Food-Trend

Essen statt Party: Essen als Kern der Gesellschaft

am 29.05.2015 um 18:19 Uhr

Denken wir doch einmal ein paar Jährchen zurück. Da blieb beim morgendlichen Stress vor der Arbeit keine Zeit für ein ausgewogenes Frühstück. Beim Kaffee-Schlucken stellte man täglich eine neue Bestzeit auf. Für den Weg zur Arbeit durfte es dann ein Buttercroissant vom Bäcker sein. Damals auch ganz groß im Kommen: Afterwork-Partys. Nachdem man sich also den ganzen Tag mit Snacks am Leben gehalten hat, wurde der Tag bei einem Absacker und guter Musik verabschiedet. Und heute? Heute gibt es Bio-Läden und Smoothies an jeder Ecke, Food-Märkte in wöchentlichen Abständen und zum Feierabend wird gut gegessen. Wir verraten Ihnen hier und in unserer Fotoshow , warum gutes Essen heute absolut im Trend ist.

Vielleicht ist in den Köpfen endlich angekommen, dass wir alle der Umwelt mit dem täglichen Verpackungsmüll nichts Gutes tun, vielleicht haben wir auch bemerkt, dass Tabak, Alkohol und Fast Food nicht das Beste für unseren Körper sind oder vielleicht liegt es auch einfach daran, dass man sich nüchtern beim Essen einfach viel besser unterhalten kann als betrunken zu lauten Beats.

Damals und heute

Nichts geht über Großmutters Marmelade, aber sie selber machen? Nein, danke. Ähnlich die Eintöpfe, herrlich. Stundenlang an den Herd stellen kam für die meisten trotzdem nicht in Frage. Schließlich gibt es, vor allem in Deutschlands Großstädten, ja auch alles zu kaufen, zwar nicht so gut wie bei Oma, aber zumindest im Geschmack ähnlich. Und das Frühstück am Morgen? Komplett überbewertet!

Lieber schläft man doch ein halbes Stündchen länger und schnappt sich dann einen leckeren, vor Fett tropfenden Weizenklumpen beim Bäcker. So war es einmal.

Heute ist das beinahe unvorstellbar, zumindest in vielen Großstädten und das überraschenderweise vor allem bei jungen Leuten. Wenn man sich heute tatsächlich noch einmal für einen Snack-to-go entscheidet und wartend in der Schlange steht, kann man förmlich die Uhr danach stellen, wann das erste „Ich nehme einen Low-Carb-Cheesecake“, „Einen Soja-Latte, bitte“ oder „Ich weiß, dass Guacamole extra kostet“ ertönt.

Soja war vor Jahren noch für viele von uns ein Fremdwort, Laktose-Intolerante ausgenommen. Heute outet sich gefühlt die Hälfte der Leute als Laktose-intolerant. Auch Guacamole oder Low-Carb sind heute Teil des täglichen Sprachgebrauchs. Alles, um den Körper etwas Gutes zu tun? Leute ernähren sich vegetarisch, ohne Gluten oder nach dem Paleo-Prinzip, das sind alles Trends, die sehr viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen. Geld, was den meisten jungen Menschen viel zu schade gewesen wäre, um es in Essen zu investieren. Ein durchaus eigenartiger, aber mehr als positiver Trend.

Bio ist cool

Doch nicht nur der Verzicht auf ungesunde Lebensmittel hat sich mittlerweile als normal eingependelt, auch das Kaufen deutlich preisintensiverer Bio-Produkte aus der Umgebung ist zum absoluten Trend avanciert. Wer sich vor ein paar Jahren noch auf Bio-Produkte eingeschossen halte, wurde kurzerhand als unausgeglichener Öko-Fuzzi abgestempelt, der sich bestimmt mit Kernseife wäscht. Heute sind Bio-Supermärkte, -Bäcker und Co. im Herzen der Gesellschaft angekommen. In den letzten zehn Jahren hat sich der Umsatz mit Öko-Nahrungsmitteln um das Dreieinhalbfache auf sieben Milliarden Euro erhöht, selbst Discounter füllen mittlerweile ihre Regale mit Produkten guten Gewissens. Und das ist nicht nur in Deutschland so, in den USA ist der ganze Gesundheitshype fast noch extremer.

Wieso auf einmal gesund?

Es gibt Food-Märkte en masse, Bioläden an jeder Ecke und Smoothies gehören selbst bei McDonald’s zum Angebot. Irgendwie eigenartig. Woran liegt das?

Am Ende seines Lebens hat jeder Deutsche durchschnittlich 46 Schweine und beinahe 1000 Hühner verspeist, wenn man von all dem anderen Getier einmal absieht. Das klingt unmenschlich und barbarisch. Obwohl Essen ein absolutes Grundbedürfnis des Menschen ist, daher keineswegs eingeschränkt oder verpönt werden sollte, scheinen wir endlich aus den Negativschlagzeilen der letzten Jahre gelernt zu haben. Die Lebensmittelskandale haben ihre Früchte getragen, nun wollen wir wieder wissen, was wir essen und aufs bewusst Schlechte verzichten. Wir wollen wissen, wie das Rind auf unserem Burger gezüchtet wurde, die Äpfel am liebsten selbst vom Baum pflücken und uns nicht mehr vom Essen krank fühlen oder tatsächlich krank werden. Das Essen verliert seine Selbstverständlichkeit und die Industrie ihre Glaubhaftigkeit. Nun wird wieder selbst Hand angelegt.

Individualität dank Essen

Neben dem Trend hin zum gesunden Lebensstil und der durchsichtigen Ernährungskultur ist es vor allem auch der Megahype hin zur Individualisierung, der uns zu Feinschmeckern macht. Mittlerweile definierten wir uns nicht mehr nur durch die Kleidung, das Auftreten und die Gesellschaft, in der wir uns befinden, sondern vor allem durch unseren Lebensstil: Was essen wir, wohin reisen wir, wie fit sind wir körperlich?

Glücklicherweise sind wir heute in der Position, in der wir selbst entscheiden können, wer wir sein wollen, wo wir arbeiten und dementsprechend auch, was wir essen. Gutes Essen ist also zu einem wichtigen Hilfsmittel der Selbstverwirklichung geworden, aber auch immer mehr zum Tool der Selbstbeschränkung und –darstellung. Heute werden Gruppen und Communities gebildet, Veranstaltungen ins Leben gerufen, um sich und seiner Liebe zu gutem Essen Raum zu geben, seine ernährungstechnische Freiheit zu genießen, so die Welt zu verbessern und sicherlich auch in gewissem Maße zu provozieren. Wir wollen uns nicht mehr vorschreiben lassen, wann Essen krank macht und ob wir es vertragen.

Öffentliches Essen

Egal, ob vegetarische Restaurants, Paleo oder Urban Farming: Es geht überall ums Essen und immer gibt es etwas Neues. Als „normaler Esser“ blickt man da schon gar nicht mehr durch. In Berlin gibt es mittlerweile sogar einen veganen Biergarten – das alles ist Teil dieser Trendbewegung. Am populärsten sind jedoch Street-Food-Märkte als DER Ort, um sich und seine Persönlichkeit komplett auszuleben. Es werden die verschiedensten Gerichte aus aller Welt angeboten, selbstverständlich alle selbst zubereitet – die Leute am Stand wissen ganz genau, was sie da verkaufen. Man trifft sich auf eben jenen Märkten, die übrigens von DJs mit Musik beschallt werden und in den coolsten Locations der Stadt ausgetragen werden, umgibt sich dort mit Leute gleicher Interessen, eben dem Interesse für gesundes Essen mit gutem Gewissen. Man probiert aus, entwickelt Ernährungsphilosophien und reift seine Persönlichkeit so in eine ganz neue Richtung.

Dabei sind auch fünf Euro für ein winziges Stückchen glutenfreien Kuchen gar nicht mehr so schlimm, schließlich verzichtet man ja auf das Ausgehen am Wochenende – da steht nämlich der nächste Food-Market auf dem Plan. Das Essen selbst ist endgültig zum absoluten Trend geworden.

In unserer Fotoshow erfahren Sie, auf was wir in Sachen Ernährung in diesem Jahr besonders achten .

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