Ausstellung

Mode zum Wegwerfen: Die Ausstellung “Fast Fashion” über die moderne Textilwirtschaft

am 08.04.2015 um 17:20 Uhr

Geben wir es zu: Bei den nahezu ganzjährig verführerisch rot leuchtenden „Sale“-Schildern in den Schaufenstern können wir oft einfach nicht anders, als uns immer wieder etwas Neues für den ohnehin schon überquellenden Kleiderschrank zu Hause zu kaufen. Auch die sonst günstigen Preise vieler Modeketten veranlassen uns dazu, unbedacht mehr zu kaufen, als aus pragmatischer Sicht nötig wäre. Die Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseite der Mode“, die vom 20. März bis zum 20. September 2015 im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zu sehen ist, beschäftigt sich mit den Problematiken dieses modernen Textil-Verständnisses und dessen Auswirkungen. Welche Aspekte genau beleuchtet werden, erfahren Sie hier und in der Fotoshow .

Hier noch ein paar Schuhe, da noch eine Hose, kostet ja fast nichts: So sieht das Shopping-Verhalten vieler Menschen in der heutigen Zeit aus. Der Kleiderschrank wird zu einem riesigen Sammelsurium an trendiger Neuware, die im Endeffekt jedoch kaum oder gar nicht getragen und schließlich weggeworfen wird. Besonders dramatisch ist diese Tatsache, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen die meisten Kleidungsstücke hergestellt werden. Die Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseite der Mode“ will darüber aufklären.

Billig, billiger, Mode: Der Blick hinter die Kulissen

Natürlich ist den meisten heutzutage bewusst, unter welchen Umständen ihre günstig eingekauften Kleider entstanden sind. Dramatische Bilder und Videos von heruntergekommenen Produktionsstätten in Billiglohnländern wie China, Bangladesch, Indien, Kambodscha oder Vietnam kursieren nicht erst seit kurzem in den Medien. Erst im April 2013 brach ein marodes Industriegebäude in Bangladesch zusammen, über 1000 Arbeiter kamen ums Leben.

Doch so schlimm, wie die Umstände vor Ort auch sein mögen: Zwischen blitzenden Store-Fassaden und trendigen It-Pieces in der Warenauslage lassen sich die Augen hier in westlichen Gefilden nur zu leicht gegenüber solchen Problemen verschließen. Das Verlangen, immer der neuesten Mode hinterherjagen und möglichst viel besitzen zu müssen, ist im modernen Konsumverhalten fest verankert und führt dazu, dass wir uns nicht mehr damit beschäftigen, woher die Kleidung eigentlich kommt und unter welchen Umständen sie produziert wurde.

Das große Ganze: Die verschiedenen Aspekte der Modeproduktion

Die Ausstellung in Hamburg beschäftigt sich nun ausgiebig mit den Licht- und vor allem Schattenseiten dieser Art der massenhaften Textilproduktion zu Niedrigpreisen, die sich „Fast Fashion“ nennt und sich global als ökonomisches Erfolgsmodell durchgesetzt hat. Sieben Aspekte werden dabei genauer beleuchtet: Zum einen „Fashion & Victims“, wo es um die Diskrepanz zwischen den Verbrauchern in der Überflussgesellschaft und den Opfern am anderen Ende der Produktionskette geht. Der zweite Schwerpunkt ist „Mangel & Überfluss“, der aufzeigt, wie ärmlich die Umstände in den Produktionsländern im Vergleich zu denen der westlichen Gesellschaft sind. Der Aspekt „Global & Lokal“ informiert über die langwierige Produktionskette von Kleidungsstücken, die sich in der Regel über verschiedene Länder in der ganzen Welt erstreckt.

Die ungerechte Lohnsituation für die Arbeiter in der Textilbranche wird unter dem Punkt „Lohn & Gewinn“ abgehandelt. Neben der oft katastrophalen Arbeitsbedingungen in Produktionsstätten, in denen Sicherheitsstandards nicht selten vernachlässigt werden, ist die Tatsache, dass vom Endpreis des Kleidungsstückes maximal zwei Prozent an die Arbeiter gehen, ein weiterer scharfer Kritikpunkt an der Textilindustrie. Die Löhne liegen somit oft weit unterhalb des Existenzminimums.

Zur Produktion von Kleidung gehört der Einsatz von Chemie beinahe selbstverständlich dazu, weshalb dieser Tatsache unter dem Schwerpunkt „Bekleidung & Chemie“ in der Ausstellung ein extra Kapitel gewidmet wird. Angefangen von den Pestiziden beim Anbau von Baumwolle kommen im gesamten Verlauf bis zu 7000 Chemikalien zum Einsatz, nicht zuletzt auch, um die Kleidung ästhetisch zu „veredeln“, zum Beispiel in Form von Waschungen in der Jeans. Dass die Bekleidungsindustrie deshalb zu den größten Umweltverschmutzern gehört, ist klar. Im Themenschwerpunkt „Bekleidung & Ökobilanz“ wird den Besuchern dies nochmal aufgeführt.

Alternativen zur Billig-Produktion: Zukunftsmodelle und eigene Verantwortung

Im siebten und letzten Teil der Ausstellung können sich die Besucher der Ausstellung über alternative Produktionswege und –mittel informieren. Durch den vermehrten Einsatz natürlicher Materialien, umweltschonender Technologien sowie kürzerer Produktionswege kann die Herstellung von Textilien zukünftig nachhaltiger gestaltet werden.
Natürlich sollen sich die Besucher auch an die eigene Nase fassen und dazu angeregt sein, das eigene Konsumverhalten langfristig zu überdenken.

In unserer Fotoshow haben wir für Sie einige Eindrücke und nochmal die wichtigsten Infos zur Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseite der Mode“ zusammengefasst.

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