Liebe ist meine Religion – Interview mit Frida Gold

am 12.04.2013 um 14:06 Uhr

Frida Gold gelten als die deutsche Pop-Hoffnung: Hypnotisierende Melodien, schillernde Texte, eingehende Beats und eine Prise Disko sind dabei die Markenzeichen der elektrisierenden Pop-Songs. Mit ihrem Debütalbum „Juwel“ sicherten sie sich bereits 2011 Gold-Status und machten sich deutschlandweit einen Namen. Jetzt geht es mit „Liebe ist meine Religion“ endlich in die zweite Runde! Frontfrau Alina Süggeler besticht aber nicht nur mit einer ganz besonderen Stimme sondern machte auch immer wieder mit ihrem extrovertierten, interessanten Stil auf sich aufmerksam! desired.de-Redakteurin Matea traf die Band in kleinem Rahmen und stellte einige Fragen rund um Musik und Fashion!

Das erste Album entstand mit einem unglaublichen Blick nach innen: Frida Gold stellten viele Fragen, suchten nach Antworten und fanden manchmal keine. Jetzt scheinen die gestellten Fragen viel umfassender, universeller zu sein und die Suche nach konkreten Antworten nicht mehr so wichtig. Das neue Studioalbum „Liebe ist meine Religion“ erscheint am 21. Juni und beschäftigt sich mit dem emotionalen Überkonstrukt „Liebe“.

Lieber Andi, liebe Alina: Liebe ist also eure Rebellion und Religion! Wogegen rebelliert ihr? Woran glaubt ihr?

„Wir glauben, dass alles von der Liebe zusammengehalten wird! Liebe ist das, was unser menschliches Dasein bestimmt. Liebe ist das, womit wir konfrontiert werden, wenn wir auf diese Welt kommen und auch wenn wir wieder von dieser Welt gehen. Der Glaube an Liebe, ganz egal in welcher Form, ist das, was den Menschen am Leben erhält. Ich glaube an die Liebe, wie andere Menschen an eine Religion glauben.“

Emotionen waren schon immer ein wichtiges Motiv in euren Songs. Jetzt wird das Ganze sogar noch eine Stufe weiter nach oben transportiert. Die Kraft der Liebe ist nicht mehr gebunden an das Subjekt, sondern wird eher als großes, übergeordnetes Konzept verstanden?

„Ganz genau! ,Liebe ist meine Rebellion‘ lautete einer der anfänglichen Schlagsätze, die so in meinem Kopf entstanden sind! Das haben wir dann ganz schnell als roten Faden festgelegt, uns daran entlang gehangelt und immer wieder unterschiedliche Facetten von Liebe beleuchtet. ,Liebe ist meine Rebellion‘ war der energetische Startschuss zum Songwriting und führte dann zu dem Abschluss ,Liebe ist meine Religion‘.“

Das klingt ganz stark nach konzeptionellem Arbeiten?

„Ja, aber auf eine sehr intuitive Art und Weise. Das Konzept hat sich irgendwie von ganz alleine zusammengefügt! Manchmal befindet man sich in einer Lebensphase, in der die Dinge urplötzlich Sinn machen. Alles rückt an seinen richtigen Platz. Und genau so eine Phase haben wir hinter uns: Ein Jahr, das unheimlich beflügelnd war und auch unheimlich schön. Ganz echt, ganz intensiv!“

Was genau hat letztendlich die Inspiration für das neue Album geliefert? Gibt es bestimmte, vielleicht auch popkulturelle Einflüsse, die in das Songwriting mit hineingeflossen sind?

„Ich habe vor allem meine Emotionen einfließen lassen, mein tatsächlich Erlebtes! Aber popkulturelle Einflüsse? Eher nicht. Dass man für einen klassischen Popsong ein zeitgeistiges Gewand findet, ist nur natürlich, das machen wir auch!  Aber die Entstehung des Songs verläuft bei uns wirklich sehr klassisch. Wir besinnen uns auf ein Thema und ich versuche, die Idee, die nur so vage in meinem Kopf herumschwirrt dann am Klavier zu vertonen. Natürlich bin ich auch sehr offen für allerlei Einflüsse, aber ich suche definitiv nicht danach! Ich erlebe eher!“

Wie sieht ein ganz normaler Tag bei Frida Gold während des Songwriting-Prozesses aus?

„Für das neue Album sind wir sogar hier in Berlin in eine gemeinsame Wohnung gezogen und haben dann versucht, mit Struktur an das Songwriting heranzugehen! Morgens um acht Uhr gab es Meetings, Lieder wurden durchgehört, an der Tafel angeschrieben und besprochen. Tatsächlich gab es dann auch Tage, an denen wir nur abgearbeitet haben. Und dann gab es natürlich auch Momente, bei denen, trotz toller Strukturen und Plänen, alles nur drunter und drüber lief, weil Ideen einfach nicht funktionieren wollten, mir keine Texte eingefallen sind, die Tage oder einfach unsere Gedanken zu dunkel waren!“

Woran seht ihr, dass die Songs fertig, das Album bereit für die Öffentlichkeit ist? Fällt es euch leicht loszulassen?

„Beim ersten Album ist uns das ganz schön schwer gefallen. Aber mit unserem neuen Album hatten wir eine andere Arbeitsphilosophie! Wir konnten diesmal jede Idee direkt während ihrer Geburtsstunde aufzeichnen, sodass wir es hinterher auch verwenden konnten. Dadurch war es möglich, auch während des Produktionsprozesses zu den Anfängen zurückkehren! Und das hat uns sehr geholfen und war immer eine Bestätigung, dass wir noch auf dem richtigen Weg sind. Ich bin totaler Fan von diesem einen, bestimmten Zaubermoment der Entstehung einer Idee. Und wenn man dies immer im Blick hat, dann verstrickt man sich nicht oder läuft Gefahr, die ursprüngliche Botschaft des Songs zu verlieren!“

Der Künstlermythos vom schwierigen, zweiten Album… Verspürt ihr den Druck?

„Natürlich hatten wir auch Angst vor dieser Situation und dem Gefühl, jetzt müsste man an Erfolge anknüpfen. Irgendwie haben wir das aber relativ gut umschifft! Uns war schnell klar: Wir müssen eine Zeitlang ins Ausland gehen und uns mit neuen Einflüssen konfrontieren. Wir wollten wieder einen Moment schaffen, in dem für uns alles neu ist. Und das haben wir auch geschafft! Es ist nicht die zweite Platte, die sich einfach nach der ersten einreiht.“

Alina, dein Stil ist ja schon speziell – stark, feminin, trotzdem extravagant – und changiert irgendwo zwischen popkulturellen Referenzen, Selbsterforschung und Selbstbestimmung! Wie würdest du deinen eignen Stil beschreiben?

„Ach, ich finde das immer so schwierig. Alle Entscheidungen, die mein Äußeres angehen, treffe ich ganz klar aus einer Emotion heraus und gar nicht so sehr aus dem Bewusstsein, was gerade auf den Laufstegen getragen wird. Ich nehme das alles zwar wahr und interessiere mich auch bis zu einem gewissen Grad für Mode, aber ich bin nicht so besessen davon! Ich bin überhaupt kein Fashionfreak! Ich bin im modischen Bereich, wie in meiner Musik, eher intuitiv unterwegs und versuche auch nur das zu tragen, was mir ein bestimmtes, positives Gefühl vermittelt. Immer wenn ich mich verkleidet fühle zum Beispiel, fühle ich mich sehr unwohl.“

Modisches Verständnis und musikalisches Verständnis greifen für dich also ineinander, gehen Hand in Hand?

„Absolut! Mir ist sehr wichtig, dass meine Musik, meine Melodien klar verständlich sind. Ich mag ungern Dinge, die verschleiern! Dasselbe Prinzip würde ich auf mein Gefühl für Mode übertragen. Der straighte Look ist mir immer näher und lieber als etwas romantisch Verspieltes. Ich spreche auf jeden Fall sowohl in Musik als auch in der Mode eine ähnliche Sprache.“

Wer sind deine modischen Ikonen und haben dich vielleicht sogar in deinem Stil beeinflusst?

„Die Heldinnen meiner Jugend waren eigentlich Alanis Morissette und Pink! Natürlich sind das jetzt beides nicht unbedingt Style-Ikonen oder tragen Mode, die ich unterschreiben würde (lacht). Aber was mich an ihnen so inspiriert, ist, dass sie zu dem standen und stehen, was sie sind. Eine starke Geisteshaltung überträgt sich natürlich sofort ins Visuelle und vor allem Alanis Morissette mit ihrem Mut zur Hässlichkeit und unangestrengten Art finde ich absolut bewundernswert. Die beiden haben den Mut, Stärke zu zeigen und nicht anbiedernd feminin zu sein. Etwas von dieser Attitüde trage ich auch in mir und das schützt mich davor, zu tief in die Fashion-Aspekte einzutauchen!“

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