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Ghosting: Von Funkstille und komplettem Entzug

am 03.12.2015 um 17:53 Uhr

Haben Sie schon einmal von Ghosting gehört? Bei diesem sozialen Phänomen handelt es sich tatsächlich nicht um eine geisterhafte Séance, sondern um eine ganz besonders feige Art des Schlussmachens, die in Zeiten digitaler Vernetzung regelrecht aufzublühen scheint. Heute noch gekannt, morgen schon wie in Luft aufgelöst: Was es mit dem Ghosting wirklich auf sich hat und wie Sie damit umgehen können, erfahren Sie nun hier und in unserer Bildergalerie .

Worte können schmerzen, aber ein konsequentes Schweigen schmerzt noch mehr: Vor allem dann, wenn der Angeschwiegene die Reaktion überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Was ist Ghosting?

Eben hat man sich noch gedatet, und dann, von einem Tag auf den anderen, meldet sich die andere Person einfach nicht mehr. Nein, nicht erst am nächsten Morgen oder ein paar Tage später, sondern nie wieder. Sie sind natürlich noch emotional involviert – selbstverständlich, denn wer rechnet schon mit so etwas? – und latent verletzt angesichts der absoluten Funkstille. Egal, was Sie tun: Keine Reaktion, alle Kommunikationswege schweigen. Das schmerzt? Kein Wunder und unser herzliches Beileid: Sie wurden geghostet.

„Ghosting“ benennt den Vorgang, wenn die Person, die man datet, sich ohne Vorwarnung und, vor allem, ohne Erklärung aus dem zwischenmenschlichen Staub macht. Der Status quo: Es ist so, als sei nie etwas gewesen, als hätte ihre Verbindung nicht mal existiert. Das wirklich perfide dabei? Ghosting kann nicht nur nach wenigen Dates, sondern sogar nach jahrelangen Beziehungen passieren. Je länger man die Person kannte, desto schwieriger ist es natürlich auch demzufolge, die Stille zu ertragen. Und diese kommt meist ohne Vorwarnung und ist deshalb doppelt verwirrend: Ist man selbst noch mit Kopf, Herz und Bauchgefühl bei der Sache, dann passt der plötzliche Rückzug nicht mit der neuen Realität zusammen. Es ist ein besonders kränkender Mechanismus, der leise aber unentwegt am eigenen Stolz nagt: Ganz automatisch gerät das vergangene Geschehen ins Wanken und wird verzerrt. Man sieht eigene Fehler, wo keine waren, hinterfragt jedes seiner Worte, rekapituliert die letzten gemeinsamen Momente: Auf einmal scheint alles falsch, alles verkehrt herum.

Der Ghoster: Egozentrik trifft auf Feigheit

Jeder halbwegs emphatische, kommunikative Mensch stellt sich natürlich die Frage, wie man überhaupt auf die grausame Idee kommen kann, sich aus dem Leben eines anderen, emotionalen Wesens herauszuschweigen. Auch, wenn es vor allem am Anfang bitter, unverständlich und kränkend ist: Sie selbst trifft sowas von keine Schuld. Ihr Ghoster ist in den allermeisten Fällen einfach nur feige und hat ein gestörtes Verständnis von Verbindlichkeit und emotionaler Verantwortung. Er beruhigt sich mit der Devise, dass drei Dates doch noch längst keine Verbindlichkeit erfordern und ihn daher keine Schuld trifft. Dabei ist seine Handlung die absolute Verbindung von Egozentrik und Kleinmut: Wo emotionale Unreife und das Gefühl von Überforderung zusammentreffen, scheint die Unlust vor der Reaktion des anderen stärker zu wiegen, als jegliche Integrität.

Gerade in der heutigen Zeit erlebt das Ghosting einen zweifelhaften Vormarsch: Der Irrglaube, dass ein Flirt, der schnell digital nach dem Wisch&Weg-Prinzip begann, auch im echten Leben einfach wieder weggewischt werden kann, scheint um sich zu greifen. Dass dies aber im höchstem Maße infantil ist und eine Generation, die ohnehin auf emotionaler Dauerdiät lebt, doppelt sabotiert, spielt gar keine Rolle mehr. Wie auch: Wenn man nur noch sich selbst Rechenschaft schuldig ist, dann ist Ghosting nicht mehr als ein Symptom sozialer Verarmung. Die Wurzel des Übels steckt doch ganz woanders: Wo genau, das kann nur der Ghoster für sich selbst beantworten.

Nach dem Ghosting: Kopf hoch, Brust raus, Blick nach vorne

Egal, wie schwer es Ihnen fällt, egal, wie gekränkt und aufgewühlt Sie sind: Haken Sie Ihren „Ghoster“ endgültig ab. Rufen Sie ihn nicht an, suchen Sie nicht den Kontakt und vor allem, machen Sie sich selbst keine Vorwürfe. Es ist nicht Ihre Schuld, wenn der Andere sich zu Feigheit und nicht zu Ehrlichkeit entscheidet. Auch wenn eine Erklärung mehr als angebracht wäre, suchen Sie nicht krampfhaft nach Antworten, die Sie nicht geben können. Im Grunde müssen Sie es einfach akzeptieren: Keine Antwort ist auch eine Antwort. Mehr Gründe, um einen Ghoster endgültig aus Ihrem Leben zu streichen, brauchen Sie nicht.

Auf eine Sache können Sie sich in jedem Fall verlassen: Sie sind ohne diese Person ohnehin besser dran.

Impressionen zum Thema „Ghosting“ finden Sie nun hier in unserer Bildergalerie .

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