Apropos Frankfurter Buchmesse: Unsere Lektüretipps für den Herbst

am 11.10.2013 um 14:50 Uhr

Apropos Frankfurter Buchmesse, dachten wir uns. Lesen ist vor allem im Herbst/Winter wieder eine schöne Freizeitbeschäftigung und immer neue Meisterwerke lassen uns die grauen Tage auch nie langweilig werden. Wenn auch Sie leider nicht vor Ort sein können, wenn auf dem Messegelände Verlage, Autoren und neue Bestseller vorgestellt werden, dann schauen Sie sich doch mal die auserwählte desired.de-Herbstlektüre an, vielleicht ist ja auch das ein oder andere Schmankerl für Sie dabei.

Und dabei lassen wir die derzeit in Frankfurt stark diskutierte Frage „E-Book oder gebundenes Exemplar“ außen vor, denn beide Seiten haben ihren Vor- und Nachteil. Wir interessieren uns für den – im Herbst gern mal melancholischen – Inhalt, die Verpackung darf jeder selbst wählen.

Alice Munro „Kleine Aussichten“

Die kanadische Schriftstellerin Alice Munro soll hier nicht mit einer bestimmten Arbeit auftreten, auch wenn ihr Erstlingswerk „Tanz der seligen Geister“ und der Nachfolger „Kleine Aussichten“ immer noch zu ihren berühmtesten und erfolgreichsten Veröffentlichungen gehören. Nein, wir möchten die frisch gekürte Nobelpreisträgerin für Literatur 2013 gern als Ganzes wärmstens empfehlen. Ihre Sammlungen an Kurzgeschichten haben das Genre verändert und so wurde sie von der Jury in Stockholm am 10.Oktober auch als „Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte“ betitelt.

Andréa del Fuego „Geschwister des Wassers“

Und noch ein Buch, das schon vor ein paar Jahren erschien, aber gerade erst zu besonderer Aufmerksamkeit gelangt ist. Brasilien ist nämlich das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse und so schwappen gerade brasilianische Autoren und Bücher zu uns herüber und verführen uns mit ihren einzigartigen Geschichten. Andréa del Fuegos „Geschwister des Wassers“ beginnt mit einem nächtlichen, tödlichen Blitzschlag, der die Eltern dreier Geschwister für ewig weiterschlafen lässt, die daraufhin als Waisen ihr Leben bestreiten müssen und das getrennt voneinander. Jahre später treffen sie sich durch eine Art Anziehungskraft an diesem Ort wieder und brechen erneut auf, diesmal gemeinsam.

Terézia Mora „Das Ungeheuer“

Der Deutsche Buchpreis 2013 wurde ebenfalls gerade erst vergeben und ging an Terézia Moras „Das Ungeheuer“, welches an „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ anschließt. Der Protagonist ist inzwischen Witwer und begibt sich mit der Asche seiner Frau Flora im Gepäck auf eine Reise in ihr Heimatland Ungarn. Spannend: Die obere Hälfte des Buches erzählt von seiner Reise, die untere zeigt Floras Notizen von ihrem Laptop auf. Zwei Stränge, eine Geschichte.

Anne Gesthuysen „Wir sind doch Schwestern“

Mit Schwestern ist das so eine Sache, noch dazu wenn sie gerade zusammen den Geburtstag der Ältesten von ihnen planen. Da treffen verschiedene Generationen, verschiedene Gemüter und doch so viele Gemeinsamkeiten aufeinander, dass es explodieren muss. Und wenn dazu der Geburtstag auch noch ein 100. ist, scheinen Streitereien, Erinnerungen, Schicksale und Konflikte alle auf einmal ans Tageslicht zu treten: ein homosexueller Ehemann, eine Mutter, die plötzlich ins Leberkoma fiel, ein versteckter Spion und vieles mehr. Anne Gesthuysen schrieb diesen liebevollen Roman über ihre Großtanten und das Leben über ein gesamtes Jahrhundert hinweg, der mitreißt, fasziniert und berührt.

Shani Boianjiu „Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst“

Drei Frauen, drei Freundinnen, drei Heldinnen in der israelischen Armee. Sie erleben Drill, Stress, Waffen, kommen tagtäglich bei Passkontrollen an der Grenze mit potentiellen Feinden in Berührung. Mit einer großen Prise trockener Ehrlichkeit und aus eigener Erfahrung erzählt die israelische Autorin über den Alltag der Frauen im Militär. Shani Boinanjiu sagte dazu in einem Interview: „Mein Buch ist reine Fiktion. Aber ich hätte es natürlich nicht schreiben können, wenn ich nicht selbst in der Armee gewesen und ich nicht genau hier aufgewachsen wäre. Die technischen Details und die Bilder, die ich damals vor Augen hatte, haben mich inspiriert beim Erfinden der Hauptpersonen und meine Fantasie angeregt.“

Patrick Modiano „Der Horizont“

Sehnsucht: Darum geht es in Patrick Modianos „Der Horizont“. Der Protagonist des Romans, Schriftsteller Jean Bosman, kann die kurze, aber sinnliche Begegnung mit Margaret Le Coz nicht vergessen und reist deswegen 40 Jahre später von Paris nach Berlin auf der Suche nach ihr. Verlust, Verlorensein, Sehnsucht, Ewigkeit, Zeitlosigkeit, Augenblicke und vom Suchen und Finden in den unruhigen 60er Jahren erzählt der Roman mit einer sehr humorvollen Ader. Ob er Jean Margaret am Ende wohl findet?

Khaled Hosseini „Traumsammler“

Nach dem Tod der Mutter hat der zehnjährige Abdullah seine kleine Schwester Pari quasi allein aufgezogen, bis zu einem Tag, als der Vater plötzlich beschließt, mit ihnen nach Kabul zu gehen und die kleine Tochter einer reichen Familie zu geben, die sie adoptiert und Schweigen darüber bewahrt. Doch als Pari aufwächst, verspürt sie immer eine innere Leere, die sie nicht greifen kann. Autor Khaled Hosseini folgt mehreren Figuren, die alle durch eine auf verschiedene Weise ausgelöste Verletzung, durch Einsamkeit und  Leere miteinander verwoben sind und beschreibt das ewige Suche nach der anderen Hälfte: dem Bruder, dem Heimatland oder dem Wandel der Zeit.

Clemens Meyer „Im Stein“

Das Rotlichtviertel Leipzigs ist der Mittelpunkt von Clemens Meyers neuestem Roman, der sich wieder einmal nicht unbedingt mit den Helden der Gesellschaft auseinandersetzt: Figuren der Nacht, ein verlottertes Milieu, Prostitution, Aufstieg und Fall. Verkaufte Körper als Wirtschaftszweig und grausam ehrliche Darstellungen, nüchtern und packend, erwarten den Leser, der definitiv nicht zartbesaitet sein darf. Hier wird nichts beschönigt und in bunte Tücher gewickelt.

Alle Bücher unserer Lektüreliste für den Herbst finden Sie auch noch einmal in unserer Fotoshow.

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