Nachhatige Mode

Nachhaltige Mode: High-Fashion aus Fischresten

am 21.10.2014 um 16:18 Uhr

Fisch schmeckt nicht nur, ist gesund und macht sich als kleines Haustierchen gut im Teich oder Aquarium, sondern kann auch noch in ganz anderen Gefilden Verwendung finden. Mehr und mehr entdeckt nämlich die Modewelt Fischhaut als Material für sich und setzt damit ein klares Statement in Sachen Nachhaltigkeit. Doch nicht nur der Umwelt tut die Verwendung von Fischresten als Material für die Modeindustrie etwas Gutes. Was genau es mit dem fischigen Trend auf sich hat, verraten wir Ihnen hier und in unserer Fotoshow.

Wie der Guardian berichtet, ist die Fischproduktion in den letzten drei Jahrzehnten sprunghaft angestiegen, dabei findet sich der verwertete Fisch allerdings nicht nur auf der Speisekarte exquisiter Restaurants und als Futtermittel im Zoo.

Fish Fashion

Zugegeben, Fischhaut ist nicht unbedingt das, was wir uns besonders gern an unserem Körper vorstellen wollen. Aber wenn sich nun schon Marken wie Prada, Ferragamo, Dior, Nike und Puma über die Verwendung nachhaltiger Materialien Gedanken machen und dafür Fischabfälle für ihre Kollektionen verwenden, sollten wir unsere Meinung vielleicht auch langsam ändern. Oder denken Sie nicht?

Aber Schritt für Schritt: Halten wir uns den Fakt doch einmal vor Augen, dass aus einer Tonne Fischfilet im Allgemeinen etwa 40 Kilogramm Fischhaut entstehen, die im Endeffekt als Müll entsorgt werden. Das sind also mehrere Tausende Tonnen Fischhaut, die durchaus noch Verwendung finden könnten. Und das tun sie auch, beispielsweise als Nahrungsmittel für Tiere. Aber es gibt auch noch eine weitaus glamourösere Verwendung für diese zum Verwerfen verurteilte Fischhaut. Nämlich die als nachhaltiges Material für hochwertige Mode. Obwohl das nicht sonderlich ansprechend klingt, möchten wir vorweg nehmen, dass Fischleder natürlich nicht nach Fisch stinkt.

Fischhaut mal anders

Fischleder ist, anders als beispielsweise Kalbsleder, sehr weich und wird zu kleineren Lederqualitäten verarbeitet, schließlich sind Fische kleiner als Kälber. Die Nachfrage an Kalbsleder ist mittlerweile allerdings dermaßen hoch, dass so viel Leder gar nicht mehr produziert werden kann und sich bald nur noch wohlhabende Endverbraucher den Luxus von Kalbslederprodukten leisten können. Es wird also eine Alternative gebraucht. Die wurde nun scheinbar in Fischabfällen gefunden, denn außerdem wird mit der Verwendung von Fischhaut als Leder auch der Umwelt etwas Gutes getan werden. Nehmen wir also an, die Nachfrage für Rindsleder würde zurückgehen, dann würde auch die CO2-Emission nachhaltig reduziert werden.

Allerdings gibt es, wie bei fast allem, auch hier eine Kehrseite, denn Fischhaut muss für etwa 30 Tage in einer speziellen, chemischen Mischung eingeweicht werden, um die Öle und Gerüche des Fischs zu entfernen. Wird die Haut zu lange eingeweicht, zerfällt sie. Zwar verraten die wenigen Gerbereien, die auf Fischleder spezialisiert sind, nicht genau, wie dieser Prozess abläuft, Fakt ist jedoch, dass hier noch geprüft werden muss, ob der Prozess der Reinigung bei großen Produktionen nicht zu energieaufwendig und kostspielig ist, um ein klares Plus gegenüber der Kalbslederproduktion zu erzielen.

Nachhaltig denkende Designer

Da es sich bei Fischleder um kleinere Materialstücke mit der besonderen Schuppenoptik handelt, eignet sich Fischhaut vor allem als Highlight bei der Verwendung in der Modebranche. Einige Designer kombinieren Fischleder mit anderen Lederarten, andere fügen Teile von Fischleder zusammen, um so eine größere Fläche zu erhalten. So gesehen haben wir Fischleder beispielsweise schon auf Hüllen für iPhones und iPads oder sogar auf dem Laufsteg vom deutschen Designer Marcel Ostertag. Derzeit werden laut dem Guardian Marken wie Prada, Dior, Ferragamo, Puma und Nike mit Fischleder beliefert. Aber vor allem junge Designstudenten sollen besonders interessiert an Fischleder sein.

Obwohl noch nicht ganz klar ist, wie kostenintensiv und tragbar die Verwendung von Fischleder in der Modebrache tatsächlich sein könnte, ist es doch schön zu sehen, dass Designer über Alternativen nachdenken. Unsere Hoffnungen sind groß, dass die Verwertung von Fischhäuten, die in den meisten Fällen sowieso Abfälle der Fischindustrie darstellen, die grausamen Methoden der Zucht und Tötung von Tieren zwar nicht komplett aus der Welt schaffen, aber die Ausbeutung für die Modeindustrie vielleicht zumindest minimieren könnte.

Mehr Details zur Verarbeitung von Fischabfällen zu Leder für High-Fashion-Designs verraten wir Ihnen in unserer Fotoshow.

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