Emotionen

Lassen Sie es raus! Warum Sie das Fluchen nicht verfluchen sollten

am 30.07.2015 um 18:44 Uhr

„Ich wasch dir gleich den Mund mit Seife aus!“ – Haben Sie diesen Satz früher auch öfter gehört, wenn Sie als Kind mal wieder eines dieser verbotenen Wörter in den Mund genommen haben? Hätten Ihre Eltern damals gewusst, dass diese kleinen (oder großen) verbalen Ausbrüche durchaus positive Auswirkungen auf Ihr Verhalten haben können, hätten sie Sie sicher gewähren lassen. Fluchen ist nämlich verdammt noch mal gut für die Seele, steigert das Selbstbewusstsein und macht uns stärker. Warum, das erfahren Sie hier und in der Fotoshow .

Falls Sie auch zu den Menschen gehören, die es einfach nicht sein lassen können, in sämtlichen Lebenssituationen zu fluchen und mit „F**k“ oder „Sch***“ verbal um sich zu schlagen, sollten Sie aufhören, sich deswegen schlecht zu fühlen und Kritikern Ihrer gefühlsgeladenen Ausbrüche folgende Argumente entgegensetzen.

Ich fluche – und das ist auch gut so!

Auch wenn in den USA Schimpfwörter im öffentlichen Fernsehen oder Radio immer noch mit einem lauten Piepen ausgerottet werden (und bei Regelbrüchen eine hohe Geldstrafe wartet) und in Russland sogar Schimpfstrafzettel verteilt werden, sind sich viele Gehirnforscher, Sprachwissenschaftler und Psychologen einig: Der Versuch, das Fluchen auszurotten, ist nicht nur ein Fehler, sondern auch sinnlos.

Das zeigt sich vor allem daran, dass das Fluchen kein neuzeitliches Phänomen ist. So berichtet zum Beispiel der Linguist Guy Deutscher in seinem Buch „The Unfolding of Language: An Evolutionary Tour of Mankind’s Greatest Invention“ von verbalen Tiefschlägen, die über 5000 Jahre zurückreichen. Aber auch Johann Wolfgang von Goethe war ein großer Verfechter der Schimpftiraden und brachte einen Kritiker folgendermaßen zum Schweigen: „Schlag ihn tot, den Hund!“ Und auch Joschka Fischers verbale Entgleisung aus dem Jahr 1984 ist Ihnen sicher noch in guter Erinnerung: „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!

Fluchen ist an keine soziale Schicht, kein Geschlecht, kein Alter oder keine Nationalität gebunden. Wenn wir fluchen, sagen wir in dem Moment genau das, was wir denken – laut, deutlich und unmissverständlich. Fluchen befreit uns von angestauten Emotionen, ja, sogar von Schmerzen und hat eine fast schon kathartische Wirkung. Und das Beste daran? All das ist wissenschaftlich erwiesen. Was allerdings sicher keine Entschuldigung dafür ist, Ihren Chef zeitnah mit der besten Sammlung ihrer Schimpfwörter zu beglücken!

Warum Sie das Fluchen nicht verfluchen sollten

US-Forscher haben herausgefunden, dass das Gehirn Schimpfwörter in der Region des limbischen Systems speichert, dort wo auch die Emotionen sitzen. Mit ein Grund dafür, warum sich Alzheimerpatienten am ehesten noch an Schimpfwörter erinnern können. Im Fluchen sehen die Forscher außerdem so etwas wie ein reinigendes Gewitter. Eines, das nicht rational, sondern zutiefst menschlich ist. Eines, das besonders wirkungsvoll ist in Stresssituationen – ob emotionaler oder körperlicher Natur. Stresssituationen, die in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens aufkommen können.

Geben Sie es zu! Sie fühlen sich doch auch viel besser, wenn Sie dem Autofahrer vor Ihnen mal so richtig verbal den Stinkefinger gezeigt haben, oder? Etwas, was auch in physisch schmerzhaften Situationen funktioniert: Das anschaulichste Beispiel wäre hier wohl ebenfalls eines aus dem Alltag. Wer sich schon mal so richtig den kleinen Zeh an der Türschwelle gestoßen hat, kann das nachvollziehen. Denn ein lautes „Scheiße“ kann hier bereits wahre Wunder bewirken, oder?

Und auch das ist wissenschaftlich erwiesen: Dr. Richard Stephens, John Atkins und Andrew Kingston von der Keele University haben sich in ihrer Studie „Swearing as a reponse to pain“ mit genau dieser Verbindung auseinandergesetzt. Sie verstehen das Fluchen nicht nur als eine Antwort auf einen körperlichen Schmerz, sondern auch als einen damit einhergehenden Bewältigungsmechanismus.

In einem Experiment sollten 67 Probanden ein und dieselbe Herausforderung – das Eintauchen der Hand in eiskaltes Wasser – zwei Mal bewältigen. Einmal mit und einmal ohne Fluchen. Und nun raten Sie mal, in welcher Runde die Hand länger im Wasser blieb? Richtig, in der, wo geflucht werden durfte! Und zwar ganze 40 Sekunden länger.

Doch auch emotionale Stresssituationen lassen sich mit einem lauten Fluchen besser bewältigen – nehmen sozusagen den Druck vom brodelnden Kessel! Ähnlich wie beim physischen Schmerz, wird durch ein lautstarkes „Das ist doch Kacke!“ mitunter Schlimmeres verhindert. Emotionaler Stress abgebaut, der sich sonst vielleicht im Extremfall auch in eine gewalttätige Richtung hätte entladen können oder sich solange aufstaut bis keine Kommunikation mehr zustande kommt.

Sollte sich Ihr Frust allerdings gegen Ihren Chef oder eine andere Autorität richten, ist es allerdings ratsamer, schnell den Lift aufs Dach zu nehmen und die Schimpftirade in den Himmel zu schreien! Das hilft genauso gut!

Mehr zum Thema Fluchen und seiner entladenden Wirkung finden Sie in unserer Fotoshow.

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