bestimmen kann, was zu einem passt.

Die grundlegende Farb-Analyse anhand der vier Jahreszeiten-Typen

Warum man sich gerade an den Jahreszeiten orientiert, um den eigenen Farbtypen zu bestimmen, kann man sich anhand klassischer Szenerien aus der Natur zur jeweiligen Saison vor Augen halten. Diese spiegeln sich tonal im Hautkolorit sowie der Augen- und Haarfarbe von Menschen wider, sagt Sophie Krüger.

Um den eigenen Typ auszumachen, rät die Expertin: Betrachten Sie beispielsweise ein Schwarzweißbild von sich, da sich die einzelnen Typen auch bei den Kontrasten voneinander unterscheiden. Außerdem hilft es, sich ein Silber- und ein Goldtuch anzuhalten und zu beobachten, ob der kühle oder der warme Schimmer eher dem Gesicht schmeichelt. „Im Prinzip kann jeder Mensch jede Farbe tragen, es kommt lediglich auf den Ton an. Dieser wird vom Gelbanteil, also dem Wärmegrad der Nuance bestimmt“, so Krüger. Im Einzelnen haben die vier Jahreszeiten und die entsprechenden Typen deshalb folgende Merkmale und ideale Farbspektren:

1. Der warme Frühling

Das macht die Jahreszeit aus: Der Frühling ist eine warmtonige Jahreszeit. Die Sonne steht niedrig, sodass ein weiches, goldenes Licht auf die Landschaften fällt. Diese sind hell leuchtend, frisch, warm und gelbgrundig. Erste grüne Blättchen und zarte Blumen zeigen sich in der Natur, die Farben sind allgemein sehr leicht.

Das macht den Frühlingstypen aus: Helle, goldstichige Haare und Augenbrauen sowie eine ebenso helle Haut und Lippenfarbe, die schnell zu Rötungen und Sommersprossen neigt, zeichnen diesen Typen aus. Die Kontraste sind entsprechend eher niedrig, das Bild weist einen ebenmäßigen Grauton auf. Farbspektrum: Helle, sanfte und gleichzeitig leuchtende Farben mit einem hohen Gelbanteil.

2. Der strahlende Sommer

Das macht die Jahreszeit aus: Der Sommer ist, auch wenn es paradox klingt, eine kalttonige Jahreszeit. Das liegt daran, dass die Sonne in dieser Zeit auf ihrem Höchststand ist und ein sehr gleißendes, flirrendes Licht auf die Natur wirft. Trockene Gräser und Blumen verlieren durch die Trockenheit an Farbe, Staub fliegt herum und generell hat es den Anschein, dass sich ein leichter Graufilter über die Natur legt.

Das macht den Sommertypen aus: Auch dieser Typ hat einen sehr hellen Hautton, der jedoch eher aschig ist, ebenso wie die Haarfarbe. Die Augenfarbe ist sehr hell. Die Kontraste sind sehr gering, auch hier ergibt sich ein ebenmäßiges Grau-in-Grau-Bild. Farbspektrum: Helle Töne, die sich jedoch nicht durch eine intensive Leuchtkraft auszeichnen, sondern durch eine Grau- und Weißbeimischung gebrochen sind und eher rauchig und pastellig wirken. Der Gelbanteil ist niedrig, die Farben eher blaugrundig und aschig.

3. Der goldene Herbst

Das macht die Jahreszeit aus: Der Herbst ist wiederum eine warmtonige Jahreszeit. Das Sonnenlicht steht wieder niedriger und taucht die Landschaften in ein goldenes Licht. Die Herbstblätter leuchten in warmen Rot-, Orange-, Braun- und Ockertönen. Die Stimmung ist sanft, ruhig und geerdet.

Das macht den Herbsttypen aus: Die Hautfarbe ist normal hell mit einem etwas gelblichen Unterton. Die Augenbrauen und Haare sind dunkler als beim ebenso warmen Frühlingstypen, die Haare haben einen deutlichen Rot- oder Goldstich, sind also zum Beispiel kupferfarben, Mittel- oder Dunkelblond. Die Augen sind meist braun oder grün. Die Kontraste sind entsprechend höher als beim Frühlingstypen. Farbspektrum: Farben mit einer Dunkeltrübung durch eine Beimischung von Schwarz oder Braun, sodass diese erdig wirken. Dazu kommen klassische, warme Herbstfarben mit hohem Gelbanteil.

4. Der eisige Winter

Das macht die Jahreszeit aus: Der Winter ist schließlich wieder eine kalttonige Jahreszeit. Die Sonne strahlt charakteristischerweise vom blauen Himmel auf blütenweißen Schnee und vereiste Landschaften, die Kontraste sind sehr intensiv und die Farben klar und ungetrübt.

Das macht den Wintertypen aus: Dieser Typ ist ein klarer Schneewittchen-Typ, hat also einen ebenmäßigen Teint und dazu dunkelbraune oder schwarze Haare und eine ebenso dunkle, intensive Augenfarbe. Die Kontraste sind im Gesicht klar gezeichnet. Farbspektrum: Dunkle, kräftige und klare Farben stehen dem Wintertyp am besten und unterstreichen seinen Charakter. Der Gelbanteil ist entsprechend niedrig.

Fazit: Wie Sie sehen, gehören sowohl der Frühling- und Herbsttyp sowie der Sommer- und Wintertyp in eine Gelbkategorie. „Darum können sich die zwei Typen prinzipiell auch jeweils im Spektrum des anderen bedienen, jedoch nur dosiert, also nicht als großflächige Basisfarbe für Anzüge und Co., sondern eher als einzelne Eyecatcher. So bleibt man immer noch dem eigenen Typen treu“, rät die Farbexpertin.

Übrigens: Wer glaubt, dass Schwarz und Weiß neutrale Farben sind, die jedem stehen, der täuscht. Genau diese Farben seien nicht für jeden Typ geeignet, sondern sollten optimalerweise nur vom Wintertyp getragen werden. Bei allen anderen Typen könnten sie zu hart wirken und sollten, zumindest bei großflächigem Einsatz, durch ein sanfteres Marineblau oder einen Grau- oder Beigeton als zeitlose Nuance ersetzt werden,empfiehlt Sophie Krüger.

Die Trendfarben 2015: Diese Töne stehen den Jahreszeiten-Typen

Haben Sie nun ein gutes Bild von Ihrem eigenen Farbtypen, können Sie abschließend schnell entscheiden, welche der zehn angesagten Pantone-Trendfarben Ihnen am besten stehen. Diese sind:

1. „Reflecting Pond“, ein kühles, dunkles Graublau. Am besten geeignet für den Wintertyp.

2. „Stormy Weather“, ein ähnlicher Blauton mit noch höherem Grauanteil. Dieser steht Winter- und Sommertypen am besten.

3. „Biscay Ray“: Ein edler Aquamarinton mit Grünanteil. Diese Nuance eignet sich vor allem für den Frühlings- und Herbsttyp.

4. „Dried Herb“: Ein klassisches, warmes Olivgrün. Am besten für den Herbsttyp geeignet.

5. „Desert Sage“: Ein mattierter Khakiton mit Grauschimmer. Am besten geeignet für den Sommertyp.

6. „Marsala“: Die Trendfarbe des Jahres 2015 ist ein intensives, warmes Rotbraun. Am besten für den Herbsttyp geeignet.

7. „Cadmium Orange“: Ein heller, warmer Orangeton. Am besten geeignet für den Frühlingstyp.

8. „Oak Buff“: Ein warmer, weicher Beigeton mit hohem Gelbanteil. Am besten geeignet für den Herbsttyp.

9. „Amethyst Orchid“: Ein frisches, leuchtendes Violett. Steht dem Wintertyp am besten.

10. „Cashmere Rose“: Ein sanftes, leicht mattes Pink. Für den Sommertyp am besten geeignet.

Wir bedanken uns bei Sophie Krüger für das ausführliche Interview. In unserer Bildergalerie erklären wir Ihnen nochmal alles Wichtige rund um die vier Jahreszeiten-Typen und wie Sie Ihren eigenen Farbtyp bestimmen können. Außerdem zeigen wir Ihnen einige Eindrücke, wie sich unsere Redakteurin Susanne – als klassischer Sommertyp – von der Farbexpertin zu den Pantone-Trendfarben hat beraten lassen.

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