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Lassen Sie los: Fünf Gründe, eine Freundschaft endlich zu beenden

am 26.03.2015 um 18:49 Uhr

„Freundschaft ist die Verbindung der Seelen“, sagte schon Voltaire, einer der größten Philosophen und scharfsinnigsten Denker des 18. Jahrhunderts und klang damit für einen sich der Aufklärung verschriebenen Pragmatiker nahezu sentimental. Kein Wunder: Freundschaften sind das emotionale Zentrum eines jeden Menschen und bestimmten mit Sicherheit auch das zwischenmenschliche Leben des großen Voltaire. Partner kommen und gehen, aber Freunde sind unsere freigewählte Familie. Was aber, wenn ein Freund unser Leben auf einmal nicht mehr bereichert, sondern erschwert? Wann sollte man den Schritt wagen und sich von einem Freund trennen? Wir verraten Ihnen hier und in unserer Bildergalerie fünf Gründe, eine Freundschaft zu beenden.

Eine Freundschaft ist wie eine Liebesbeziehung: Man muss an ihr arbeiten und in sie investieren. Ohne Aufopferung lässt sie sich nicht denken. Das Sinnbild eines Gartens, den man hegen und pflegen muss, trifft eben auch hier zu. Sie möchten, dass die Rosen blühen und duften? Dann müssen Sie auch auf die Knie gehen, sich die Hände schmutzig machen, umgraben, jäten und vor allem – regelmäßig gießen. Manchmal stößt man bei einer Freundschaft aber an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten und kommt an einen Punkt, wo man alleine nicht mehr viel ausrichten kann.

1. Vom Geben und Nehmen

Dass sich Freundschaften verändern, ist ganz normal, schließlich entwickelt man sich selbst als Mensch im Laufe der Jahre weiter. Demnach gibt es in jeder Freundschaft auch gute und schlechte Zeiten sowie Veränderungen in der zwischenmenschlichen Dynamik, wenn zum Beispiel der Freund heiratet, Kinder bekommt oder umzieht. Trotzdem muss das Gleichgewicht von Geben und Nehmen immer halbwegs ausgeglichen sein: Ist der Freund gerade in einer stressigen Lebensphase, gibt man eben zwischenzeitlich etwas „mehr“, in dem Wissen, dass sich dies auch wieder ändern wird.

Wenn Sie aber bemerken, dass Sie schon viel zu lange die Einzige sind, die sich um die Freundschaft bemüht und den metaphorischen Garten regelmäßig gießt, dann wird es höchste Zeit, sich über die Situation ernste Gedanken zu machen. Fühlt man sich nur noch ausgenutzt, muss man die Person loslassen. Dauerhafter Frust hat in einer Freundschaft nichts verloren!

Sollte Ihnen anschließend auffallen, dass Ihnen die Freundschaft nicht einmal fehlt, wissen Sie, dass Sie die richtige Entscheidung getroffen haben.

2. Ohne Vertrauen keine Basis

Es gibt viele Dinge, die eine Freundschaft aufrecht erhalten, aber das untrügliche Vertrauen in eine Person ist die absolute Basis für jede ernste und langjährige Freundschaft. Vertrauen ist auch nicht etwas, das von heute auf morgen aufgebaut werden kann, sondern ein zarte Verbindung, die sich langsam entfaltet, stärker wird und wächst.

Der klassische Not-Anruf um vier Uhr morgens, wenn man dringend Hilfe braucht: Wessen Nummer würden Sie wählen, wessen Nummer würden Sie niemals wählen? Das Verhalten eines Freundes in unangenehmen Krisensituationen ist es, das erst zeigt, ob man demjenigen vertrauen kann oder nicht. Diese Momente bauen eine Freundschaft von Innen heraus auf oder stellen sie in Frage. Wenn Sie merken, dass Sie sich auf Ihr Gegenüber nicht verlassen können, dass Sie Ihrem Freund nicht von Herzen vertrauen, dann wird es Zeit, sich von diesem zu verabschieden. Oder schlimmer noch: Wenn Sie bemerken, dass Ihr Gegenüber Sie sogar anlügt (keine kleine Notlüge, die sich jeder hin und wieder erlaubt), dann ist jegliches Vertrauen dahin. Und ohne Vertrauen, keine Freundschaft – so einfach ist es manchmal.

3. Kein Platz für Negativität

Es gibt sie manchmal, diese speziellen Freunde, die, wenn man ehrlich ist, einfach einen negativen Einfluss auf das eigene Leben ausüben. Oft wundert man sich selbst, ob diese Menschen einfach schon immer so waren und man es einfach nicht vorher bemerkt hat, oder, ob sie sich tatsächlich ins Negative verändert haben.

In jedem Fall ist das Stichwort ‚Negativität‘ hier ausschlaggebend: Haben Sie Freunde, die Sie klein machen? Freunde, die Sie nur kritisieren, an Ihrem Selbstwertgefühl sägen und Ihnen das Gefühl geben, Sie seien nicht in einer Freundschaft, sondern in einem Wettbewerb? Dann wird es höchste Zeit, diese Freundschaft aus Ihrem Leben zu entfernen. Sie sollten eines niemals vergessen: Freunde sind dazu da, das eigene Leben zu bereichern, zu erhellen, zu verbessern und nicht, es wie eine Gewitterwolke zu verdunkeln und schlechte Stimmung zu verbreiten.

Natürlich sollte eine Freundschaft auch Kritik und Offenheit vertragen. Friede, Freude, Eierkuchen rund um die Uhr, das gibt es gar nicht. Deshalb ist es neben einer gesunden Portion an Harmonie auch genauso wichtig, Differenzen offen auszudiskutieren, sich aneinander zu reiben und manchmal einfach auch nicht einer Meinung zu sein. All diese Reibungen müssen auf einer Wertschätzung und Anerkennung des Gegenübers beruhen.

Sie spüren diese Wertschätzung nicht mehr? Dann hilft nur ein Abschied.

4. Der kleinste gemeinsame Nenner

Nicht alle Menschen sind gleich: Die einen sind von Natur aus selbstloser als die anderen. Die einen brauchen einfach mehr Freiraum, während die anderen sich wiederum noch mehr Nähe wünschen. Die Kunst einer guten Freundschaft ist, die Andersartigkeit des Freundes im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu akzeptieren und nicht immer gleich alles persönlich zu nehmen. Das Problem? Der Rahmen der eigenen Möglichkeiten ist bei manchen Menschen eben flexibler als bei anderen.

Und wieder sind wir bei der Individualität des Einzelnen angelangt: Wenn sich zwei Charaktere zusammenfinden, die sehr unterschiedlich sind, dann werden sie im Laufe der Freundschaft mit Sicherheit mehr Kompromisse eingehen müssen, als zwei Menschen, die sich sehr ähnlich sind. Trotzdem sind es gerade diese Freundschaften, die unsere Kompromissbereitschaft ausreizen, die uns im Leben oftmals weiterbringen und helfen, unseren eignen Charakter weiter auszudifferenzieren.

Sollten Sie aber bemerken, dass Sie am Ende Ihrer Flexibilität angekommen sind, der gemeinsame Nenner einfach zu klein ist und Sie nicht mehr bereit sind, ständige Kompromisse einzugehen, ist Nachdenken angesagt: Reicht der Mehrwert der exotischen Freundschaft nicht mehr aus, um all die kleinen Enttäuschungen und charakterlichen Differenzen auszubalancieren? Dann ist es nun einmal an der Zeit, sich zu verabschieden. Schließlich darf eine Freundschaft nicht nur Arbeit, nicht nur anstrengend sein, sondern muss Sie vor allem glücklich machen. Wer sich nur noch über die Macken des Freundes ärgert, das freigeistige Laissez-faire oder die akkurate Pingeligkeit des Anderen nicht mehr ertragen kann, muss loslassen.

5. Das natürliche Ende: Auseinander leben

‚Auseinander leben‘ – ein Thema, das vielen an sich schon ein Graus ist. Denn es bedeutet in jedem Fall ein Ende: Das Ende einer Liebesbeziehung genauso wie das Ende einer Freundschaft.

Um eine Freundschaft aufrecht zu erhalten und sich in dieser wohl zu fühlen, braucht es eine gemeinsame Basis an Grundwerten und Vorstellungen. Sie erinnern sich – die Rede ist von jenem gemeinsamen kleinsten Nenner, der auch in Punkt 4 eine Rolle spielte. Gehen die Vorstellungen, die man lange Zeit teilte, irgendwann doch zu sehr auseinander, hat man sich de facto zu sehr von einander fort entwickelt, dann muss man sich wohl oder übel eingestehen, dass die Freundschaft ihrem natürlichen Ende entgegenblickt.

Das Traurige ist, dass an diesem Ende niemand wirklich „Schuld“ hat: Menschen kommen und gehen. Manchmal bleiben sie. Jedes Individuum entwickelt und verändert sich über die Jahre hinweg. Manchmal wächst man zusammen, manchmal auseinander. Trotzdem ist es wichtig, sich diese Veränderung auch eingestehen zu können und nicht krampfhaft an etwas festzuhalten, nur weil die Erinnerung an die vergangenen Tage so schön ist. Es heißt ja nicht, dass Sie an dieser Stelle einen sauberen Schnitt setzen müssen, oder diese Person nie wieder sehen dürfen. Sie akzeptieren vielmehr bewusst den natürlichen Lauf der Dinge und richten Ihren Blick nach vorne, nicht mehr zurück.

Zum Schluss bleiben Ihnen nur eine ehrliche Selbsterforschung und der Fokus nach Innen. Fragen Sie sich: Warum bin ich mit diesem Menschen befreundet? Würde ich die Person vermissen, wenn sie nicht mehr Teil meines Lebens wäre? Oder wäre ich im Gegenteil erleichtert?

Antworten Sie ehrlich. Suchen Sie sich Ihre Wahlfamilie sorgfältig aus und vergessen Sie niemals, dass unsere Freundschaften der Spiegel unser selbst sind: Wer Sie unglücklich macht, ist nicht Ihr Freund.

Impressionen und weitere, spannende Zitate zum Thema Freundschaft finden Sie hier in unserer Bildergalerie.

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